Abriss nach Hochwasser

Planetarium in Halle (Saale) wird abgerissen: Keine Rettung für den Schalenbau

Halle (Saale) - Beim Abriss des Planetariums sollten die berühmten „HP-Schalen“ des Gebäudes gesichert werden, so die Idee der Grünen. Doch das ist nicht realisierbar.

Von Silvia Zöller 13.04.2017, 15:20

Das Planetarium auf der Peißnitzinsel ist ein ganz Besonderes: Das Gebäude aus den 1970er Jahren ist mit den berühmten „HP-Schalen“ gedeckt und gilt als Bauwerk der sogenannten Ostmoderne. Seit 2015 ist es sogar offiziell Kulturdenkmal. Deswegen gab es auch viele Bedenken gegen den geplanten Abriss des Gebäudes, das von der Flut 2013 schwer beschädigt wurde.

Planetarium in Halle (Saale): Die Schalenkonstruktion beim Abriss zu erhalten wäre zu teuer

Der Kompromissvorschlag kommt von der Fraktion der Grünen: Einzelne Teile und die Schalenkonstruktion beim Abriss erhalten und an Interessierte verschenken, damit das Denkmal zumindest teilweise erhalten bleibt. Das hat die Stadtverwaltung jetzt geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass dies sehr aufwendig und teuer wäre. Mit 130.000 Euro würde eine solche Aktion zu Buche schlagen.

„Zur Demontage müsste ein inneres Raumgerüst mit einer entsprechenden Gründung zur Abfangung der Lasten der HP-Schalen errichtet werden, damit beim Rückbau eines Elements diese ganze Konstruktion nicht in sich zusammenfällt“, schreibt Kultur-Beigeordnete Judith Marquardt auf die Anregung aus dem Stadtrat.

Planetarium in Halle (Saale): Experten befürchten, dass HP-Schalen auseinanderbrechen

Und bevor die HP-Schalen ausgebaut werden können, seien weitere erhebliche Vorarbeiten notwendig. Experten befürchten zudem, dass die Schalen beim Rückbau auseinanderbrechen. „Es kann also keine Aussage dazu getroffen werden, ob die HP-Schalen überhaupt sicher geborgen werden könnten“, so Marquardt.

Die Kosten in Höhe von rund 130.000 Euro müssten zudem von der Stadt Halle bereitgestellt werden, da diese Arbeiten nicht aus den Flutmitteln gefördert werden können. Aus diesem Grund empfiehlt die Stadt, keine Teile zu bergen. In der Stadtratsitzung am 26. April wird Marquardt über diese Punkte informieren.

Abriss des Planetariums in Halle (Saale) steht fest

Fest steht indes, dass das Planetarium abgerissen wird, da ein Erhalt nicht wirtschaftlich ist. Beginn der Arbeiten ist laut Marquardt für das dritte Quartal 2017 geplant - dafür werden rund 300.000 Euro aus Fluthilfemitteln eingesetzt, die bereits bewilligt sind.

Auch der Denkmalstatus ist kein Hindernis: „Die Genehmigung des Landesverwaltungsamts, Referat Denkmalschutz, UNESCO-Weltkulturerbe zum Abbruch des Planetariums liegt ohne Auflagen vor“, erläutert Marquardt.

Ab 2019 soll das neue Planetarium im Gasometer in Halle (Saale) stehen

Ab Anfang 2018 soll dann das neue Planetarium auf dem Holzplatz entstehen. Dafür soll das denkmalgeschützte Gasometer eine Kuppel für einen Sternenprojektor erhalten.

Außerdem soll ein Vortragsraum entstehen, eine Bibliothek und Büros. Finanziert wird dies ebenfalls über Flutmittel. Rund 14 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Der MZ-Verein „Wir helfen“ beteiligt sich mit 150.000 Euro an der Inneneinrichtung, die von der Fluthilfe nicht übernommen wird. Das Geld hatten MZ-Leser nach der Flut gespendet. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant. (mz)