Hochwasserschutz

Aken: Neue Hochwasserschutzanlage nimmt Gestalt an

Aken - Ein einziger Bagger stört an diesem Vormittag die sonnige Idylle im Olbergforst bei Aken. Stupide und einsam bewegt der Fahrer den Greifer von links nach rechts. Die Erde muss abgetragen werden. Doch wie eine millionenschwere Großbaustelle sieht das hier im Augenblick nicht aus. Was niemanden stört - im Gegenteil: „Es läuft alles planmäßig. Wir liegen gut in der Zeit.“ Olaf Hoffmann, Projektleiter beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), ist froh, dass es so ...

Von Sylke Hermann

Ein einziger Bagger stört an diesem Vormittag die sonnige Idylle im Olbergforst bei Aken. Stupide und einsam bewegt der Fahrer den Greifer von links nach rechts. Die Erde muss abgetragen werden. Doch wie eine millionenschwere Großbaustelle sieht das hier im Augenblick nicht aus. Was niemanden stört - im Gegenteil: „Es läuft alles planmäßig. Wir liegen gut in der Zeit.“ Olaf Hoffmann, Projektleiter beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), ist froh, dass es so ist.

Nötige Baufreiheit

Die neue Hochwasserschutzanlage bei „Mutter Sturm“ zwischen Dessau und Aken gelegen, erstreckt sich entlang des ursprünglich bewaldeten Hochufers. „Das war ja 2013 das Problem“, erinnert Hoffmann an die Tage der Flut im Juni, „man ist nicht so ohne weiteres in den Wald reingekommen.“ Die Bäume sind schon im vergangenen Jahr gefällt worden, um die nötige Baufreiheit zu erlangen; Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf einem zehn Hektar großen Grundstück in Großkühnau noch für dieses Jahr geplant, kündigt Hoffmann an.

Zurückhaltung, was Termine angeht

Mitte September des vergangenen Jahres war der Startschuss für das Akener Hochwasserschutz-Projekt im Olbergforst gefallen. Seither ist viel passiert. Die Bäume sind weg, die Höhen im Hochuferbereich angeglichen, die Spundwände in der Erde versenkt. Mittlerweile ist der Verlauf des Deiches wunderbar zu erkennen, selbst die Stellen, an denen die Ausweichungen vorbereitet sind. Laut Hoffmann fehlten lediglich noch zehn Zentimeter Schotter und Asphalt als Deckenschluss, und die Bankette links und rechts der auf drei Metern ausgebauten Trasse müssten noch angelegt werden. Dann wäre man zumindest in diesem Bereich der Baustelle, die über die so genannte Zufahrt III von der Landesstraße 63 aus zu erreichen ist, in der Tat fertig.

Doch Hoffmann ist lange genug im Geschäft, um sich nicht dazu hinreißen zu lassen, die Zeitvorgaben optimistisch neu zu interpretieren. „Es ist geplant, dass wir das gesamte Projekt am 30. September 2017 abschließen“, verkündet er routiniert. Obgleich es im Moment den Anschein erweckt, als könnte der Landesbetrieb diese Hochwasserschutzmaßnahme wesentlich früher abhaken. „Wer weiß, was noch kommt“, deutet der Leipziger an, dass ein knackiger Winter oder ein gar zu verregneter Herbst die Routine sehr wohl durcheinander wirbeln könnte. Und bleibt besser zurückhaltend, wenn es um Termine geht.

Nachwuchs für Kranich und Seeadler

Zumal man seit Anfang des Jahres ohnehin nur eingeschränkt arbeiten könne. Nichts, was nicht eingeplant sei, versichert Hoffmann. Und Probleme würden aus den Schutzzonen für Kranich und Seeadler ebenso wenig resultieren. Noch bis zum 30. Juli wird im 300-Meter-Radius um den Seeadler-Horst im Olbergforst herum gebaut; am 30. Juni endet darüber hinaus die Schutzzeit für den Kranich. Andreas Rößler, der Umweltamtsleiter im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, gleichzeitig begeisterter Ornithologe, hatte dieser Tage sogar eine erfreuliche Mitteilung zu machen: Sowohl Kranich als auch Seeadler befänden sich momentan in der Aufzucht ihres Nachwuchses. Beide Tiere seien schon seit Jahren in diesem Gebiet anzutreffen. Die Arbeiten an der Hochwasserschutzanlage würden darauf abgestimmt, und Rößlers ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte kontrollierten das auch regelmäßig, wie er sagt.

„Die Schutzzeiten“, bestätigt Hoffmann, „sind von Anfang an im Bauablauf berücksichtigt.“ Überraschungen anderer Art gäbe es ebenso wenig. Also: Routine für den Projektleiter und die beauftragten Firmen, die sich in den kommenden Monaten weiter den Erdbauarbeiten auf der knapp 1,7 Kilometer langen Trasse widmen.

3,6 Millionen Euro

Die „eingeschüttete Spundwand“ - so nennen die Experten das, was wie ein Deich aussieht - zwischen Großkühnau und Aken fällt später, nach ihrer Fertigstellung, in die Obhut des Landesbetriebes. Und damit die Wartung und Pflege. Auch bei der Deichverteidigung im Hochwasserfall sind die Rollen verteilt: Das LHW wäre zuständig; die Stadt Aken für die Zuwegungen.

3,6 Millionen Euro investiert das Land in den Hochwasserschutz bei „Mutter Sturm“. Genau in dem Bereich, wo im Juni 2013 der Deich gebrochen war und sich die Elbe ihren Weg Richtung Stadt bahnte. (mz)