Dorfkrug in Klossa

Dorfkrug in Klossa: Was die Welt zusammenhält

Klossa/Kremitz - Im Klossaer „Dorfkrug“ sind 50 Bilder von Eberhard Ziegler, Jahrgang 1941, zu sehen: Porträt- und Landschaftsmalerei, christliche Themen, mythische Szenarien, Stillleben. Wegen seiner Vielseitigkeit werde er von vielen Menschen als „Sonderling“ definiert, sagt Ziegler, was er in eigenwilliger Weise höchst selbst mit dem Künstlernamen „RAR vom Monte Christhof“ unterstreicht. „RAR“ stehe für „selten“, erklärt der Wahl-Kremitzer einmal mehr. Gleichwohl hat er die Ausstellung unter den Titel „Der Weg – das Leben – die Wahrheit“ gestellt. In dieser Verbindung will er seine philosophische Sicht auf die Welt und ihre Widersprüche kundtun. Wer ihm zuhört, gewinnt den Eindruck, dass er zeigen will, was die Welt zusammenhält. Oder entzweit. Seine Stilrichtung sieht er angelehnt an die der Alten Meister des 15. bis 18. ...

Von Gabi Zahn 18.02.2016, 20:10

Im Klossaer „Dorfkrug“ sind 50 Bilder von Eberhard Ziegler, Jahrgang 1941, zu sehen: Porträt- und Landschaftsmalerei, christliche Themen, mythische Szenarien, Stillleben. Wegen seiner Vielseitigkeit werde er von vielen Menschen als „Sonderling“ definiert, sagt Ziegler, was er in eigenwilliger Weise höchst selbst mit dem Künstlernamen „RAR vom Monte Christhof“ unterstreicht. „RAR“ stehe für „selten“, erklärt der Wahl-Kremitzer einmal mehr. Gleichwohl hat er die Ausstellung unter den Titel „Der Weg – das Leben – die Wahrheit“ gestellt. In dieser Verbindung will er seine philosophische Sicht auf die Welt und ihre Widersprüche kundtun. Wer ihm zuhört, gewinnt den Eindruck, dass er zeigen will, was die Welt zusammenhält. Oder entzweit. Seine Stilrichtung sieht er angelehnt an die der Alten Meister des 15. bis 18. Jahrhunderts.

Außergewöhnlicher Charme

Zieglers Werke geben dem Saal des Dorfkrugs einen außergewöhnlichen Charme. Er soll Besucher neugierig machen, die Arbeiten aus der Nähe – und etwas näher – zu betrachten, um Verborgenes zu entdecken. So hofft der Künstler. Die Gäste der Vernissage drücken ihm die Daumen. Es sind vor allem seine Freunde, gute Bekannte und Wegbegleiter, allen voran Ehefrau Ingrid, mit der er, aus Stangenhagen bei Trebbin kommend, 2011 nach Kremitz zog.

Sichtlich gerührt ist der freischaffende Künstler, dass auch Jessens Bürgermeister Michael Jahn (SPD) der Einladung folgt. Immerhin will Ziegler die Ausstellung in die Veranstaltungen zum 800. Jahrestag der Ersterwähnung Jessens eingebunden wissen. Das Stadtoberhaupt bezieht sich in seiner kurzen Ansprache allerdings weniger auf die Kunst, als auf den Künstler selbst und seine erste Begegnung mit ihm: „Herr Ziegler sprach bei meiner Sekretärin vor. Er ließ sich jedoch nicht bremsen, öffnete die Tür und verschaffte sich Zutritt zu meinem Büro. Da standen wir uns plötzlich gegenüber.“ Die Zuhörer frohlocken: „So ist Eberhard!“ Jahn locker: „Er bahnt sich eben seinen Weg. Nachdem ich mir die Bilder angeschaut habe, ist das okay für mich, und ich bin froh, einen solchen Künstler im Städtchen zu wissen.“

Die in Klossa präsentierten Gemälde zeigten nur ein Viertel seines bisherigen Schaffens, sagt Eberhard Ziegler. Für sein Gesamtwerk plane er eine große Schau auf dem Kremitzer Grundstück. Allerdings müssten dafür noch umfangreiche Sanierungen erfolgen.

