So lief der Freitag in Halle

Newsblog Anschlag auf Synagoge in Halle (Saale): Der Freitag nach dem tödlichen Attentat in der Saalestadt

Halle (Saale) - In Halle findet am Mittwoch nach mutmaßlichen Anschlägen mit zwei Todesopfern ein groß angelegter Polizeieinsatz statt.

Von Dirk Skrzypczak 11.10.2019, 21:15

Am zweiten Tag nach dem Anschlag mit zwei Toten ist Halle in tiefer Trauer. Für den Freitag sind mehrere Veranstaltungen und Aktionen in der Stadt geplant. In ganz Deutschland gibt es Anteilnahme. Die MZ berichtete über die aktuellen Entwicklungen.

21.00 Uhr

In Halle kehrt langsam Ruhe ein. Wir beenden daher unseren Ticker für heute.

20.15 Uhr

Im Eisdom von Halle, der für seine grandiose Stimmung unter den Fans bekannt ist, war es am Freitagabend so still wie noch nie vor einem Heimspiel. Die Saale Bulls haben gemeinsam mit dem HFC, den Wildcats und den Gisa Lions ein Zeichen gegen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus gesetzt. Dazu betraten die Spielerinnen und Spieler der jeweils ersten Mannschaften mit Trainern und Vereinspräsidenten das Eis. Dort enthüllten sie ein langes Banner. Alle vier Vereine wollen jetzt Spenden für die Hinterbliebenen der Opfer sammeln.

19.21 Uhr

Auch in vielen anderen Städten in ganz Deutschland haben sich am Abend Menschen vor Synagogen und jüdischen Einrichtungen versammelt. Bei einer Gedenkveranstaltung in Eisleben haben am Freitagabend rund 200 Menschen ein Zeichen gegen Fremdenhass und Antisemitismus gesetzt. Nach einem Friedensgebet in der Petrikirche stellten sie an der ehemaligen Eisleber Synagoge Kerzen auf und legten Blumen nieder.

19.10 Uhr

Noch immer halten sich zahlreiche Menschen im Umfeld der Synagoge auf.

18.11 Uhr

Der Menschenandrang in der Humboldtstraße ist riesig. Mindestens 1000 Menschen wohnen dem jüdischen Gottesdienst bei. „Wir wünschen allen Menschen auf der Welt einen friedlichen Shabbat“, sagt Max Privorotzki, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Halle.

Die jüdischen Geistlichen haben sich jetzt wieder in die Synagoge zurückgezogen, doch die Eingangstür bleibt geöffnet. Die Menschen, die nicht Teil der Gemeinde sind, bleiben draußen auf der Straße stehen und halten symbolisch Wache. Viele von ihnen halten eine brennende Kerze in der Hand.

17.58 Uhr

Mitglieder der jüdischen Gemeinde verteilen kleine Getränke und Süßigkeiten an die Menschen, die vor der Synagoge stehen. Der Hallesche Rabbiner wird von einem Rabbi aus dem Kanadischen Montréal unterstützt. Die beiden Geistlichen halten draußen vor dem Eingang in die Synagoge einen Gottesdienst ab.

17.55 Uhr

Vor der Synagoge haben sich bereits hunderte Menschen versammelt. Sie wollen um 18 Uhr mit Kerzen in der Hand eine menschliche Kette um das jüdische Gotteshaus bilden, um es symbolisch zu beschützen.

Nachdem das jüdische Lied „Shalom Chaverim“ verklungen ist, herrscht nun andächtige Stille vor dem Eingang der Synagoge. „Wir wünschen allen Menschen auf der Welt einen friedlichen Shabbat“, sagt Max Privorotzki, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Halle.

17.47Uhr

Im Internet wird offenbar versucht, dem Attentäter von Halle eine ausländische Herkunft anzudichten. Diesen Falschmeldungen treten die Ermittler aber entschieden entgegen.

17.36 Uhr

Vor dem Dönerimbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße bleiben auch heute immer wieder Menschen stehen und gedenken. Vielen Blumen und Kerzen wurden niedergelegt. Besonders die Fans des HFC nehmen dort Abschied von Kevin S., der in dem Imbiss erschossen wurde. Er war bekennender Fan des halleschen Fußballclubs.

17.15 Uhr

Ein Eindruck von der Schweigeminute auf dem Marktplatz.

