Riesenmaschine im Einsatz

Riesenmaschine am Bahnhof Köthen im Einsatz: 200 Meter lang - „Katharina“ erneuert

köthen - „Katharina die Große“ hat es nicht eilig. Nur 45 bis 50 Meter pro Stunde schleppt sie sich auf der Bahnstrecke von Bernburg nach Köthen voran. „Etwas zu langsam“, wie Ingo Wiermann findet, denn „Heinrich der Starke“ sitzt ihr bereits im ...

Von Karl Ebert

„Katharina die Große“ hat es nicht eilig. Nur 45 bis 50 Meter pro Stunde schleppt sie sich auf der Bahnstrecke von Bernburg nach Köthen voran. „Etwas zu langsam“, wie Ingo Wiermann findet, denn „Heinrich der Starke“ sitzt ihr bereits im Nacken.

Aber vielleicht wartet sie ja absichtlich auf ihn? Spaß beiseite. „Katharina“ und „Heinrich“ sind die beiden Aushängeschilder des Bahninfrastrukturunternehmens Spitzke aus der Nähe von Berlin, die gerade am Rande von Köthen 3,5 Kilometer Bahnstrecke erneuern.

Katharina, die Große, hilft beim Erneuern von Gleisen, Unterbau und Schwellen

Mit den Geschwindigkeiten der Züge von heute können die riesigen gelben Maschinenzüge von 200 Metern Länge natürlich nicht mithalten. Sollen sie auch nicht. Sie sorgen dafür, dass Unterbau, Schwellen und Gleise wieder so fit werden, damit die modernen Züge von heute auch höchste Geschwindigkeiten fahren können.

Extra aus Dänemark wurde der Tross mit der blauen Lokomotive und den 25 Waggons für Schotter und Unterbaumaterial für eine Woche nach Köthen geholt, um den Auftrag der Deutschen Bahn zu erfüllen, die den Knoten Köthen bekanntlich umfangreich saniert.

Koloss ist seit 1973 im Einsatz und etwa 800 Tonnen schwer

Ingo Wiermann ist der „Technik-Professor“ der Firma, der über jede Strebe, Schraube und Rollen des 800 Tonnen schweren Kolosses Auskunft geben kann. Seit 1973 ist er auf den Strecken in Deutschland, Skandinavien, den Benelux-Staaten, der Schweiz und sogar der Türkei dabei. „Als unsere Technik seinerzeit mit der Fähre in die Türkei transportiert wurde, ging es um jeden Zentimeter. Da habe ich Blut und Wasser geschwitzt“, erinnert er sich an eine abenteuerliche Überfahrt.

Am Mittwochnachmittag in Köthen bewegen den 68-Jährigen ganz andere Dinge. Ein scharfer Wind und vor allem Regen machen ihm und seinen Männern zu schaffen. Sie arbeiten mit 17 Kollegen Stammbesatzung pro Schicht auf „Katharina“ in zwei Schichten zu jeweils zehn Stunden.

„Der Unterbau, den wir austauschen müssen, ist schwieriger als wir gedacht haben. Der Regen der letzten Tage hat den Boden verdichtet, er ist lehmig und schwerer aufzunehmen, klebt an den Bändern. Deswegen sind wir etwas hinter dem Plan“, erklärt Wiermann, der seine Arbeit in Köthen bis Samstag erledigt haben muss, denn dann geht es schon wieder zurück nach Dänemark.

Katharina schafft in einer Zehn-Stunden-Schicht etwa 600 Meter

Doch dank der Leistungsfähigkeit von „Katharina“, die in einer Zehn-Stunden-Schicht 600 Meter schaffen kann, bleibt er Optimist. Die Maschine nimmt zunächst den alten Boden unter dem Schotter auf und bringt eine Plan- und Schutzschicht von 40 Zentimetern Stärke auf. Auch der alte Schotter, „der nach zig Jahren abgewaschen und rund ist, wird aufgenommen und sofort recycelt. Dabei erhalten die Steine wieder scharfe Kanten und passen besser ineinander. 60 bis 70 Prozent des Materials können so wieder verwendet werden. Den Rest füllen wir auf“, erklärt Wiermann.

Wenn „Katharina“ ihre Arbeit beendet hat, kommt „Heinrich“, der Umbauzug. Der erneuert die Schwellen und die Gleise. Und zum Schluss rückt dann noch die Stopfmaschine an, die alles verdichtet. „Der Einsatz dieser beiden Züge bringt der Bahn die Strecken schneller für den Verkehr zurück. Wird alles für sich erneuert, dauert der ganze Prozess viel länger“, erläutert Wiermann den Vorteil dieser Technik. (mz)