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Wie digital geht Rathaus? Konferenz zur Digitalisierung tagt in Köthen

Auf der 13. Digitalisierungskonferenz diskutierten Expertinnen und Experten in Köthen über die Möglichkeiten digitaler Verwaltung. Ein Thema war auch die IT-Sicherheit.

Von Jakob Milzner 13.05.2022, 14:00
Bernd Hauschild bei der 13. Digitalisierungskonferenz. Der Köthener Oberbürgermeister stelte unter anderem das Innovationsbündnis Anhalt vor.
Bernd Hauschild bei der 13. Digitalisierungskonferenz. Der Köthener Oberbürgermeister stelte unter anderem das Innovationsbündnis Anhalt vor. Foto: Ute Nicklisch

Köthen/MZ - So viele Anzüge sieht man in Köthen selten: Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik trafen sich am Mittwoch an der Hochschule Anhalt, um Herausforderungen der Digitalisierung in Sachsen-Anhalt zu diskutieren. Eingeladen hatte dazu der IT Cluster Mitteldeutschland, ein Interessenverband von Digitalunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Zur Eröffnung wandte sich Bernd Schlömer, Staatssekretär für Digitalisierung im Landesministerium für Infrastruktur und Digitales, an die Anwesenden und an rund 50 weitere Personen, die online zugeschaltet waren. Schlömer betonte, dass das Thema Digitale Verwaltung in einer geplanten Digitalstrategie für Sachsen-Anhalt einen hohen Stellenwert einnehme. Die Menschen erwarteten intuitiv handhabbare digitale Services – etwa für Steuern, für An- und Ummeldungen und weitere Verwaltungsleistungen.

Onlinezugangsgesetz sieht elektronische Verwaltungsleistungen ab Ende des Jahres vor

Tatsächlich erwarten allerdings nicht nur Bürgerinnen und Bürger digitale Angebote. Eigentlich sind Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, ihre Verwaltungsleistungen bereits ab Ende des Jahres auch elektronisch anzubieten. So zumindest sieht es das Onlinezugangsgesetz vor, das 2017 in Kraft trat.

Dieses Vorhaben allerdings wird voraussichtlich verfehlt. „Wir wissen, dass wir die Ziele des Onlinezugangsgesetzes nicht erreichen werden“, sagte Bernd Schlömer. Zu lange hätten die zuständigen Stellen versucht, notwendige Anpassungen auszusitzen.

Wenn uns das nicht gelingt, wird das aus meiner Sicht auch zu einem Vertrauensverlust in die Demokratie führen.

Bernd Schlömer, Staatssekretär für Digitalisierung

„Wir müssen die Kommunen in Sachsen-Anhalt beraten und begleiten bei der Einführung des Onlinezugangsgesetzes“, betonte der Staatssekretär. Letztlich gehe es darum, „ein digitales Rathaus“ zu entwerfen. „Wenn uns das nicht gelingt, wird das aus meiner Sicht auch zu einem Vertrauensverlust in die Demokratie führen“, warnte Schlömer.

Auch der Köthener Oberbürgermeister wandte sich an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Digitalkonferenz – und zwar in einer Doppelfunktion: Bernd Hauschild ist nämlich nicht nur Stadtoberhaupt, sondern zugleich auch Vorsitzender des Innovationsbündnisses Anhalt.

Köthener Oberbürgermeister Bernd Hauschild stellte das Innovationsbündnis Anhalt vor

Dabei handelt es sich um einen Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu vernetzen und so Innovationen zu fördern. Konkret gehe es darum, Wissen zwischen Theorie und Praxis besser auszutauschen.

„Wir haben in puncto Digitalisierung einiges vor“, sagte Hauschild. So habe es den Versuch gegeben, in Köthen ein Digitalisierungszentrum aufzubauen; „leider ging das schief“, kommentierte der Oberbürgermeister. Stattdessen gebe es in der Bachstadt nun aber die Digital Innovation Lounge: Diese solle, neben der digitalen Weiterbildung von Lehrkräften, auch der Entwicklung digitaler Bürgerservices dienen.

Nach Hackerangriffen gibt es Sicherheitsbedenken

Ein wenig die Erwartungen bremste anschließend Lothar Koppers, Vizepräsident für Digitalisierung und Internationales an der Hochschule Anhalt. Dieser merkte an, dass wesentliche Voraussetzungen für eine umfassende digitale Verwaltung noch nicht erfüllt seien.

Insbesondere sprach er damit die Sicherheit von IT-Systemen an. So sei die Hochschule Anhalt erst kürzlich „mit einem hellblauen Auge davon gekommen“, als die Bildungseinrichtung Ziel eines Hackerangriffs wurde. „Nach dem Leck ist vor dem Leck“, sagte Koppers.

Der schwächste Nutzer ist derjenige, der das Angriffstor weit aufmacht.

Lothar Koppers, Vizepräsident für Digitalisierung und Internationales an der Hochschule Anhalt

Angesichts der zunehmenden Bedrohung von Netzwerken müsse man die Herangehensweise ändern. Bislang sei man mit Berechtigungen sehr großzügig umgegangen. In Zukunft müsse man dazu übergehen, nur noch zuzulassen, „was wir zulassen wollen.“ Gleichzeitig müsse man das in Einklang bringen mit der Freiheit von Forschung und Lehre.

Koppers kritisierte auch mangelnde IT-Kenntnisse in der Bevölkerung. Beim Thema IT-Sicherheit handele es sich um eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Mitarbeitende der Hochschule würden daher an einem Sicherheitskonzept geschult, um Hackerangriffen gegenüber zukünftig weniger verletzlich zu sein. Denn, so Koppers: „Der schwächste Nutzer ist derjenige, der das Angriffstor weit aufmacht. Um das müssen wir uns kümmern.“