Bank verklagt 80-Jährigen

Bank verklagt 80-Jährigen: Warum Dieter Schönau 150.000 Euro zahlen soll

Merseburg - Dieter Schönau steht der Schweiß auf der Stirn. „Wegen 5 Cent hat die Post den Brief nicht befördert, sondern an uns zurückgeschickt.“ Dabei ging es in dem dicken weißen Umschlag um nichts Geringeres als eine Klageschrift, mit der 150.000 Euro von ihm gefordert werden. „Die musste zum Anwalt nach Köln und die Widerspruchsfrist darf doch nicht verstreichen“, gibt der 80-jährige Chef des Fördervereins des Luftfahrtmuseums zu bedenken. Also hat er das Ganze noch mal als Expressbrief ...

Von Undine Freyberg

Dieter Schönau steht der Schweiß auf der Stirn. „Wegen 5 Cent hat die Post den Brief nicht befördert, sondern an uns zurückgeschickt.“ Dabei ging es in dem dicken weißen Umschlag um nichts Geringeres als eine Klageschrift, mit der 150.000 Euro von ihm gefordert werden. „Die musste zum Anwalt nach Köln und die Widerspruchsfrist darf doch nicht verstreichen“, gibt der 80-jährige Chef des Fördervereins des Luftfahrtmuseums zu bedenken. Also hat er das Ganze noch mal als Expressbrief abgeschickt.

Hintergrund: Die Investitionsbank (IB) Sachsen-Anhalt fordert von der Airpark GbR in Merseburg, bestehend aus Dieter Schönau und Heiko Baumgarten, 500.000 Euro. Vor einigen Monaten hatte die IB noch verständnisvoll geklungen. Jetzt wird der Ton rauer. Eine Teilforderung in Höhe von 150.000 Euro klagt die Bank jetzt vor dem Landgericht Halle ein. Die Klageschrift liegt der MZ vor.

730.000 Mark beantragt

Um das Merseburger Luftfahrt- und Technikmuseum aufzubauen, wollte dessen Förderverein Fördermittel beantragen. Da dies für den Verein nicht möglich war, wurde besagte GbR gegründet. Diese hat - noch zu D-Mark-Zeiten - 730.000 Mark beantragt. Es wurden vier Hallen und ein Verwaltungstrakt davon gebaut. Dafür gab die Investitionsbank 318.000 Euro, noch einmal dieselbe Summe hat Schönau mit seiner Firma damals selbst aufgebracht. 1997 war das Museum eröffnet worden. Es wurde gebaut und Exponate angeschafft. Alles Geld floss in das Museum.

„Unser Problem war allerdings, dass wir nicht die drei Arbeitsplätze schaffen konnten, die mit der Förderung verbunden waren“, erzählte Schönau der MZ. Und Fakt ist - damit sind die Fördervoraussetzungen nicht erfüllt. Darum rankt sich ein mittlerweile jahrelanger Streit mit der IB. „In dieser Zeit haben wir unser Ermessen ausgeübt und sind dem Kunden . . . entgegengekommen. Diesen Ermessensspielraum werden wir auch weiterhin ausschöpfen“, schrieb die IB noch im Mai auf die Anfrage der MZ. Nun die Klage und die IB schreibt, man habe dabei alle Fakten abgewogen. „Dabei haben wir die Vermögenssituation des Kunden im Blick, so dass unzumutbare Belastungen im Rahmen der rechtlichen Spielräume vermieden werden.“ Ist das wirklich so?

400 Euro Altersrente

Dieter Schönau hat nach eigener Aussage rund 400 Euro Altersrente. Von seinem Haus gehöre ihm nur ein Drittel. Heiko Baumgarten ist mittellos, wie er selbst sagt. „Alles was ich an Sachwerten habe, steckt im Museum.“ Persönlich bereichert hätten sie sich nie, versichern beide. Schönau hat über die Jahre sogar rund 1,5 Millionen Euro in das Museum gesteckt, um es am Laufen zu halten. Sein Geld sei allerdings nun alle, wie der Metzgermeister und einstige Ballonfahrer versichert. „Wenn die das Geld haben wollen, muss ich einen Offenbarungseid leisten. Dann mache ich hier auch nicht weiter.“

So schwarz sieht Schönaus Anwalt Wolfgang Faillard aus Köln die Sache noch nicht. „Wir werden uns nicht gegen die Klage wehren, das würde nur die Kosten in die Höhe treiben, denn im Gegensatz zur IB muss Herr Schönau ja zum Beispiel Gerichtskosten zahlen“, sagte der Anwalt der MZ. „Wir tun also nichts. Dann ergeht ein Versäumnisurteil und die IB hätte einen vollstreckbaren Titel. Aber was wollen die denn von nichts vollstrecken? Die finanzielle Situation wird sich nicht ändern.“ Wie Faillard der MZ sagte, hatte man der IB einen Vergleich angeboten. Schönaus Sohn wollte 30.000 Euro zahlen, mit denen alle Forderungen abgegolten sein sollten. Das hatte die Bank abgelehnt. (mz)