OB-Kandidat Hendrik Lange

OB-Kandidat Hendrik Lange: Ein überzeugter Neustädter

Halle (Saale) - Hendrik Lange kennt als Stadtrat der Linken die drängendsten Probleme Halles und seiner Bewohner. Der Biologe kandidiert, weil er verändern will.

Von Katja Pausch 03.10.2019, 13:00

Die Weinbergwiesen sind einer seiner Lieblingsorte: „Hier“, sagt Hendrik Lange, „kann ich ausspannen, Kraft tanken und Luft holen.“ Und wenn die Sterne günstig stehen, auch mal mit dem Teleskop in den Nachthimmel schauen. „Neulich habe ich beim Mondfinsternisgucken zum ersten Mal die Galileischen Monde von Jupiter und die Ringe des Saturns entdeckt“, freut sich Lange, der seit seiner Kindheit „Trekkie“ ist. So nennen sich Anhänger der Science-Fiction Filmreihe „Star Trek“.

Er liebe alles, was mit dem Weltraum zu tun habe, sagt Lange. Das grüne Areal der Weinbergwiesen liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom Neustädter Zuhause des naturverbundenen Linken-Politikers. Neustadt - das ist das Stadtviertel, in dem Hendrik Lange seit mehr als 20 Jahren wohnt.

Nach Halle kam Lange 1996 für sein Biologiestudium

Nach Halle kam Lange 1996 für sein Biologiestudium und wohnte zunächst im Studentenwohnheim „Scheibe A“. Aus der Neustadt zog der 42-Jährige, der für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, nie weg - und das will er auch nicht. Auch nicht, wenn er gewählt werde? „Nein, warum sollte ich?“, zeigt sich der gebürtige Quedlinburger, der kurioserweise für einige Zeit auch mal in der Quedlinburger Straße in Halle-Neustadt gewohnt hat, verwundert.

Lange fühlt sich hier wohl. Er sei mit seinem E-Bike in acht Minuten auf dem Markt, in noch kürzerer Zeit in der Dölauer Heide - und er möge sein Zuhause, das er nach der Eheschließung mit seinem Mann gemeinsam bewohne. Auf dem Dach seiner Wohnung eines sanierten Fünfgeschossers gebe es einen Garten, in dem er gern hobbymäßig gärtnere. „Da gibt es immer etwas Zoff zwischen mir und meinem Mann“, sagt Lange. Denn der Platz auf ihrem Dachgarten sei begrenzt, dennoch finden die beiden oft eine Lösung.

Lange kümmert sich um die Blumen

Lange kümmert sich um die Blumen, aber pflanzt gern auch mal Erbsen und Möhren. Sein Mann züchtet asiatisches Gemüse wie chinesischen Brokkoli, Wasserspinat oder Auberginenpflanzen. Der Hobbygärtner Lange findet jedoch für sein Hobby nicht die Zeit, die er gern hätte. Vor allem dann, wenn er Oberbürgermeister werden sollte. Als solcher wolle er - der Titel impliziere es - für alle Bürger dieser Stadt da sein, egal in welchem Viertel.

Seit seinem Studium ist Lange politisch engagiert, erst in der hochschulpolitischen Arbeit, dann ab 2002 bei den Linken. Eine Partei, die ganz zur Biografie von Lange passt. Der Quedlinburger kommt aus einer klassischen Arbeiterfamilie. Seine Mutter ist gelernte Chemiefacharbeiterin. Sein Vater ist Schlosser. Beide arbeiteten bei der Thaletec in Thale.

Für Lange war früh klar, dass seine Arbeit die politische wird

Für Lange war früh klar, dass seine Arbeit die politische wird. Als Biologe hat der OB-Kandidat nie gearbeitet. „Dafür hatte ich keine Zeit. Ich bin ja direkt nach dem Studium in den Landtag eingezogen“, sagt Lange. Als Mitglied von Stadtrat und Landtag habe er viel zu tun - „beide Aufgaben sind jeweils ein Fulltime-Job“, sagt er.

Hendrik Lange wurde 1977 in der Harzstadt Quedlinburg geboren, ist Einzelkind und hat als erster in seiner Familie studiert. Nachdem er 1995 sein Abitur abgelegt und anschließend ein Jahr Zivildienst geleistet hat, begann Lange 1996 ein Biologiestudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), das er 2005 abgeschlossen hat. Während seines Studiums war er hochschulpolitisch aktiv und von 1998 bis 2001 Mitglied im Studierendenrat der halleschen Universität. Von 1999 bis 2005 war Lange Mitglied im akademischen Senat, von 2000 bis 2004 Mitglied im Konzil der MLU. Seit 2002 ist Hendrik Lange Mitglied der PDS/Linkspartei, seit 2004 arbeitet Lange im Stadtrat, seit 2006 ist er Landtagsabgeordneter. Von 2014 bis 2019 war Lange Stadtratsvorsitzender. Lange ist verheiratet und hat keine Kinder.

Im Falle seiner Wahl zum Oberbürgermeister wird er beide Funktionen aufgeben. Einerseits, um sich ganz auf die Arbeit für die Stadt zu konzentrieren. Andererseits, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Drei Schwerpunkte will Lange indes als künftiges Stadtoberhaupt setzen: Soziales, Ökologie und Transparenz. Letztere wolle er mit einer guten Zusammenarbeit mit dem Stadtrat erreichen. Dass das funktioniert, davon ist Lange trotz anderer Erfahrungen überzeugt.

Transparenz indes beweist Lange auch in eigener Sache: „Dass ich mit meinem Mann, einem Laoten, glücklich bin, weiß ja inzwischen jeder, der es wissen will“, sagt Lange, der viel in den sozialen Medien unterwegs ist. Weitere und weitaus wichtigere Fragen zu seiner Person können Neugierige indes über ein Online-Spiel stellen. Das haben zwei junge kreative Hallenser entwickelt. Denn auch die hallesche Kreativwirtschaft liegt Lange am Herzen.

Zehn Fragen an den Kandidaten:

1. Was ärgert Sie an sich selbst?
Lange: Dass ich bei Stress ungeduldig bin.

2. Welche Ihrer Vorzüge werden kaum wahrgenommen?
Lange: Dass ich eigene Interessen um der Sache willen hinten an stellen kann.

3. Was bringt Sie zur Verzweiflung?
Lange: Ignoranz

4. Welche Person der Geschichte ist Ihnen sympathisch?
Lange: Willy Brandt

5. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Lange: „Verheißung“ von Jussi Adler Olsen

6. Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Lange: Schnitzel mit Pommes und Erbsen kann ich nicht widerstehen.

7. Welchen privaten Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Lange: Eine lange Reise durch Südamerika

8. Was ist für Sie Glück?
Lange: Einen Augenblick genießen zu können.

9. Worüber haben Sie zuletzt gestaunt?
Lange: Wie viele Menschen letzten Freitag für Klimaschutz demonstriert haben.

10. Was würden Sie gern können?
Lange: Fließend Laotisch sprechen

(mz)