Rechtspopulismus oder „Schmutzkampagne“

Rechtspopulismus oder „Schmutzkampagne“: OB-Kandidat Daniel Schrader am Pranger

Halle (Saale) - Daniel Schrader und seiner Wählergruppe wird Rechtspopulismus vorgeworfen. Er sieht sich hingegen als Opfer einer „Schmutzkampagne“.

Von Tanja Goldbecher

OB-Kandidat Daniel Schrader und seine Wählergruppe Team Schrader werden derzeit massiv kritisiert. Das Bündnis Halle gegen Rechts hat Beiträge der Gruppe im Internet analysiert und Hintergründe zu den Mitgliedern recherchiert. Das Fazit: Schrader und sein Team seien ähnlich wie die AfD dem Rechtspopulismus zuzuordnen.

Schrader, der in der Stadtverwaltung als Feuerwehrmann arbeitet, wehrt sich gegen den Vorwurf, Politik am rechten Rand zu betreiben. „Das stimmt nicht, ich habe weltweit Freunde“, sagt der OB-Kandidat auf MZ-Nachfrage. Er und sein Team sehen hinter der Kritik vielmehr einen gezielten Angriff.

Wählergruppe: „Laut einem Vögelchen ist gegen uns eine größere parteiübergreifende Schmutzkampagne in Arbeit“

„Laut einem Vögelchen ist gegen uns eine größere parteiübergreifende Schmutzkampagne in Arbeit“, schreibt die Wählergruppe in sozialen Medien. Die bisherigen Stadtpolitiker würden nur um „ihre Posten, ihren Einfluss und ihren Zugriff auf unser Steuergeld“ fürchten, heißt es weiter in dem Statement.

Es ist allerdings genau diese Rhetorik, die das hallesche Bündnis Schrader vorwirft. Der aktuelle Oberbürgermeister und der gesamte Stadtrat werden dabei zu den „Mächtigen“ und zur „Elite“ stilisiert, die ausgetauscht werden müssen.

Abgesehen von der Rhetorik dreht sich die Kritik vor allem um den Sprecher der Wählergruppe

Die Zuschüsse für die TOOH - ebenfalls eine elitäre Einrichtung - sollten gekürzt werden, um die Hundesteuer abschaffen zu können. Frauen würden sich nicht mehr sicher auf den Straßen fühlen - Schrader will all das ändern. „Die Wählergruppe achtet zwar darauf, nicht gegen Geflüchtete zu hetzen, verwendet aber die Sprache rechter und verschwörungsideologischer Gruppen“, sagt Valentin Hacken, Sprecher des Bündnisses.

Abgesehen von der Rhetorik dreht sich die Kritik vor allem um den Sprecher der Wählergruppe, Marco Kanne. Dieser war bis 2015 Mitglied der AfD im Burgenlandkreis. Zuvor gründete er den Autonomie anstrebenden Weißenfelser Bürgerbund. Noch weiter zurück liegen Kannes gemeinsam initiierte Aktionen mit dem neurechten Publizisten Götz Kubitschek. Auf der Internetplattform ist zum Beispiel dokumentiert, wie Kanne 2009 eine Versammlung im Chemnitzer Rathaus stört.

Wahlkampfleiter von Daniel Schrader steht offen zu seiner Vergangenheit

Der Wahlkampfleiter von Daniel Schrader steht offen zu seiner Vergangenheit. Er habe damals eine „anarchistische und rechtskonservative Einstellung“ gehabt, sich davon aber mittlerweile verabschiedet. Auch Schrader stellt sich hinter seinen Sprecher. „Ich verurteile Menschen nicht aufgrund ihrer Vergangenheit“, sagt der OB-Kandidat. Eine entsprechende Anfrage des Bündnisses an ihn hat er bis heute nicht beantwortet. „Ich bin doch niemandem Rechenschaft schuldig“, sagt Schrader.

Eine harte Linie fährt die Wählergruppe allerdings auch im Internet gegenüber den Bürgern. „Ich möchte keinen OB, der seine Bürger beschimpft, weil er bei Kritik, egal ob berechtigt oder nicht, seine verbale Fassung verliert“, schreibt eine junge Frau. Unliebsame Kommentare unter den Beiträgen des Teams würden zum Teil gelöscht. Mehrere Nutzer berichten, dass sie vom Team Schrader blockiert worden seien. (mz)