Sorgenkind verstorben

Sorgenkind verstorben: Nierenversagen - Tierpark Köthen trauert um Tiger Shirkhan

Köthen - Michael Engelmann wusste, dass dieser Tag kommen würde. Shirkhan war immer das Sorgenkind des Tierpark-Chefs. In der Nacht zum Mittwoch ist der sechs Jahre alte Tiger nun gestorben. Die Trauer der Mitarbeiter ist groß. Und die Trauer seines Artgenossen Radja ebenso. „Er ruft ununterbrochen“, sagt Michael ...

Von Stefanie Greiner

Michael Engelmann wusste, dass dieser Tag kommen würde. Shirkhan war immer das Sorgenkind des Tierpark-Chefs. In der Nacht zum Mittwoch ist der sechs Jahre alte Tiger nun gestorben. Die Trauer der Mitarbeiter ist groß. Und die Trauer seines Artgenossen Radja ebenso. „Er ruft ununterbrochen“, sagt Michael Engelmann.

Dass Shirkhan niemals die normale Lebenserwartung eines Tigers erreichen würde, war dem Tierpark-Chef von Anfang an klar. Dafür war die Raubkatze einfach zu krank. Die Zirkuszeit hatte ihre Spuren hinterlassen.

2017 waren die Tiger von einem Zirkus in den Köthener Tierpark gekommen

2017 waren die bengalischen Tiger nach Köthen gekommen - in einem schlechten Zustand. Sie sollten ihre gesundheitlichen Probleme auskurieren, wurden mehrfach untersucht. Irgendwann war klar, dass es kein Zurück zum Zirkus gibt und der Tierpark ihr neues Zuhause wird. Radja rappelte sich schnell wieder auf, Shirkhan bereitete Tierpark-Chef und Tierärztin bis zuletzt Sorgen.

Der Tiger hatte Probleme mit der Verdauung - eine Folge unter anderem der fehlerhaften Ernährung im Zirkus. Große Portionen oder Fleisch mit harten Knochen konnte er nicht fressen. Er bekam Fleisch mit weichen Knochen, oft Hühnchen. Hinzu kamen schlechte Nierenwerte. Viele Medikamente konnte die Raubkatze nicht bekommen, weil diese die Nieren zusätzlich belastet hätten.

„Wir haben gesehen, dass sich Flüssigkeit im Bauchraum gesammelt hat“, sagt Michael Engelmann. Er nimmt an, dass nun die Nieren versagt haben. Auch die Leber arbeitete nicht richtig. Shirkhan starb an multiplem Organversagen.

Der Tierpark-Chef ist traurig über diesen Verlust. „Ein solcher Abschied ist immer schwer“, sagt er. „Gerade, weil wir zu den Tigern einen sehr persönlichen Kontakt hatten. Die Tiere haben diesen Kontakt auch gesucht.“ Charakterlich seien die Raubkatzen sehr unterschiedlich gewesen - Shirkhan ruhig und ausgeglichen, Radja dagegen ziemlich ungestüm.

Köthener Tierpark sucht nun einen Artgenossen für Radja

Michael Engelmann hofft, wieder einen Artgenossen für Radja zu finden. „Sie waren immer mindestens zu zweit“, sagt er. Im Zirkus hatten Radja und Shirkhan noch weitere Artgenossen. Der Tierpark-Chef merkt dem Tiger schon jetzt an, dass er Probleme mit dem Alleinsein hat.

Über Tierschutzorganisationen will Michael Engelmann versuchen, einen zweiten Tiger nach Köthen zu holen. Die Listen der Auffangstationen, die Großkatzen aus schlechter Haltung retten, sind lang. Einen passenden Artgenossen zu finden, sei nicht leicht, merkt er an. Die Tiere müssten charakterlich zusammenpassen. Auch das Alter dürfe nicht zu sehr abweichen. (mz)