Landkreis Wittenberg

Landkreis Wittenberg: Lieder auch in Elbisch gesungen

ELSTER/MZ. - Mit Musik Menschen verbinden, das ist das große Ziel, welches der Liedermacher Rolf Zuckowski mit seiner Elbtour 2010 verfolgt. Gestartet wurde sie im Tschechischen - in der Nähe der Quelle, machte einen Sprung an die Unterelbe (um Hamburg herum), mittlerweile hat sie die Mittelelbe erreicht und wird am 5. September in Magdeburg beendet. Nun wurde am Sonnabend in Elster und Sonntag in Coswig Station gemacht. Immer mit dabei ist neben einheimischen und anderen deutschen Chören auch mindestens ein Klangkörper aus dem Nachbarland Tschechien. Und ein großer Teil des Programmes wird von allen gemeinsam gestaltet und das zweisprachig (für Rolf Zuckowski ist das eine Sprache: ...

Von BORIS CANJE

Mit Musik Menschen verbinden, das ist das große Ziel, welches der Liedermacher Rolf Zuckowski mit seiner Elbtour 2010 verfolgt. Gestartet wurde sie im Tschechischen - in der Nähe der Quelle, machte einen Sprung an die Unterelbe (um Hamburg herum), mittlerweile hat sie die Mittelelbe erreicht und wird am 5. September in Magdeburg beendet. Nun wurde am Sonnabend in Elster und Sonntag in Coswig Station gemacht. Immer mit dabei ist neben einheimischen und anderen deutschen Chören auch mindestens ein Klangkörper aus dem Nachbarland Tschechien. Und ein großer Teil des Programmes wird von allen gemeinsam gestaltet und das zweisprachig (für Rolf Zuckowski ist das eine Sprache: Elbisch).

Überschrieben ist die Tour auch "Singen im Elbkinderland", einem Land, in dem es eine eigene Währung, den Elbkinderlandtaler, aber keine Polizei und keine Grenzen gibt, erklärte Rolf Zuckowski. Und dass es ihm mit dem einander Näherbringen ernst ist, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er begonnen hat Tschechisch zu lernen. In einem Gespräch nach dem Konzert zeigte er sich gewillt, seine Bemühungen im kommenden Jahr zu intensivieren. Er könne sich durchaus vorstellen, einmal mit einem Schiffer aus dem Nachbarland auf Tour zu gehen, allerdings nicht nur als Gast, sondern auch richtig mit zu arbeiten.

Die Organisatoren in Elster um Heimatvereinsvorsitzende Elke Hiob schienen einen Pakt mit dem Wettergott geschlossen zu haben. Der Vorsitzende des Elbkinderlandverein Günter Jacobsen meinte in seiner Begrüßung: "Ihr könnt sogar das Wetter organisieren, das ist der Hammer." Bei der Probe gab es noch eine mächtige Husche, dann schien zum Teil sogar die Sonne, von einem nur ganz kurzen Schauer einmal abgesehen. Das Risiko, trotz des Wetters der zurückliegenden Tage und der Prognose für Sonnabend, es bei einer Open-Air-Veranstaltung zu lassen, keine Regenvariante vorzuhalten, hat sich gelohnt. Die Wiese am Bootshaus, direkt an der Elbe, deren Ufer von hohen Bäumen gesäumt wird, bot die richtige, romantische Kulisse für das zweistündige Konzert und war gut gefüllt.

Und in der Elbgemeinde gab es zu allen anderen Konzerten der Tour eine Besonderheit. Zur Eröffnung sang der Chor Echo, alles ehemalige Sänger des Schulchores. Und natürlich wurde zum Auftakt das Elsterlied zu Gehör gebracht. Dann nahmen die drei Kinderformationen auf der Bühne Platz und gestalteten den nächsten Part gemeinsam. Und das funktionierte erstaunlich gut, denn bis auf den Tag der Veranstaltung selbst gab es keine gemeinsame Probe.

Der Chor Cervanek aus Melnik wurde auf Empfehlung des dortigen Schlossbesitzers für einige Konzerte eingeladen, erklärte Rolf Zuckowski. Und er habe es nicht bereut. Allerdings seien die Sänger aus dem Nachbarland schwer mit den anderen Chören zu vergleichen. Dessen Leiter versuche mit sehr anspruchsvollen Liedern feinste Nuancen aus den Kindern "heraus zu kitzeln".

Fast schon Profis sind die Alsterfrösche aus Hamburg. Deren "Froschkönigin", Vereinsvorsitzende Siggi Hennig, ist mit dem Liedermacher befreundet. Vor 24 Jahre fragte er sie, ob sie sich vorstellen könne, mit Kindern "Was ziehe ich an" einzustudieren. Rolf Zuckowski verschwieg jedoch, dass es zu einer Modenschau aufgeführt werden sollte. Und eigentlich nur dieses eine Mal. Doch die Kinder hatten so viel Spaß daran, dass die Eltern per Unterschriftensammlung sich für den Fortbestand des Chores einsetzten. Siggi Hennig ließ sich breitschlagen, fand drei weitere Frauen als Betreuerinnen und deren Ehemänner wurden kurzerhand einbezogen. Mittlerweile haben Generationen von Sängern, es sind immer so um die 50 im Alter zwischen sechs und 26 Jahren mitgesungen. Drei junge Männer konnte sich nicht lossagen und gründeten eine Band für die Alsterfrösche.

Die Elsteraner Elbspatzen setzen sich aus Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte und der Grundschule zusammen. Die Idee, dass Kita-Kinder mit auf der Bühne stehen sollten, kam wieder vom Liedermacher. Doch, das hätte man nicht allein tragen könne, so die Kita-Chefin Janet Leder, und sich deshalb die Grundschule mit ins Boot geholt. Seit März wurde dann regelmäßig geprobt und das Ergebnis, es wurde die "Vogelhochzeit" von Rolf Zuckowski gesungen und gespielt, war hörens- und sehenswert.

Übrigens war noch ein Chor anwesend, die Grundschulspatzen aus Schönewalde. Sie verfolgten allerdings weit vorn im Publikum sitzend das Geschehen auf der Bühne und ließen sich nach dem zweistündigen Konzert gemeinsam mit ihrem Idol fotografieren.

Für Rolf Zuckowski stand nach der Veranstaltung an die Elsteraner gewandt fest: "Ihr seid ein Herzstück des Elbkinderlandes." Eine dritte Elbtour werde es jedoch nicht geben, erklärte er der MZ. In zehn Jahren werde er 73 und da denke man nicht mehr in so großen Zeitspannen. Aber er wolle dafür sorgen, dass es in den bisherigen Tourneeorten weitere Treffen geben wird, zu einem solche werde er auch gerne wieder nach Elster kommen.