Disko-Zelt

Disko-Zelt: Insolvenzverfahren gegen Musik-Zirkus-Köthen GmbH

KÖTHEN/MZ. - "Aufgrund der in diesem Jahr widrigen Wetterverhältnisse und der dadurch aufgetretenen Grundwasser-Probleme machen wir bis voraussichtlich Februar eine kurze Winterpause. Im Anschluss an die Winterpause öffnet der LMC für Euch wieder seine Türen, dann als Event- & Veranstaltungs-Location. Geplant sind monatliche Veranstaltungen, die vom LMC und den besten Veranstaltern aus der Region durchgeführt werden. Wir freuen uns auf ein baldiges ...

Von HELMUT DAWAL 30.06.2011, 17:40

"Aufgrund der in diesem Jahr widrigen Wetterverhältnisse und der dadurch aufgetretenen Grundwasser-Probleme machen wir bis voraussichtlich Februar eine kurze Winterpause. Im Anschluss an die Winterpause öffnet der LMC für Euch wieder seine Türen, dann als Event- & Veranstaltungs-Location. Geplant sind monatliche Veranstaltungen, die vom LMC und den besten Veranstaltern aus der Region durchgeführt werden. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen."

So steht es, grammatikalisch leicht korrigiert, auf der Homepage des Köthener Live Music Circus (LMC). Ob aber wieder Leben in das Musikzelt am Elsdorfer Weg einziehen wird, ist momentan zumindest fraglich. Denn nach MZ-Recherchen wurde über das Vermögen der Musik-Zirkus-Köthen GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Joachim M. E. Voigt-Salus eingesetzt.

"Wir müssen eine Trennung zwischen Betreibergesellschaft und Eigentümergesellschaft vornehmen", darauf machte Rechtsanwältin Beatrix von Storch, die in der Kanzlei Voigt-Salus das Insolvenzverfahren bearbeitet, aufmerksam. Danach seien die Betreiber in Insolvenz gegangen, die im Disko-Zelt die Veranstaltungen durchgeführt haben und dafür auch Personal beschäftigten. Bereits im Dezember 2010 sei der Disko-Betrieb eingestellt worden. "Der Eigentümer hatte keine Miete mehr bekommen und den Betreibern gekündigt", informierte Beatrix von Storch. Sie sei jetzt dabei, alle Insolvenzforderungen aufzuarbeiten. "Die Krise ist da, es gibt deutlich mehr Verbindlichkeiten als Vermögen", sagte die Rechtsanwältin. Am 12. Juli soll beim Amtsgericht Dessau-Roßlau ein Beschluss zum Insolvenzverfahren gefasst werden.

"Ich würde mich freuen, käme jemand und sagt, ich miete die Anlage oder kaufe sie." Das äußerte Hans-Bernhard Pikkemaat am Donnerstag im Gespräch mit der MZ. Pikkemaat ist Geschäftsführer der Live Music Circus GmbH, die ihren Sitz im niedersächsischen Nordhorn hat und der das Zelt gehört. Der Grund und Boden wiederum, auf dem sich das Zelt befindet, gehöre einem Köthener Geschäftsmann, informierte Pikkemaat. Die jüngste Entwicklung des Disko-Zeltes schmerzt den Geschäftsführer schon. "Wir haben den Live Music Circus im Mai 1991 gegründet. Und er hatte sich in den fast zwei Jahrzehnten für die jungen Menschen zu einem kulturellen Mittelpunkt in Sachsen-Anhalt entwickelt", blickte Pikkemaat auf zwei Jahrzehnte LMC zurück.

Culture Beat, Haddaway oder DJ Bobo - in Köthen seien namhafte Künstler aufgetreten, denen später "die großen Techno-Leute" folgten und die immer für ein volles Haus gesorgt hatten. Von Herbst 2009 bis 2010 lag dann die Verantwortung für den Disko-Betrieb bei der Betreibergesellschaft Musik-Zirkus-Köthen GmbH. "Leider blieb der Erfolg aus. Die letzten Betreiber haben anscheinend nicht den Weg gefunden, ausreichend Publikum anzulocken", bemerkte Pikkemaat. Zum Wasserproblem auf dem Disko-Gelände äußerte Pikkemaat, dass der Wasserstand gesunken, Restwasser aber noch immer vorhanden sei. "Der durch das Wasser entstandene Schaden ist aber nicht so groß", so der Geschäftsführer.

Wie es mit dem Disko-Zelt weitergeht und ob es wieder öffnet, das ließ Pikkemaat offen. "Entweder wir starten selbst noch mal durch oder wir bauen das Objekt ab", sagte der Geschäftsführer.

Am liebsten wäre ihm freilich, fände sich ein Interessent, der das Zelt mietet und es mit einem Konzept weiterführt, "das auf die jungen Leute eingeht".