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Überholen verboten Mit Video: Nach Rad-Unglück in Halle - Was für Autofahrer in der Innenstadt gilt 

In der Geiststraße dürfen Autos Radfahrer nicht mehr überholen. Doch nur wenige halten sich an die Regel. Erst am Montag ist ein Radler in Halle verunglückt.

Von Tanja Goldbecher Aktualisiert: 11.07.2023, 15:21
In der Geiststraße dürfen Autofahrer Rad- und Mopedfahrer nicht mehr überholen. Viele halten sich aber nicht daran.
In der Geiststraße dürfen Autofahrer Rad- und Mopedfahrer nicht mehr überholen. Viele halten sich aber nicht daran. Foto: Marvin Matzulla

Halle (Saale)/MZ - Ein Jugendlicher fährt mit seinem Mountainbike über die Ampelkreuzung Bernburger Straße Ecke Hermannstraße in der nördlichen Innenstadt. Als er die Geiststraße erreicht und sich zwischen den Straßenbahnschienen einordnen will, überholt ihn knapp ein Auto. Polizeisprecher Thomas Müller hebt die Hand und fordert das Auto auf, anzuhalten. „Das Verkehrsschild besagt, dass hier überholen verboten ist“, erklärt er den Insassen durch die heruntergelassene Scheibe.

Im Video: Das sind Halles Gefahrenstellen für Fahrradfahrer - so könnte die Stadt sicherer werden

 
Halles Straßen sind nicht besonders sicher für Radfahrer. Eine Lösung könnten fahrradsichere Schienensysteme sein.

„Ich wollte nur den Radfahrer überholen“, antwortet die Autofahrerin. Sie kennt die neue Verkehrsregel in der Geiststraße offenbar nicht. Doch sie hat Glück und darf weiterfahren.

Fahrrad fahren in Halle: Verkehrskontrollen in der Geiststraße - Überholen von Radfahrern verboten

Autofahrer, die die Polizei in den vergangenen Tagen bei Verkehrskontrollen dort angehalten hat, kamen nicht so glimpflich davon. Sie erhielten ein Bußgeld von 70 Euro und einen Punkt in Flensburg, wenn sie einen Radfahrer überholt haben.

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Denn gleich zwei rot umrandete Verkehrsschilder weisen Autofahrer daraufhin, dass sie in der Straße „einspurige Fahrzeuge“ nicht überholen dürfen – ein Fahrrad und ein Moped sind beispielhaft auf den Schildern abgebildet. Das Verkehrszeichen wurde erst 2020 in Deutschland eingeführt und wird dann eingesetzt, wenn Autos innerorts beim Überholen nicht den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten können.

In Halle hat sich die Verkehrsunfallkommission im April darauf geeinigt, das Schild in der durch Straßenbahnen und Parkplätze beengten Geiststraße aufzustellen. Ein Novum für die Stadt. Das scheinen allerdings längst nicht alle Verkehrsteilnehmer mitbekommen zu haben – oder sie ignorieren die Regel bewusst.

Fahrradfahrer überholen verboten: Wenige Autofahrer halten sich an Verkehrsschild in Geiststraße in Halle

Seit dem 28. Juni hat die Polizei bei stichprobenartigen Kontrollen schon mehr als 100 Verstöße dokumentiert. Beim Vor-Ort-Termin mit Polizeisprecher Müller zeigt sich ebenfalls, dass sich nur die wenigsten Autofahrer an das Verbot halten.

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Eine Frau steigt in der Geiststraße von ihrem Fahrrad ab und schiebt es auf den Gehweg. „Es ist abartig, hier Fahrrad zu fahren“, sagt sie. Wenn sie es eilig hat, nimmt sie den Umweg über den Botanischen Garten in Richtung Innenstadt in Kauf, da sie sich auf dieser Strecke sicherer fühlt. Die Hallenserin sei bereits einmal in die Schienen geraten und gestürzt. Seitdem will sie sich den Gefahren dort nicht mehr aussetzen. „Das liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen.“

Fahrradwege in Halle in keinem guten Zustand

Auch ein E-Roller-Fahrer steigt ein wenig später ab. Ihm ist es aber nicht zu gefährlich – sondern mit dem Roller zu holprig auf der Straße. „Die Fahrradwege sind in Halle leider in keinem guten Zustand“, sagt der 53-Jährige.

Fahrradfahrer sind in Halle regelmäßig in Verkehrsunfälle verwickelt. Von 2010 bis 2022 hat die Polizei jährlich zwischen 409 und 508 Unfälle mit Radfahrern registriert. Bei über der Hälfte der Vorfälle wurden Menschen verletzt. Von 2017 bis 2022 starben sieben Radfahrer in der Stadt. Erst am Montag ist ein 89-jähriger Radfahrer in Neustadt von einer Straßenbahn erfasst worden und an den schweren Verletzungen verstorben. Der Mann hatte in Höhe der Haltestelle am Zentrum die Gleise überquert.

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Polizeisprecher Müller empfiehlt, sich bestmöglich zu schützen. „Ein Helm ist für Radfahrer lebenswichtig“, betont er. Auch ein sogenannter Airbag-Kragen aus Skandinavien sei eine gute Möglichkeit, um bei einem Unfall den Kopf zu schützen. Und wie der Polizist stets betont, müssen alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen und nicht auf ihrem Vorfahrtrecht beharren. „Als Radfahrer hat man da meistens das Nachsehen.“