Manege frei im Standesamt

Zirkus „Brunselli“-Paar heiratet in Jessen

Manuela Kaselowsky und René Brunßen vom Zirkus „Brunselli“ schließen in Jessen den Bund der Ehe. Wie lange sich das Paar kennt und wer es getraut hat.

Von Thomas Tominski Aktualisiert: 21.10.2021, 10:36
Standesgemäß!  Wenn das Publikum applaudiert, verneigen  sich die  Hauptdarsteller.  In diesem  Fall  Manuela  und  René  Brunßen nacheinander.
Standesgemäß! Wenn das Publikum applaudiert, verneigen sich die Hauptdarsteller. In diesem Fall Manuela und René Brunßen nacheinander. Foto: Tominski

Jessen/MZ - „Als Zirkusmensch muss man flexibel sein. Geht das eine nicht, geht das andere “, sagt Manuela Kaselowsky und fängt gleich mit dem verschobenen Hochzeitstermin an. Eigentlich, blickt sie zurück, ist die Eheschließung für Januar geplant gewesen. Ihr jetziger Ehemann René Brunßen hat in diesem Monat seinen 50. Geburtstag gefeiert, nach knapp 30 Jahren wilder Ehe und sieben gemeinsamen Kindern sei der Entschluss gefallen, sich das Jawort zu geben. „Doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, betont die 47-Jährige, denn eine Hochzeit ohne die Verwandtschaft ist für Zirkusleute keine Alternative. Der „flexible Termin“ ist schnell gefunden. „Am 20. Oktober feiert unser Sohn Miguel seinen 20. Geburtstag. Das passt doch“, so die ausgebildete Artistin, die trotz der Langzeitbeziehung am Morgen vor der Trauung „sehr aufgeregt“ ist. „Ich hoffe, dass unsere Ehe bis ans Lebensende hält.“

Standesbeamtin  Lisa Vossen überreicht das Buch der Familie.
Standesbeamtin Lisa Vossen überreicht das Buch der Familie.
Foto: Tominski

Onkel legt Grundstein

Im zweiten Anlauf ist es Manuela Kaselowsky und René Brunßen gelungen, die Familie zusammenzutrommeln. Die Verwandtschaft kommt unter anderem aus Köln, Hamburg, Bremen, Berlin und Heinsberg bei Aachen, für den schönsten Tag im Leben sind zwischen 150 bis 200 Gäste eingeplant. Das Ehepaar hat sich außerhalb der Manege kennengelernt. Ihr Mann, so die Braut, habe damals seine Schwester besucht, die wiederum ihren Onkel geheiratet hat. Nach Ableistung seines Wehrdienstes ist Brunßen mit in den Familienzirkus „Casselli“ aus Bremen eingestiegen. Kurz darauf passiert es. Als das Paar die Manege betritt, meint der erwähnte Onkel Peter salopp: „Jetzt kommen die Brunsellis!“ Damit ist der Grundstein zum eigenen Zirkus gelegt. Das Gebilde aus beiden Familiennamen steht noch heute auf jeder Eintrittskarte.

Als Standesbeamtin Lisa Vossen die Tür des Ratssaals im Jessener Schloss schließt, wird es langsam ernst. „Ich bin total entspannt. Um die Organisation hat sich meine Frau gekümmert. Ich bin nur der Statist, der ja sagen muss“, meint René Brunßen betont locker. Wenige Minuten später schießen dem 50-Jährigen die Tränen in die Augen. Lisa Vossen beginnt mit der Zeremonie. Liebe ist wie ein Gedicht, sagt sie, und ermutigt das Paar, den Partner mit all seinen Ecken und Kanten zu akzeptieren. Ja ist nur ein kleines Wort, doch ein bedeutender Schritt und ein Versprechen für das weitere Leben. Was immer bleibt, sei die Familie. „Es ist nicht meine erste Trauung dieser Art. Hier im Schloss hat schon eine Schaustellerfamilie geheiratet“, so die Standesbeamtin, die seit 2018 im Amt ist. Traumberuf? „Ich bin Stück für Stück reingewachsen“, erzählt sie. Der Saal des Schlosses bietet bei einer Eheschließung 80 Personen Platz, doch aufgrund der Corona-Bestimmungen dürfen nur 34 - die auf einer Anwesenheitsliste eingetragen werden - an der Zeremonie teilnehmen. „Eigentlich“, meint der 50-Jährige scherzhaft, „reicht doch eine Adresse. Wir sind eine große Familie.“

Bei den Gästen ist mehr  als nur  eine Träne geflossen.
Bei den Gästen ist mehr als nur eine Träne geflossen.
Foto: Thomas Tominski

Gemeinsamer Nachname

Um 13.15 Uhr sind die beiden Artisten ein Paar. Sie haben die Eheringe getauscht, sich ausgiebig geküsst auf den gemeinsamen Namen Brunßen geeinigt - und dafür manchen Kommentar kassiert. Eine Trauung unter Zirkusleuten läuft nicht ganz wie „Stars in der Manege“ ab, doch sehr locker, mit eingebauten Sprüchen und Szenenapplaus für eine Unterschrift. Jeder weiß, wie er sich ordentlich für einen Schnappschuss hinzustellen hat, es wird geherzt und gedrückt. Und es kullern selbstverständlich viele Tränen. „Im Prinzip“, so die Braut, „ist jeder mit jedem irgendwie verwandt.“

Auf dem Hof des Schlosses ist der Jubel nicht zu überhören. Das Ehepaar lässt sich feiern, lächelt auch für den x-ten Schnappschuss und genießt sichtlich das Bad in der applaudierenden Menge. „Wir behalten aber unseren Nachnamen Kaselowsky“, rufen die sieben Kinder des Paares Richtung Eingangsportal und sorgen mit der Feststellung zusätzlich für gute Stimmung. „Wir möchten nie mit anderen Menschen tauschen. Zirkus ist unser Leben. Dazu gehört es auch, im Wohnwagen zu leben“, so Ehepaar Brunßen.