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Streit um Sanierung eines Hortgebäudes in Hohenthurm Streit um Sanierung eines Hortgebäudes in Hohenthurm: Eine Feuertreppe ohne Ausgang

Von Alexandra Prinz-Klause 19.06.2015, 08:55
Die Feuertreppe an der Grundschule „Am Mühlberg“ in Hohenthurm hat keinen Zugang zu den beiden oberen Etagen des Schulgebäudes.
Die Feuertreppe an der Grundschule „Am Mühlberg“ in Hohenthurm hat keinen Zugang zu den beiden oberen Etagen des Schulgebäudes. Prinz-Klause Lizenz

Hohenthurm - „Eine Feuertreppe, aber kein Zugang zum Gebäude? Das geht doch gar nicht“, spricht Elternsprecherin Dana Seidel aus der Grundschule „Am Mühlberg“ vielen Hohenthurmern aus dem Herzen. Seit April vergangenen Jahres ist die Treppe installiert, seit November vergangenen Jahres sind die oberen beiden Etagen des Gebäudes gesperrt. 56 Hort-Kinder werden seitdem provisorisch in der gegenüberliegenden Schule betreut. Noch im April hatte die Stadt Landsberg als Träger zugesagt, dass das Hortgebäude ab September wieder komplett zur Verfügung steht. Doch nach Aussagen von Bürgermeister Olaf Heinrich (parteilos) werden für die komplette Sanierung (Brandschutz und Durchbrüche) statt der veranschlagten 150.000 Euro nun 250.000 Euro benötigt. „Es ist nicht genug Geld da“, so Heinrich, deshalb werde das Bauvorhaben erst im Haushalt des nächsten Jahres eingestellt. Voraussichtlich zum übernächsten Schuljahr, also ab August 2016, könne das Hort-Gebäude wieder vollumfänglich genutzt werden. Aber auch das sei kein Versprechen.

"Ausnahmezustand auf lange Zeit"

Für die Eltern ist diese Entscheidung nicht akzeptabel. „Vorübergehend ist eine Doppelnutzung von Hort und Schule vielleicht machbar, aber das wären ja dann bald zwei Jahre“, kritisiert Dana Seidel. Auch für Stadtrat Christian Gobst (CDU) ist der zeitliche Rahmen nicht nachvollziehbar. „Den Kindern wird ein Ausnahmezustand auf lange Zeit zugemutet.“ Dazu komme, dass das Thema Feuertreppe Hohenthurm auch im Stadtrat für Diskussionen gesorgt habe. Anlass seien zwei Bauanträge für die Treppe, die beide genehmigt wurden. Bereits 2011 war durch das Architektur-Büro Sparfeld aus Halle ein Bauplan erstellt worden, der die Treppe links vom Haupteingang vorgesehen hatte und durch die damalige Bauamtschefin Liane Möser genehmigt wurde. Im Juli 2012 übernahm Nadine Anspach die Leitung des Hochbauamts und eine zweite Variante – an der Giebelseite – wurde entworfen. Zur Begründung heißt es von der Stadt, dass die erste Variante kostenintensive Umbaumaßnahmen im Innenbereich im Rahmen der Brandschutzsanierung nach sich gezogen hätte. Die im April 2014 schließlich umgesetzte Variante der Treppe an der Giebelseite sei inklusive Brandschutz die kostengünstigere. „Und auch eine Sicherheitsentscheidung“, so Heinrich.

Schulräume können zusätzliche Klassen nicht aufnehmen

Planerin Gloria Sparfeld verweist auf ein Experten-Gutachten des Leipziger Ingenieur-Büros IBB (liegt der MZ vor), das einschätzt, dass die realisierte Variante mehr Umbaumaßnahmen erfordert. Diese sei letztlich die teurere Sanierungsvariante, so Sparfeld, zumal der Fluchtweg durch die Toiletten im Erdgeschoss führe. Stadtrat Gobst, auch Vorsitzender des Bauausschusses, kritisiert vor allem, dass die Verwaltung wiederholt angegeben habe, der erste Treppenstandort sei planungstechnisch und brandschutzrechtlich unzulässig gewesen. Das entspreche nicht den Tatsachen.

Tatsache allerdings ist, dass mit dem im August beginnenden Schuljahr geschätzte 50 Erstklässler mehr den Hort besuchen werden, etwa 150 Kinder insgesamt. Verwaltungsleiter Christian Hoppe verweist auf die für ein Jahr verlängerte Ausnahmegenehmigung für eine „durchaus übliche“ Doppelnutzung von vier Schulräumen. Zugleich soll aber dem Hort auch eine zusätzliche Erzieherin zur Verfügung gestellt werden. Auch für mögliche Schäden, die in den Schulräumen von Hort-Kindern verursacht werden, wolle man aufkommen.

Für Schulleiterin Sylke Hartmann dennoch unbefriedigend. Geplant war, dass ein Raum im Hortgebäude als Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt werden soll, „da die Schulräume mit der Aufnahme drei weiterer ersten Klassen nicht mehr ausreichen.“ Dana Seidel kritisiert, dass die Fachräume wie der Musikraum nun in Klassenräume umfunktioniert werden müssen. Fachkabinette seien Standard an einer Grundschule mit Qualität und für Qualität müsse man sich nicht entschuldigen. (mz)