OB-Wahl in Halle

OB-Wahl in Halle: So reagieren Parteien und Unterstützer auf das Ergebnis

Halle (Saale) - Die Anhänger von CDU und FDP sind frustriert, das Lager von SPD, Grünen und Linken hofft auf die Stichwahl. Warum die Wiegand-Unterstützer vorsichtig sind.

Von Dirk Skrzypczak 14.10.2019, 07:45

Schwimmstar Paul Biedermann tritt auf die Euphoriebremse. Als sich Unterstützer und Freunde in der Stammkneipe von Oberbürgermeister Bernd Wiegand in der Bernburger Straße zum Jubelfoto mit dem Amtsinhaber aufstellen, mahnt der Ex-Weltmeister zur Bescheidenheit. „Das ist nur eine Zwischenetappe. Auf dem Ergebnis werden wir uns nicht ausruhen“, sagt Biedermann, Mitglied im OB-Unterstützer-Verein „Hauptsache Halle“.

Die Stimmung in der Bar ist gut. Dass die Stichwahl in zwei Wochen noch einmal kippen könnte, glaubt hier keiner. Dabei hatte Wiegand vor sieben Jahren selbst gezeigt, wie das geht. Nach der ersten Runde lag Bernhard Bönisch (CDU) noch klar vorn. Dann drehte Wiegand den Spieß um - auch weil er in der Stichwahl Unterstützung beispielsweise durch die Grünen erhielt. „Die Lage ist heute eine ganz andere“, meint dazu Lothar Rochau, einer der treuen Weggefährten des OB.

Silbersack: Größte Sorge, dass Amtsinhaber Wiegand die absolute Mehrheit erreicht

Für CDU/FDP-Kandidat Andreas Silbersack entwickelte sich der Abend zum Wechselbad der Gefühle. Er hatte seine Wahlparty zusammen mit der Familie, Freunden und Parteimitgliedern von FDP und CDU im halleschen Brauhaus organisiert und vorab ein klares Ziel ausgegeben: In die Stichwahl zu kommen.

Als die erste Hochrechnung ihn dann tatsächlich vor Hendrik Lange an Platz zwei sah, strahlte er und schien die nächsten zwanzig Minuten zwischen Freibier und Flammkuchen wirklich zu genießen. Seine größte Sorge war, dass Amtsinhaber Wiegand die absolute Mehrheit erreicht und es keine Stichwahl geben könnte.

Silbersack: „Das muss man als Demokrat akzeptieren“

Doch als Lange im Laufe des Abends immer mehr zulegte und Silbersack schließlich einholte, dämpfte das die Stimmung auf der Wahlparty. „Natürlich habe ich noch Hoffnung“, zeigte sich der FDP-Kandidat zwar auch noch nach 100 von 157 ausgezählten Wahlbezirken und rund 800 Stimmen Rückstand zuversichtlich. Doch es half nichts. Lange zog an ihm vorbei, die Stichwahl: unerreichbar.

„Dass ich Dritter geworden bin und nicht in die Stichwahl komme, ist natürlich kein schönes Ergebnis, aber das muss man als Demokrat akzeptieren“, sagte Silbersack. Für eine Analyse, woran es gelegen haben könnte, sei es noch zu früh. Doch in einer Sache legte sich Silbersack bereits am Wahlabend fest: „Ich glaube, dass Herr Wiegand der Stadt Halle überhaupt nicht gut tut, werde aber auch keine Wahlempfehlung für Hendrik Lange abgeben.“

Tullner: „Von Wahlempfehlungen halte ich grundsätzlich nichts“

Damit stehen die konservativen Wähler in zwei Wochen vor einer schweren Entscheidung. Das sieht auch Bildungsminister und CDU-Kreisvorsitzender Marco Tullner so. „Bei den CDU-Wählern wird es jetzt mit Sicherheit einige Fragezeichen geben. Von Wahlempfehlungen halte ich grundsätzlich nichts“, sagte er. Silbersack machte er keinen Vorwurf. Er habe einen engagierten Wahlkampf geführt und die Konstellation aus FDP und CDU habe gut funktioniert.

Unterdessen übte Frank Sitta, Landesvorsitzender der FDP und Bundestagsabgeordneter, scharfe Kritik am Wahlkampfverhalten Wiegands. „Er hat sich in seinem Amt gesonnt, ist jeglicher Konfrontation aus dem Weg gegangen und hat Vorschläge der Kandidaten nicht mitdiskutiert.“ Es sei schwierig gegen einen Amtsinhaber, der sich so verhalte, zu gewinnen.

Lange: „Ich bin wahnsinnig erleichtert“

Als Andreas Silbersack und Hendrik Lange sich schließlich am Abend im Stadthaus begegneten, erwies sich der FDP-Mann als fairer Verlierer. Mit einem festen Händedruck gratulierte er Lange zum Erfolg, als das Ergebnis feststand.

„Ich bin wahnsinnig erleichtert“, sagte Hendrik Lange, als alle Wahlbezirke ausgezählt waren. Er konnte seinen knappen Einzug in die Stichwahl in Strieses Biertunnel feiern - wobei er angesichts des Terroranschlags am Mittwoch bewusst nicht von einer „Wahlparty“, sondern von einer „Dankeschönveranstaltung für die Wahlhelfer“ sprach. „Die Wahl hat stattgefunden, während die Stadt eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt war“, sagte Lange. Er hatte, genau wie die anderen OB-Kandidaten, seinen Wahlkampf seit Mittwoch ruhenlassen. Jetzt müsse er mit seinem Team eine neue Strategie entwickeln, meinte er. (mz)