FC Hettstedt

FC Hettstedt: „Das Ehrenamt stirbt aus“

Hettstedt - „Es war noch nie so prekär wie jetzt. Wir sind schon ein bisschen verzweifelt und suchen händeringend nach Ersatz“, sagt Bernd Kühne, Vorstandsvorsitzender des FC Hettstedt.

Von Tina Edler

„Es war noch nie so prekär wie jetzt. Wir sind schon ein bisschen verzweifelt und suchen händeringend nach Ersatz“, sagt Bernd Kühne, Vorstandsvorsitzender des FC Hettstedt.

Dem Fußballverein sind mit einem Schlag zwei Trainer im Nachwuchsbereich weggebrochen. Um die Jugendmannschaften dennoch trainieren und auf Spiele begleiten zu können, müssen die Übriggebliebenen „jetzt öfter ran“, so Kühne.

Keine Mannschaft ohne Trainer

Und er geht noch weiter und redet Klartext: „Wenn wir keinen mehr dazu bewegen können, sich ehrenamtlich zu beschäftigen, dann gibt es in ein paar Jahren keinen FC Hettstedt mehr.“

Aus Kühnes Sicht sind diese deutlichen Worte notwendig. Denn die Suche nach neuen Trainern gestaltet sich zunehmend schwerer. Zwei bis drei bräuchte man, um eine Nachwuchsmannschaft ausreichend zu betreuen und die Spielzeiten an den Wochenenden abzudecken.

Dem Verein steht aktuell nur ein Trainer pro Mannschaft zur Verfügung. „Aber die haben auch noch ihr eigenes Privatleben, ihre Familien“, sagt Kühne. Und sieht darin eines von vielen Problemen, heutzutage ehrenamtliche Helfer zu finden.

Ehrenamt nicht ausreichend gewürdigt

So ein Posten binde Zeit ans Bein. „Viele Stunden in einer Woche, die viele nicht haben oder privat nutzen wollen“, sagt er. Oder aus beruflichen Gründen nicht aufbringen könnten, ergänzt Michael Thießler, Geschäftsführer des FC Hettstedt.

„Wir sind nun mal eine arbeitsarme Region. Viele Leute arbeiten nicht hier und pendeln“, sagt er. Beim FC sei das auch der Grund für den derzeitigen Trainerausfall.

Die aus Thießlers Sicht fehlende Würdigung des Ehrenamts trägt ihr Übriges dazu bei. Beim Fußballverein gebe es zwar eine Aufwandspauschale und weitere vereinsinterne Annehmlichkeiten wie bezahlte Weiterbildungen. Aber außerhalb der Vereinsgrenzen fehle diese Würdigung.

„Das Ehrenamt stirbt langsam aus. Man muss anfangen, es attraktiver zu gestalten“, meint Bernd Kühne dazu. Steuervergünstigungen und Vergütungen bei Eintrittsgeldern in der Gemeinde wären denkbare Beispiele, sagt er.

Ein 08/15-Rezept dafür gibt es bisher noch nicht, sagt Grit Schaaf, Sportkoordinatorin beim Kreissportbund Mansfeld-Südharz. „Wir kennen die Problematik und suchen nach einer Lösung“, sagt sie.

Doch die Auffassungen, wie ein Ehrenamt gewürdigt werden sollte, seien überall unterschiedlich, eine allgemeingültige Form daher schwierig zu finden, so Schaaf.

"Von allein kommt niemand"

Als Leiterin des Schwimmvereins Blau-Weiß Hettstedt weiß sie selbst von der Problematik, ehrenamtliche Helfer zu finden, zu berichten. Um die Kinderschwimmgruppen zu betreuen, muss der Verein bis zu vier Trainer gleichzeitig einsetzen, damit die Sicherheit des Nachwuchses gewährleistet ist.

„Von allein kommt aber niemand. Man muss immer wieder auf die Suche gehen und Leute ansprechen. Und das nicht nur einmal“, sagt sie. Dabei müsse man auswählen, um gute Leute zu finden, die den Übungsleiterposten übernehmen, ergänzt Schaaf.

Bernd Kühne vom FC Hettstedt geht dieser Tage pragmatischer an die Sache. „Wir wären froh, wenn wir überhaupt jemanden finden“, sagt er. Jeder Interessent sei willkommen und könne „es erst mal versuchen“, so Kühne. (mz)