17.03 Uhr

Die Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz geht langsam zu Ende. Nur noch vereinzelt stehen Menschengruppen um das Blumen- und Kerzenmeer.

16.40 Uhr

Es wird keinen Trauermarsch geben. Das kündigte der Sprecher des Bündnisses Halle gegen Rechts, Valentin Hacken, an. Es sei noch zu früh für eine Demonstration, habe man im Gespräch mit Betroffenen erfahren. Stattdessen gibt es ein Gedenken auf dem Marktplatz. Die Menschenkette um 18 Uhr vor der Synagoge soll auch stattfinden.

16.35 Uhr

Die Stadt Halle will am Sonntag zur OB-Wahl die Sicherheitsvorkehrungen rund um die 157 Wahllokale anpassen. Man werde damit auf den Terrorakt am Mittwoch reagieren. „Über Einzelheiten geben wir aber keine Auskunft“, sagte Wahlleiter Egbert Geier der MZ. Wahlkampf wird es bis Sonntag wohl keinen mehr geben. Der wurde mit dem Anschlag de facto beendet.

16.15 Uhr

Bei dem Störer handelt es sich um den stadtbekannten Rechten Sven Liebich, regelmäßiger Teilnehmer von Neonazi-Versammlungen.  Es gibt zahlreiche Gegenproteste gegen seinen Auftritt, in denen er als geistiger Brandstifter für den Terroranschlag in Halle bezeichnet wird.

16.11 Uhr

Auf dem Marktplatz sammelt sich am Freitagnachmittag der Gedenkmarsch, der nach dem Anschlag vom Mittwoch zu den Tatorten laufen wird. Erstes Ziel ist der Dönerimbiss, in dem ein junger Mann erschossen wurde. Danach zieht die Menge zur Synagoge weiter. Auf dem Markt warten etwa 700 Personen, dass es losgeht. Ein Störer steht mit einem Lieferwagen und Spruchband am Rande des Marktplatzes, wogegen sich Protest formiert.

15.31 Uhr

Der Attentäter von Halle steht nach Angaben seines Verteidigers zu seiner Tat. „Es wäre unsinnig, da etwas abzustreiten, und das hat er auch nicht getan“, sagte der Karlsruher Anwalt Hans-Dieter Weber am Freitag.

13:50 Uhr

Spendenlauf bei dem Mitteldeutschen Marathon – Der eigentlich für den Mitteldeutschen Marathon geplante Schnupperlauf am Sonntag wird zu einem Spendenlauf. Start ist am Sonntag, 13. Oktober, auf dem Marktplatz Halle (Saale) um 10.15 Uhr. Ohne Anmeldung können Läufer auf die 950 Meter lange Strecke gehen, am Start erhalten Teilnehmer ihre Startkarte.

Für jede Startkarte, die im Ziel abgegeben wird, spendet die Saalesparkasse einen Euro. Dieser wird zu gleichen Teilen an die Betroffenen der Ereignisse des 9. Oktober sowie an den Verein Special Olympics Sachsen-Anhalt e.V. zur Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit fließen, teilt die Saalesparkasse am Freitag mit.

13.45 Uhr

Bereits nach den Anschlägen auf eine Synagoge und einen Dönerladen in Halle am Mittwoch trauern vielen Hallenser bei einer großen Gedenkfeier auf dem Marktplatz sowie einem Trauermarsch von der Synagoge zum Dönerladen, der am Donnerstag stattfand. 

Auch am Freitag sind wieder zahlreiche Gedenkveranstaltungen sowie Aktionen zur Demonstration von Weltoffenheit und Toleranz geplant.

Aktuelle Gedenkveranstaltungen in Halle:

Freitag, 11.10.: Demonstration gegen Rechts.

Die Veranstaltung beginnt 15.30 Uhr am Markt, bewegt sich zum  Döner-Imbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße und zur Synagoge, so Vereinschef Valentin Hacken auf MZ-Nachfrage.

Freitag, 11.10.: Evangelische Johannesgemeinde lädt zu einem Gebet für unsere Stadt ein. Beginn 18:00 Uhr in der Johanneskirche.

Montag, 14.10.: Gedenkgottesdienst in der Marktkirche

13.20 Uhr

Die jüdische Gemeinde Dessau fühlt sich im Stich gelassen. Einen Tag nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle fordert die Dessauer Jüdische Gemeinde stärkere Sicherheitsvorkehrungen für ihr Gemeindezentrum in der Dessauer Kantorstraße. Hier geht es zum Text.

