„Captain Fu“ verlässt die Saale

„Captain Fu“ verlässt die Saale: Merseburgs OB Jens Bühligen wettert gegen Schifffahrtsamt

Merseburg - Der Merseburger Kapitän der „Captain Fu“ zieht wegen Schleusenzeiten die Reißleine. Nun reagiert der OB.

Von Michael Bertram 09.03.2017, 07:00

„Es ist einfach erschreckend, wie unflexibel man in dieser Behörde ist“, macht sich Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) einen Tag nach der Hiobsbotschaft von der Saale Luft. Zuvor hatte Detlef Furchheim, seines Zeichens Kapitän des in Merseburg liegenden Ausflugschiffes „Captain Fu“ verkündet, sich ab Juni zurückzuziehen, weil er den Schifffahrtsbetrieb bei den jetzigen Bedingungen nicht mehr aufrecht erhalten kann.

Schuld seien die Schleusen, die vom Wasser- und Schifffahrtsamt nur von Mai bis Oktober offiziell geöffnet werden. Außerhalb der Betriebszeiten können auch Schleusungen angemeldet werden, die sind dann aber kostenpflichtig. 25 Euro kostet eine Schleusung für Gewerbetreibende, Privatleute dürfen kostenlos passieren. Aufgrund von Personalmangel, so die Begründung, könne die Behörde in den übrigen Monaten die Schleusen nicht besetzen.

Merseburgs OB Bühlingen wettert gegen Schifffahrtsamt

„Sich in der Diskussion auf das Personal zurückzuziehen, hat alles andere als Dienstleistungscharakter“, wettert nun Merseburgs OB gegen die Arbeitsweise des Schifffahrtsamtes. Bühligen fordert die Verantwortlichen auf, schnellstens nach Lösungen zu suchen, um den Gewerbetreibenden zu helfen und eine wichtige touristische Attraktion in Merseburg zu erhalten.

Mit einem Brief habe er sich an das Verkehrsministerium gewendet, um Unterstützung zu erhalten, so Bühligen. Der Oberbürgermeister verweist auch auf den Schiffsanleger, der Anfang der 2000er Jahre mit Hilfe von Fördermitteln errichtet wurde. Mehr als 130.000 Euro kamen damals von der Stadt selbst.

Auch Leuna bedauert Aus für Bootsfahrten der „Captain Fu“ auf der Saale

Und der soll nun ab Juni leer bleiben? Daran will man auch in Leuna nicht glauben. „Das wäre sehr bedauerlich, wenn es künftig keine Bootsfahrten mehr zwischen Merseburg und Leuna gibt“, sagte Volker Stein, Leunas stellvertretender Bürgermeister.

Auch in seiner Stadt wurden die Voraussetzungen für Schiffstouren geschaffen. Man wolle nun sehen, ob man sich mit Merseburg abstimme, um in künftigen Verhandlungen mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Verein Saale-Unstrut-Tourismus. „Auch wir kennen das Problem mit den Schleusen und fürchten, dass dadurch Attraktionen wie Bootsfahrten wegfallen“, sagt Carmen Boehm, die stellvertretende Geschäftsführerin. Im kommenden Jahr könnte das gleiche Problem zudem auf der Unstrut drohen.

Merseburgs OB Bühligen verspricht Einigung im Fall der „Captain Fu“.

Dass Captain Fu Merseburg und der Saale für immer den Rücken kehrt, daran will Merseburgs Oberbürgermeister vorerst nicht glauben. „Wir werden zu einer Einigung kommen“, ist Bühligen überzeugt. Er bringt jedoch auch für große Schiffe die Selbstschleusung ins Spiel. „Es muss doch einem Kapitän, der sein Schiff sicher über Flüsse und unter Brücken navigiert zuzumuten sein, dass er eine Schleuse selbst bedienen kann.“

Kapitän Detlef Furchheim selbst schließt eine Rückkehr auf die Saale derweil nicht komplett aus. „Ab Anfang Oktober könnten wir rein theoretisch wieder fahren“, sagte er am Mittwoch der MZ. „Wenn denn dann die Rahmenbedingungen stimmen.“

Er fordert freie Fahrt bis Silvester und einen Saisonstart ab März. Von der Stadt Merseburg fühlte er sich derweil recht gut in seinen Geschäften unterstützt, wie er rückblickend sagt. Aber eines wünsche ich mir dann doch: „Dass auch der Bürgermeister mal an Bord kommt, denn der ist noch nie mit uns gefahren.“ (mz)