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2.200 Bäume sollen weichenRodung im Wald Halle-Trotha: So verteidigt die Stadt die Baumfällungen in Trotha

Halle (Saale) - Die Anwohner von Trotha kritisieren die Rodung in ihrem Wäldchen. Die Stadtverwaltung verteidigt hingegen den aktuellen Eingriff.

Von Tanja Goldbecher 07.02.2019, 13:02

Nachdem Anwohner und Stadtpolitiker massive Kritik an den aktuellen Baumfällungen in Trotha geäußert haben, verteidigt die Stadtverwaltung jetzt die Maßnahme. Ziel sei es, langfristig einen ökologisch höherwertigen Eichenwald in dem Gebiet aufzubauen. Bei einem vor Ort Termin am Montag war kein Vertreter der Stadt anwesend. Im Gespräch mit der MZ räumt die Verwaltung nun Mängel in ihrer Informationspolitik ein. „Wir müssen unsere Kommunikation verbessern“, sagt Kerstin Ruhl-Herpertz, Leiterin des Fachbereichs Umwelt.

Den Fragen der Bürger stellt sich die Verwaltung nun im nachhinein. Die Anwohner wollen wissen, warum man den Wald sich nicht selbst überlassen könne. Veränderungen würden schließlich auch auf natürliche Art und Weise geschehen.

Landesförster widerspricht: „Der Wald in Trotha ist im Moment am Ende“

Landesförster Torsten Nieth, der das Wäldchen im Auftrag der Stadt betreut, widerspricht dieser Ansicht. „Der Wald in Trotha ist im Moment am Ende“, sagt er. Etliche Pappeln seien bereits abgestorben und drohten umzufallen. Allein aus Sicherheitsgründen müsste jetzt eingegriffen werden. Deshalb sollen 250 Bäume direkt gefällt werden.

Weitere 2.000 Robinien sollen im Zuge des Waldumbaus ebenfalls verschwinden. Sie sind bereits mit der Methode des Ringelns bearbeitet worden. Dabei werden die Versorgungsbahnen des Baumes in der Rinde durchtrennt, wodurch die Gehölze allmählich absterben. Das Totholz soll im Wald liegen bleiben. Erst wenn sich der Wald gelichtet hat, würden gute Bedingungen entstehen, um Eichensamen in die Erde zu bringen.

Robinien verdrängen andere Pflanzen und waren nur Übergangslösung

Allerdings verstehen die Trothaer, die regelmäßig in dem Wäldchen spazieren gehen, nicht, warum die großen Robinien überhaupt ersetzt werden müssen. Umweltamtsleiterin Ruhl-Herpertz erklärt, dass die aus Nordamerika stammende Baumart andere Pflanzen verdrängt und bei einer direkten Abholzung immer wieder austreibt. Die Robinien seien vor rund 60 Jahren nur als Übergangslösung angepflanzt worden, um die ehemalige Bergbaufläche abzusichern.

Der Vorteil der Bäume bestehe darin, dass sie schnell wachsen und den nährstoffarmen Boden mit Stickstoffen anreichern. Sobald sich die Halde stabilisiert hat, sollen jedoch ökologisch betrachtet wertvollere Bäume wie die heimische Eiche angepflanzt werden. „Eichen leben länger und bieten weitaus mehr Insekten einen Lebensraum als Robinien“, sagt Förster Nieth. Der Horst eines Roten Milans werde zudem geschützt. Die Erfolge des Waldumbaus können laut Nieth aber erst wirklich in 150 Jahren begutachtet werden.

Waldumbau ist laut Stadt eine Investition in die Zukunft

Laut den Behörden ist die Maßnahme also eine Investition in die Zukunft. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert trotzdem einen Stopp der Waldarbeiten. „In Zeiten von Klimawandel und Dürre, wie wir sie vergangenen Sommer erlebt haben, sollten nicht leichtfertig Bäume gefällt werden“, sagt der Landesvorsitzende Ralf Meyer. Junge Bäume könnten bei anhaltender Trockenheit leicht eingehen, Beispiele davon gebe es im ganzen Stadtgebiet.

Die Verwaltung hält dagegen, dass die Deutsche Bahn, die den Wald im Auftrag der Stadt seit Mitte Januar als Ausgleich für die zerstörten Sträucher beim Bau des neuen Rangierbahnhofs umgestaltet, abgestorbene Jungbäume ersetzen muss. Erst nach fünf Jahren wird die Fläche der Stadt übergeben.

Der Fraktion der Mitbürger für Halle reichen die Erklärungen der Verwaltung zum seit 2010 geplanten Waldumbau noch nicht aus. „Wir werden im nächsten Ausschuss für Ordnung und Umweltangelegenheiten nachfragen, wie sinnvoll diese Maßnahme neun Jahre nach Planfeststellung noch ist“, sagt der Fraktionsvorsitzende Tom Wolter. (mz)