13:00 Uhr

Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle sind die neuen Studierenden in der Universitätsstadt mit einem gedämpften Empfang begrüßt worden. „Es ist wichtig, die rund 4300 Erstsemstler in Halle offiziell zu begrüßen und willkommen zu heißen“, sagte der Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Christian Tietje, am Freitag am Rande der Immatrikulationsfeierlichkeiten auf dem Universitätsplatz der Deutschen Presse-Agentur.

So gab es zu Beginn der Immatrikulationsfeier eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer und deren Hinterbliebenen. Große Anteilnahme an den Veranstaltungen der Universität nach den schrecklichen Ereignissen von Mittwoch mit zwei Toten und mehreren Verletzten. 

12.50 Uhr

Seit Mittwochnachmittag hat das Bundeskriminalamt die Ermittlung zum Anschlag in Halle aufgenommen. Die Behörde bittet alle relevanten Informationen, Hinweise sowie Bild- und Videoaufnahmen von Augenzeugen über ihr Hinweisportal hochzuladen.

12.45 Uhr 

Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein spricht ihr Mitgefühl und Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer sowie mit den Verletzten des Anschlags in Halle aus. 

Bestürzt und mit großer Trauer drücken wir als Hochschulgemeinschaft den Familien und Freunden der Opfer unser Beileid und Mitgefühl aus, unsere Solidarität gilt der jüdischen Gemeinde in Halle, so die Hochschule.

Deshalb versammelten sich Studierende, Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BURG am Donnerstagmittag um 13 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung. 

12.43 Uhr

Vor dem Hintergrund der Bluttat von Halle will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine schnellere Umsetzung der bereits geplanten Reform für eine bessere Bekämpfung des Rechtsextremismus. „Es geht darum, in die Gespräche, die wir seit einiger Zeit führen, mehr Tempo hereinzubekommen“, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin.

11.28 Uhr

Das Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt hat aus Anlass des Anschlages in Halle Trauerbeflaggung angeordnet. Das teilte das Ministerium in einem Schreiben mit. Die Beflaggung ist ab sofort bis einschließlich Montag, 14. Oktober 2019, an allen Dienstgebäuden des Landes angeordnet.

Die Stadt Halle hat ihre Flaggen vor dem Ratshof derweil wieder auf Halbmast gesetzt.

9.52 Uhr

Nach dem Terror am Mittwoch in Halle wollen vier große Sportvereine der Stadt am Freitagabend ein gemeinsames Zeichen gegen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus setzen. Vor dem Heimspiel der Saale Bulls gegen Hannover wollen sich neben den Eishockey-Cracks auch der Hallescher FC, die Wildcats und die Gisa Lions zusammen mit ihren ersten Mannschaften und den Präsidenten auf das Eis stellen und dort ein Transparent enthüllen. Außerdem planen die vier Vereine Spendensammlungen für die Hinterbliebenen der Opfer.

9.47 Uhr

Der Bundesrat hat der Opfer des Anschlags von Halle mit einer Schweigeminute gedacht. Bundesratspräsident Daniel Günther (CDU) forderte Konsequenzen nach der „feigen Tat“. Alle müssten sich fragen, was sie mehr tun könnten, um gegen solchen Hass vorzugehen, sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident am Freitag. Jeder sei gefragt, die Verbreitung von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu verhindern.

„Es ist schon bitter genug, dass Mitglieder einer Religionsgemeinschaft in Deutschland ihren Gottesdienst hinter verschlossenen Türen abhalten“, sagte er. Noch schlimmer sei, dass sich die Notwendigkeit einer solchen Sicherung bewiesen habe. Es mache fassungslos, dass Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Halle in der Synagoge um ihr Leben gebetet hätten. (dpa)

9.30 Uhr

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, ist von der Welle der Solidarität nach dem Angriff auf die Synagoge in der Humboldt-Straße überwältigt.

9.12 Uhr

Die Trauerbeflagung am Rathaus wurde wieder aufgehoben.

9.00 Uhr

Auf dem Markt trauen Menschen weiterhin und gedenken den beiden Toten.

(mz)

Halle ist immernoch in tiefer Trauer.
Halle ist immernoch in tiefer Trauer.
dpa