Welle der Betroffenheit

Welle der Betroffenheit: Spendenaktion für zerstörte Bahnhofsbank in Köthen?

Köthen - Steffen Dörre staunt über diese Welle der Betroffenheit. Verschiedene Leute haben sich bei dem Vorsitzenden des Vereins zur Pflege des Eisenbahnkulturgutes Köthen gemeldet - mit Ideen, wie die abgebrannte Bank auf dem Bahnhof wieder instandgesetzt werden könnte. Sie wurde vor einer Woche angezündet. Die Ermittlungen der Polizei laufen ...

Von Stefanie Greiner

Steffen Dörre staunt über diese Welle der Betroffenheit. Verschiedene Leute haben sich bei dem Vorsitzenden des Vereins zur Pflege des Eisenbahnkulturgutes Köthen gemeldet - mit Ideen, wie die abgebrannte Bank auf dem Bahnhof wieder instandgesetzt werden könnte. Sie wurde vor einer Woche angezündet. Die Ermittlungen der Polizei laufen noch.

Die Bank ist mehr ein Relikt aus der Zeit, als der Bahnhof gebaut wurde. Mehr als 100 Jahre ist das inzwischen her. Ihre verkohlten Überreste stehen aktuell noch auf dem Bahnsteig. Demnächst soll die Bank aber mitgenommen, begutachtet und eingelagert werden. Dann entscheidet sich, wie es weitergeht.

Zwischenzeitlich hat Steffen Dörre mit dem Gedanken gespielt, eine Spendenaktion zum Erhalt der alten Bank zu starten. Seine größte Sorge ist, dass die einfach entsorgt wird und damit ein weiteres Stück Eisenbahngeschichte verschwindet.

Spendenaktion denkbar - SPD-Mann Mormann würde 200 Euro geben

Beteiligen würde sich daran auch Ronald Mormann. Der SPD-Landtagsabgeordnete ist erschüttert von dieser Zerstörungswut. Er wandte sich an die MZ. „Ich habe einen Bezug zu dieser Bank“, sagt er. Unzählige Male habe er als Student darauf gesessen und auf den Zug gewartet. Wie vermutlich jeder aus Köthen, der vor dem Mauerfall studiert habe, schätzt er. Eine Spendenaktion würde er mit 200 Euro aus privater Tasche unterstützen.

Die Bank gehört der Deutschen Bahn. Denkbar wäre eine solche Aktion gewiss, sagt Bahnsprecher Jörg Bönisch auf MZ-Nachfrage. „Solche Ko-Finanzierungen gab es auch schon.“ Zum Beispiel in Dresden. Dort habe sich ein Förderkreis gegründet, um dem Eingangsportal seine beiden Türmchen zurückzugeben.

Bahn verweist auf abgestimmtes Sicherheitskonzept für den Bahnhof Köthen

Dass die Deutsche Bahn ein Sicherheitsproblem habe, möchte Jörg Bönisch aber so nicht im Raum stehen lassen. Das warf Steffen Dörre der Bahn nach dem neuerlichen Vandalismus auf dem Bahngelände vor. „Der Bahnhof Köthen wird durch unseren eigenen Sicherheitsdienst und die Bundespolizei nach einem abgestimmten Sicherheitskonzept bestreift“, teilt der Bahnsprecher mit. Der eigene Sicherheitsdienst, die DB Sicherheit, wahre das Hausrecht. Die Bundespolizei sei für Ordnung und Sicherheit auf Bahnanlagen verantwortlich.

Hinzu komme, dass der Bahnhof regelmäßig von Zügen des Personen- und Güterverkehrs - letztere seien auch nachts unterwegs - befahren werde. „Deren Lokführer melden beobachtete Unregelmäßigkeiten immer der Notfallleitstelle“, teilt Jörg Bönisch weiter mit. „Sie passen schon auf, was links und rechts der Strecke passiert.“

Bahn hält Rund-um-die-Uhr-Bewachung am Bahnhof Köthen für nicht machbar

Bahnanlagen und Streckennetz abzusperren oder einzuzäunen, sei aufgrund der Größe nicht möglich. Als Vergleich zieht er Wasserstraßen und Autobahnen heran. Auch eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung, wie Steffen Dörre anregt, sei nicht möglich. Früher, merkt er an, sei das anders gewesen. Da seien Mitarbeiter der Bahn schon allein aus betrieblichen Gründen auch nachts im Bahnhof gewesen. Heute sei das nicht mehr möglich.

„Man muss nicht immer gleich auf eine örtlichen Präsenz beharren“, betont der Unternehmenssprecher. Die Deutsche Bahn wolle den Vorfall aber zum Anlass nehmen, um mit der Stadt über diese Situation zu sprechen. „Es gibt verschiedene Dinge, die man gemeinsam machen kann“, sagt Jörg Bönisch. Das Gespräch werde zeigen, was machbar sei. (mz)