Sankt Petri in Löbejün

Sankt Petri in Löbejün: Orgel-Flügel prächtig bemalt

Löbejün/MZ - Löbejün ist wie kein anderer Ort im Saalekreis eng mit der Musik verbunden. Das liegt vor allem daran, dass hier der Komponist Carl Loewe geboren wurde. Doch da gibt es noch ganz andere Dinge: Die Stadtkirche Sankt Petri hat eine Orgel zu bieten, die eine äußerst interessante Geschichte besitzt. Deshalb hat sich vor über einem Jahr der „Freundeskreis der Orgel zu Sankt Petri in Löbejün“ gegründet, um sich für den Erhalt und die Sanierung des Instruments zu engagieren. Viel wurde bereits ...

Von Claudia Crodel 20.01.2014, 21:52

Löbejün ist wie kein anderer Ort im Saalekreis eng mit der Musik verbunden. Das liegt vor allem daran, dass hier der Komponist Carl Loewe geboren wurde. Doch da gibt es noch ganz andere Dinge: Die Stadtkirche Sankt Petri hat eine Orgel zu bieten, die eine äußerst interessante Geschichte besitzt. Deshalb hat sich vor über einem Jahr der „Freundeskreis der Orgel zu Sankt Petri in Löbejün“ gegründet, um sich für den Erhalt und die Sanierung des Instruments zu engagieren. Viel wurde bereits vorangebracht.

Orgel aus der Werkstatt von Wilhelm Rühlmann

Die Königin der Instrumente stammt aus der Werkstatt von Wilhelm Rühlmann aus Zörbig, und zwar aus dem Jahr 1901. Es ist eine pneumatische Orgel mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Zwar ist das Instrument im Wesentlichen im Original erhalten und teilweise spielbar, doch eine Sanierung ist dringend notwendig. Das liegt zum einen daran, dass die Prospektpfeifen bereits im Ersten Weltkrieg konfisziert wurden und damit der Orgel das Klangliche Grundgerüst fehlt. Das ist insofern außerordentlich bedauerlich, weil sich das Instrument durch die hohe handwerkliche Qualität durch eine ausgereifte Konzeption und einen außergewöhnlichen Klang auszeichnet. Zudem hat der Zahn der Zeit an der 113 Jahre alten Königin genagt: Das Innere ist stark verschmutzt, Teile sind verschlissen und von Holzschädlingen befallen. Nur noch ein Manual ist spielbar und die Mechanik an ihre Verschleißgrenze angelangt.

Im zurückliegenden Jahr hat nun der Orgel-Freundeskreis Sachverständige und Entscheidungsträger mit ins Boot geholt und erste Schritte auf den gewiss noch viel Zeit in Anspruch nehmenden Weg zur Orgelsanierung gebracht. Sogar eine Ausschreibung für die Suche nach einem Orgelbauer hat stattgefunden. Aus insgesamt vier Bewerbern konnte die Firma Jörg Dutschke aus Salzwedel ausgemacht werden, die mit der Sanierung in drei Schritten beauftragt werden soll.

Doch in der Sankt-Petri-Kirche geht es nicht nur um das Instrument an sich. Die Gemeinde verfügt über ein weiteres Kleinod: die Orgelflügel des Vorgängerinstruments. Dabei handelte es sich um eine Beck-Orgel, die im Jahr 1591 gebaut wurde. Die noch erhaltenden Orgelflügel sind mit vier kostbaren Monumentalgemälden eines unbekannten Renaissancemalers auf doppelseitig bemaltem Leinwandrahmen versehen. Wie die Türen eines Schrankes konnten sie einst die Schauseite der Beck-Orgel verdecken oder schmücken.

Gemeinsam mit dem bis heute in St. Petri erhaltenden Altar bildeten die Malereien der Orgelflügel einst ein geschlossenes Ensemble.

Gegenwärtig würden die von Denkmalschützern und Restauratoren hochgelobten, aber stark beschädigten Gemälde an sicherem Ort verwahrt, erzählt Gernot Keyßer vom Freundeskreis der Orgel zu Sankt Petri. Auch sie sollen restauriert werden, so die Vorhaben des Freundeskreises.

Da sie leider nicht zur Rühlmann-Orgel passen, will man für die einzigartigen Flügeltüren nach ihrer Sanierung einen angemessenen Platz im Gotteshaus finden, sie aber nicht in den Zusammenhang mit der Orgel bringen.