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  7. Verkehrsrisiko in Halle: Über 100 Rotlichtverstöße in nur 3 Stunden

Gefahr im StraßenverkehrAlarmierende Studie: So oft werden in Halle rote Ampeln ignoriert

Eine ADAC-Studie in Halle hat innerhalb von drei Stunden über 100 Rotlichtverstöße an vier Kreuzungen festgestellt. Trotz der hohen Zahl an Verstößen wird die Stadt für ihre Bemühungen um Verkehrssicherheit gelobt.

Von Denny Kleindienst Aktualisiert: 08.12.2023, 13:44
Bei Gelb noch über die Ampel zu fahren, wie hier am Reileck in Halle, ist möglich. Bei Rot ist es verboten.
Bei Gelb noch über die Ampel zu fahren, wie hier am Reileck in Halle, ist möglich. Bei Rot ist es verboten. Foto: Denny Kleindienst

Halle (Saale)/MZ - Wer fährt oder geht noch, obwohl die Ampel schon Rot zeigt? Das hat der ADAC an jeweils vier Ampelkreuzungen in den Städten Halle, Magdeburg, Hannover und Braunschweig im Sommer untersucht. Nun liegt das Ergebnis der Studie vor.

ADAC-Studie zu Rotlichtverstößen

In Halle wurden dabei an vier Ampelkreuzungen innerhalb von drei Stunden insgesamt 133 Rotlichtverstöße gezählt. Weil es aber in den anderen drei Städten noch häufiger zu Rotlichtverstößen kam, bezeichnet der ADAC die Verkehrsteilnehmer aus Halle als „die regelkonformsten der vier untersuchten Städte“.

Halles Sicherheitschef Tobias Teschner mag sich darüber nicht recht freuen. Schließlich können die Folgen eines Rotlichtverstoßes „schnell gravierend werden“, wie er sagt, und gehe das Fahren bei Rot mit einem hohen Risiko schwerer Unfälle einher.

Bußgeldsumme und Verkehrssicherheit

Der ADAC hat zudem eine Berechnung angestellt: Wären die Verstöße in Halle geahndet worden, hätten sich die Bußgelder auf 19.780 Euro summiert, und die Verkehrsteilnehmer hätten 204 Punkte in Flensburg kassiert.

Letztlich geht es aber auch dem Automobilclub um mehr Verkehrssicherheit und um „das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer“, wie Nils Horschick vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sagt, der an der Studie mitgewirkt hat.

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Es wurde deshalb auch ausgewertet, welche Verkehrsteilnehmer die rote Ampel ignoriert haben sowie die spezifischen Gegebenheiten. So verteilen sich die 133 Verstöße auf 68 Radfahrer (was 7,1 Prozent aller gezählten Radfahrer entspricht), 51 Kfz-Fahrer (2,1 Prozent der gezählten Fahrzeuge), zwölf Fußgänger (2,7 Prozent) sowie einen E-Scooter-Fahrer (was bei lediglich sieben gezählten Scootern 14,3 Prozent ausmacht) und einen sonstigen Verkehrsteilnehmer. Unter Sonstige führt die Studie etwa Skateboardfahrer an.

„Gemessen an ihrem Anteil an den Verkehrsteilnehmern waren es vor allem die Radfahrer, die Regelverstöße begangen haben“, stellt der ADAC fest. Und dabei insbesondere Fahrer von Pedelec-Rädern mit Motorunterstützung. Es folgen auf Platz zwei die Fußgänger und auf Platz drei die Autofahrer.

Die meisten Verstöße in Halle gab es auf der Lu-Wu

Die vier für die Studie untersuchten Kreuzungen in Halle waren das Reileck und die Ludwig-Wucherer-Straße/Ecke Willy-Lohmann-Straße in der nördlichen Innenstadt sowie die Kreuzungen Delitzscher Straße/Ecke Grenzstraße im Osten und Beesener Straße/Ecke Robert-Koch-Straße im Süden.

Der negative Spitzenreiter mit 66 Verstößen ist die Kreuzung in der Ludwig-Wucherer-Straße. Auch dort sind die Radfahrer mit 48 Rotfahrten deutlich in der Mehrzahl. Da stets die Fahrtrichtung stadteinwärts untersucht wurde, ging es dort um den Verkehr Richtung Reileck.

Blick in die Hautstadt: auch in Magdeburg hat der ADAC kontrolliert

 
Der Verkehrsclub ADAC hat in Magdeburg eine Studie zu Rotlichtverstößen durchgeführt. (Bericht/Kamera: Ivar Lüthe, Schnitt/Sprecher: Christian Kadlubietz)

Als Besonderheit nennt der ADAC das Gefälle in der Lu-Wu, welches Radfahrern mehr Tempo ermöglicht. Hinzu kommt ein geringes Verkehrsaufkommen in der querenden Willy-Lohmann-Straße. Weil auf dieser Strecke viele Pendler täglich unterwegs sind, „kennen diese die Signal- und Wartezeiten gut“, so der ADAC. Viele von ihnen würden deshalb – und auch das ist ein Rotlichtverstoß – zu früh starten.

Auf Platz zwei landet die Kreuzung Beesener Straße mit 42 Verstößen, wobei dort die 30 Kfz-Fahrer in der Mehrzahl sind, gefolgt vom Reileck stadteinwärts mit 21 Verstößen. Positives Schlusslicht ist die Delitzscher Straße mit vier Rotlichtverstößen.

Halle will Rotlichtblitzer einführen

Beobachtet wurden alle Kreuzungen zwischen 7 und 10 Uhr. Die meisten Fahrten bei Rot gab es dabei jeweils innerhalb der ersten Stunde – mitten im Berufsverkehr. Der ADAC weist zudem darauf hin, dass in den meisten Fällen die Ampel weniger als eine Sekunde Rot zeigte. Was sich außerdem zeigte: „Je kürzer die Wartezeit an den Ampeln war, desto weniger Rotlichtverstöße gab es insgesamt.“

Laut Tobias Teschner plant die Stadt im kommenden Jahr, mehrere Rotlichtblitzer einzuführen. Die Stellen würden noch mit der Polizei abgestimmt. Bisher finden entsprechende Kontrollen nur stationär statt.