Vorwurf lautet Betrug

Vorwurf lautet Betrug: Stadt Halle zeigt Gläubiger der Scheibe A an

Halle (Saale) - Die Staatsanwalt ermittelt gegen einen Geschäftsmann aus Halle. Der Vorwurf lautet Betrug.

Von Dirk Skrzypczak 06.11.2017, 20:00

Am 18. Oktober sitzen sich im Amtsgericht Halle die beiden Hauptgläubiger der Hochhausscheibe A quasi gegenüber: die Stadt Halle, vertreten durch Nachtragsliquidator Harald Neumeister, und der Hallenser Geschäftsmann Michael Schmidt, Geschäftsführer der Proversa GmbH. Schmidt hatte die Zwangsversteigerung der Immobilie schon 2016 beantragt.

Jetzt hat die MZ erfahren: Die Stadt Halle hat gegen Schmidt Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf lautet Betrug, bestätigt Staatsanwalt Dennis Cernota der MZ. „Mitte Oktober ist die Anzeige bei uns eingegangen. Wir werden sie jetzt prüfen“, sagt er.

Angezeigter Geschäftsmann: „Ich gebe keinen Kommentar ab“

Zu den Hintergründen sagt Cernota nichts, die Stadt hält sich ebenfalls bedeckt. Und auch Schmidt selbst will sich nicht zur Anzeige äußern. „Ich gebe keinen Kommentar ab“, erklärt er am Telefon. Worum es der Stadt im Kern gehen dürfte, ist klar: Sind die Ansprüche von Schmidt gerechtfertigt? Eigentümerin der Scheibe A war zuletzt die Alster Office A.O. Ltd, eine Kapitalgesellschaft nach britischem Recht, gemeldet in Hamburg.

Allerdings befindet sich die Gesellschaft in Liquidation. Das Grundstück der Scheibe A in der Neustadt ist mit mehreren Hypotheken belastet, eine von ihnen beläuft sich auf rund 440.000 Euro. Und nun kommt Schmidt ins Spiel. Wie bereits Anfang 2017 im Planungsausschuss der Stadt bekannt wurde, hat sich der Hallenser diese Forderung gegen Zahlung einer unbekannten Summe abtreten lassen. Diese 440.000 Euro plus Zinsen wird er bekommen.

Am 18. Oktober war der Zwangsversteigerungstermin zur Scheibe A geplatzt

Am 18. Oktober war der Zwangsversteigerungstermin geplatzt, weil Nachtragsliquidator Neumeister rund eine Million Euro an die Gerichtskasse überwiesen hatte. Damit werden die für das Verfahren ursächlichen Forderungen der Gläubiger bedient. Das Geld, so wird vermutet, stammt vom neuen Eigentümer der Scheibe, dessen Identität (noch) wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird.

Erledigt hat sich die Strafanzeige damit noch nicht. Schmidt macht weitere 500.000 Euro geltend und hat sich diese Hypothek ins Grundbuch eintragen lassen. Ob die Summe gerechtfertigt ist oder nicht, könnte in einem Zivilprozess geklärt werden, hatte Neumeister bereits angedeutet. Und er war am 18. Oktober vor Gericht schon davon ausgegangen, dass sich das Verfahren eine längere Zeit hinziehen könnte. „Die Klärung der Ansprüche liegt dann in den Händen des neuen Eigentümers“, sagt Neumeister.

Investor will das Hochhaus für rund 22 Millionen Euro sanieren

Michael Schmidt ist in der Neustädter Passage kein Unbekannter. Ende 2015 war er mit der Proversa GmbH, einer Firma für die Sanierung und den Vertrieb von Immobilien, auf der Bildfläche erschienen. Schmidt vertritt beispielsweise die Besitzer der Scheibe C, Peer Oliver Schmidt (sein Bruder) und dessen Partner Roland Schubert. Der Investor will das Hochhaus für rund 22 Millionen Euro sanieren und dort 308 behindertengerechte Wohnungen einrichten.

Das Unternehmen kann dabei mit einer Förderung von maximal 3,7 Millionen Euro durch die Stadt rechnen, gespeist unter anderem aus diversen Förderprogrammen. Einen öffentlichen Kommentar zu dem Vorhaben wollen Schmidt/Schubert nicht geben. (mz)