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  7. Prozess wegen sexuellem Missbrauch in Köthen nach einvernehmlichem Sex mit Minderjähriger

Sexueller MissbrauchNach Sex mit 13-Jähriger: Harte Strafe am Amtsgericht Köthen

Der junge Mann und das Mädchen hatten mehrfach einvernehmlichen Geschlechtverkehr. Was die heute 15-Jährige als Zeugin ausgesagt hat.

Von Wolfram Schlaikier Aktualisiert: 30.11.2023, 14:35
Das Amtsgericht Köthen in der Friedhofstraße
Das Amtsgericht Köthen in der Friedhofstraße (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ. - Ein junger Mann aus Köthen ist am Dienstag in einem Prozess am Amtsgericht Köthen wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu zwei Jahren und einem Monat Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Prozess wegen sexuellem Missbrauch am Amtsgericht Köthen

Der heute 23-Jährige hatte eingeräumt, zwischen April und Juni 2022 – da war er 21 Jahre alt – mehrmals mit einem damals 13 Jahre alten Mädchen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. „Ich war mit ihr zusammen, es ist zum Sex gekommen. Das war von beiden Seiten gewollt“, sagt der Angeklagte.

„Wussten Sie, wie alt das Mädchen ist? Wussten Sie, dass man unter 14 Jahren nicht angerührt werden darf?“, fragt Richterin Sabine Alvermann. „Nicht direkt“, antwortet der junge Mann. Wenn der Sex „von beiden Seiten gewollt ist“, dann sei das doch „etwas anderes“.

„Unwissenheit schützt nicht vor Strafe“, betont die Richterin einen Rechtsgrundsatz. Seit der Verschärfung der Gesetze gebe es keine „minderschweren Fälle“ mehr, erklärt Richterin Sabine Alvermann.

„Ja, ich wollte das auch, es kam von beiden Seiten.“

Aussage der Schülerin (15) als Zeugin vor Gericht

„Wie lange waren sie mit dem Mädchen zusammen?“, fragt Pflichtverteidiger Karl-Larsen Suttner seinen Mandanten. „Wir kannten uns schon etwas länger“, antwortet der, sie seien „ungefähr eineinhalb Monate oder zwei“ ein Paar gewesen. Das Mädchen wird anschließend als Zeugin vernommen. „Ihr wart zusammen und habt miteinander geschlafen. Weißt du noch, wie es war?“, fragt die Richterin. „Das weiß ich nicht mehr. Es ist lange her“, antwortet die heute 15-jährige Schülerin. Auf Nachfrage stellt sie klar: „Ja, ich wollte das auch, es kam von beiden Seiten.“

Die Richterin weist das Mädchen auf ihre Aussage bei der Polizei hin. „Du hast dort gesagt, dass er nicht der Erste war, stimmt das?“ Das Mädchen antwortet: „Ja, ich hatte vorher einen anderen Freund, der war jünger.“ „Keine Angst, du musst uns nicht alles erzählen“, sagt die Richterin zu dem Mädchen. Weder Staatsanwältin noch Schöffen und Pflichtverteidiger haben weitere Fragen, die Zeugin wird entlassen.

Trotz einvernehmlichem Sex: Staatsanwältin forder Haftstrafe

Fazit von Sabine Alvermann: „Das ist wohl ein minderschwerer Fall“. Die Staatsanwältin plädiert für zwei Jahre und zwei Monate Haft und fordert, dass der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen müsse. Auch wenn er die Taten eingeräumt und es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt habe, wie das Mädchen bestätigt, „so handelt es sich doch um einen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren pro Fall vor“.

Strafmindernd sei der Umstand, dass es sich nicht um den ersten sexuellen Kontakt des Mädchens gehandelt habe, sie damals knapp unter dem Schutzalter gewesen sei. „Der Angeklagte hat nicht eine sexuelle Unreife ausgenutzt, sie hatte schon sexuelle Erfahrungen und hat eingeräumt, dass sie es wollte. Es war eine echte Beziehung und kein Übergriff“, sagt Pflichtverteidiger Karl-Larsen Suttner in seinem Plädoyer.

Es war eine echte Beziehung und kein Übergriff.“

Karl-Larsen Suttner, Pflichtverteidiger des Angeklagten

Suttner weist darauf hin, dass ein 26-Jähriger vor der Strafverschärfung nach einvernehmlichen Sex mit einer 13-Jährigen zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden sei. Zugleich betont Suttner, dass ein sexueller Kontakt mit einer Minderjährigen ein absolutes Tabu sei, weshalb er sich beim Strafmaß der Forderung der Staatsanwältin anschließt. „Ich kann nicht anders.“

Angeklagter wegen Diebstählen und Fahren ohne Führerschein aktenkundig

Sabine Alvermann verliest die beim Bundeszentralregister (BZR) des Bundesamts für Justiz in Bonn aktenkundigen Gerichtsverfahren des Angeklagten: Es gibt 21 Einträge, darunter zahlreiche Diebstähle und mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis. In vielen Fällen sahen die Staatsanwaltschaft oder das Gericht von einer Strafverfolgung ab.

Im Jahr 2020 wurde der Angeklagte nach einem gemeinschaftlichen Diebstahl zu Arbeitsstunden verurteilt, im Jahr 2022 wegen besonders schweren Diebstahls zu drei Monaten Haft auf Bewährung, die noch nicht beendet ist. Die Richterin und die beiden Schöffen beraten rund 15 Minuten, dann verkündet Sabine Alvermann das Urteil. Der junge Mann wird für zwei der vier angeklagten Taten verurteilt zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und einem Monat Haft ohne Bewährung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen. „Ich wünsche ihnen trotzdem alles Gute“, verabschiedet die Richterin den Angeklagten. „Danke schön“, antwortet der.