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Stanz- und Lasertechnik Jessen Stanz- und Lasertechnik Jessen: Roboter bestückt Maschine

Von Klaus Adam 17.10.2014, 17:17
Frank Schulz an der nagelneuen Strahlanlage
Frank Schulz an der nagelneuen Strahlanlage Thomas Christel Lizenz

Jessen - Eine Millioneninvestition gönnt sich die Stanz- und Lasertechnik GmbH Jessen zum einjährigen Bestehen.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 15. Oktober 2013 nämlich, startete das bis dato als Stanztechnik Jessen firmierende Unternehmen neu durch. Fünf Monate zuvor war die Firma in den Strudel der Insolvenz des damaligen Mutterhauses Roos und Kübler gerissen worden. Alle Mitarbeiter wurden in die neue Gesellschaft, die nun als Stanz- und Lasertechnik GmbH firmiert, übernommen. Aktuell sind es 220 in den beiden Fertigungszweigen, die sich auch im Unternehmensnamen Stanz- und Lasertechnik widerspiegeln.

So ungezwungen, wie dieser Satz klingt, fühlt sich Andreas Güntsch, einer der beiden Geschäftsführer, dann aber doch nicht. Immerhin ist es eben erst ein Jahr her, da das Jessener Unternehmen, das bis dato bereits recht erfolgreich als Zweigwerk eines nicht unbekannten überregionalen Mutterwerkes agierte, in den Strudel dessen Insolvenz gerissen wurde. Wohl aber, weil die Substanz so gut war, gelang der damaligen Geschäftsführung mit Partnern der Neuanfang.

Schnell und präzise

Eine aus mehreren Teilen bestehende Anlage wird gerade fertig in einer der Hallen eingerichtet. „Der Roboterarm macht noch Probleme“, schildert der Betriebswirt den Stand der Dinge. Dieser Roboterarm wird aber tun, was Menschen in dieser Schnelligkeit und Präzision schwerfällt, nämlich Teil für Teil in die Anlage zur Bearbeitung geben. Entstehen wird darin der Rotor einer Wasserpumpe, die ein Autozulieferer für BMW-Fahrzeuge anbietet. Da solche Teile aber typenunabhängig funktionieren, habe der Zulieferer bereits mit weiteren Marken verhandelt, die womöglich in absehbarer Zeit diese Wasserpumpe ebenfalls einsetzen könnten, berichtet der Unternehmer der MZ. Solange es noch Wasserkreisläufe in den Motoren gibt.

Das Nahziel in der Produktion des Teils liegt für das Jessener Unternehmen bei einer Million Stück. Genau dazu soll die frisch investierte Anlage beitragen. Bisher müssen die Teile noch von Hand in die Bearbeitungsmaschinen eingelegt werden. Dennoch liegt auch jetzt bereits die Fertigungskapazität bei 900 000 Stück. Im vergangenen Jahr betrug sie noch 100 000 weniger. Doch das Jessener Unternehmen muss vorbereitet sein, wenn die Wasserpumpe mit dem hier produzierten Einzelteil auch in weiteren Automarken zum Einsatz kommen sollte.

Bei dem Teil handelt es sich übrigens, wie Andreas Güntsch anmerkt, um eine Metall-Kunststoff-Verbindung. „In diesem Bereich haben wir noch weitere Kunden“, erläutert er, und, dass „sich diese Sparte inzwischen ganz gut entwickelt hat“. Und sie soll als Alleinstellungsmerkmal des Jessener Produzenten ausgebaut werden. Die Verbindung von Stanzen und Kunststoffspritzen ist laut Güntsch in dieser Form und in der Region bisher einmalig. „Es gibt Unternehmen, die stanzen Metall und welche, die spritzen Kunststoff. Bei uns ist das aber ein Prozess“, erklärt dies der Geschäftsführer. Rund zwei Jahre hat es gebraucht, das Verfahren bis zu diesem Stand zu entwickeln. Begonnen hatte dies folglich noch in der alten Firmenstruktur. „Wir haben das dann zur Produktionsreife gebracht“, so Andreas Güntsch. „Darauf wollen wir uns nicht ausruhen, sondern das weiterentwickeln, und zwar schneller als die Wettbewerber“, benennt er sein Anliegen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Wenn die Verträge weiterhin Bestand haben und nichts passiert, dann ist die neue Anlage bis in die Jahre 2017/2018 ausgelastet, meint der Geschäftsführer und eine gewisse Befriedigung ob dessen ist ihm anzusehen.

Sorgen bereiten ihm eher die politischen Rahmenbedingungen. „Wir schauen jeden Tag auf die Nachrichten, was die Börse macht, was der IFO-Index“ (ein vom ifo-Institut herausgegebener Frühindikator zur konjunkturellen Entwicklung - die Red.), so Güntsch. Noch immer habe das Unternehmen Altlasten aus der Insolvenz der vorherigen Muttergruppe Roos und Kübler zu tragen. „Die müssen wir so schnell es geht abbauen.“

Für das Jahr 2015 kündigt er bereits weitere Investitionen an. Denn das Teil für die Fahrzeug-Wasserpumpe ist schließlich nicht das einzige Produkt der Firma. (mz)