In seiner Laudatio geht Silvio Paul, freiberuflicher Dozent und Fremdsprachenlehrer aus Premsendorf, auf Lebensetappen des Künstlers ein. Ziegler habe vielerlei Talente, wovon Berufsausbildungen in der Landwirtschaft, als Betonbauer, Industrieschmied, Modellbau/Stuckateur sowie Schrift- und Grafikmaler zeugen. Auch habe er als Sportschütze sehr erfolgreich gezielt. Weniger Glück, jedoch bewegte glückliche Zeiten, hatten beide Zieglers in ihrem Stangenhagener Hotel bei Trebbin/Brandenburg. Daran erinnern Porträts von Boxweltmeister Henry Maske, mit dessen Familie man noch immer verkehre.

Künstlerisches Blut

Schon als Kind hat Ziegler mit dem Malstift offenbart, dass künstlerisches Blut in ihm pulsiert. Als Autodidakt versucht er dieses zu bändigen. Anfang der 1960er Jahre wird er, wie in seiner Vita zu lesen ist, von Professor Walter Womacka (1925–2010, Rektor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee) entdeckt. Als Privatschüler von Professor Kurt Robbel (1909–1996), Hochschule für angewandte und bildende Kunst Berlin, habe er sein Talent weiterentwickelt, ebenso durch Studien in europäischen Galerien und bei anderen Lehrmeistern. In vielen Ländern seien seine Werke anerkannt, im eigenen Land dagegen weniger, „weil ich eben als Sonderling gelte, ich bin mir ja selbst ein Rätsel - eben ein RAR.“

Rückblende: Silvester 1978 brachte ihn ein zehnstündiger Fußmarsch bei minus 16 Grad und Schneetreiben zwischen Trebbin und Luckenwalde an die vermeintliche Grenze seines irdischen Daseins. Das Auto war liegengeblieben. Später bannte er säter seine Todesangst auf Leinwand. Auch dieses Bild ist in Klossa zu sehen, ebenso das für ihn am schwierigsten zu malende Porträt des Arztes Prof. Dr. Dietrich Arndt. (mz)

Thomas Lenz (50), mit Frau Angela aus Zieglers früherer Heimat angereist, würdigt: „Künstler verstehen es, aus dem Alltag heraus etwas Besonderes im Geist aufzunehmen und für andere sichtbar zu machen. Das bleibt. Eberhard zeigt, was ihn berührt: Menschen, Natur, Tiere, die Stille, das Leben. Auch wenn deine Hand etwas zittert – mache bitte weiter damit“, motiviert er Ziegler.

Die wohl bedeutendsten Werke Eberhard Zieglers „Wahret den Frieden“ und „Brief aus Potsdam/Die Lachtraube“ – Anfang der 1980er Jahre entstanden – sind in Klossa erstmals gemeinsam ausgestellt. Letztgenanntes Werk wurde als Reaktion auf das erste gemalt. In schier apokalyptischer Szenerie trifft es, wie der Maler kommentiert, eine Voraussage auf religiös geprägte Kriege und Terrorismus. „Dafür musste ich mich zu DDR-Zeiten einem Ausstellungsverbot beugen.“

„Das Lamm“ nennt Ziegler sein zuletzt geschaffenes Bild: „Mutterseelenallein, vor einer weit entfernten Kirche und dem Universum im Hintergrund, steht das Tier als Sinnbild für unschuldige, friedfertige und edelmütige Menschen.“ Botschaften müsse der Betrachter selbst erlesen. „Wer seinen Geist nicht anstrengt, dem ergeht es wie jemandem, der nur drei Seiten eines Buches liest und meint, es begriffen zu haben.“ Ziegler sieht seine Malerei „als Geschenk Gottes. Ich bin altmodisch, wünsche jedem Menschen einen Schutzengel, denn das Leben kann so schnell endlich sein.“ Seine Talente stelle er in den Dienst jener, deren Herz voller Ehrfurcht vor dem Leben ist, und die sich dafür einsetzen.

Bis 23. Februar sind 50 Bilder von Eberhard Ziegler im Dorfkrug Klossa kostenfrei zu besichtigen. Die Wirtsleute Ilse Uhde und Günter Maronna führen die Besucher in den Ausstellungssaal.