Nach 15 Jahren

Nach 15 Jahren: Erstmals wieder ein Zug in Halle (Saale) zwischen Heidebahnhof und Dölau

Halle (Saale) - Der Verein Halle-Hettstedter Eisenbahnfreunde hat es geschafft: Nach 15 Jahren fährt am Freitag zum ersten Mal wieder ein Zug zwischen Heidebahnhof und Dölau.

Von Silvio Kison 02.05.2017, 07:20

Ein Jahr lang haben die Mitglieder vom Verein der Halle-Hettstedter Eisenbahnfreunde geschuftetet, um ihr lang ersehntes Ziel zu erreichen: Den ersten Streckenabschnitt zwischen dem Heidebahnhof und Dölau eröffnen zu können. „Das komplette Jahr 2016 haben unsere Mitglieder in insgesamt 4.000 ehrenamtlichen Stunden die Gleise hergerichtet“, sagt Olaf Raabe, der Vorsitzende des Vereins.

Viel Arbeit liegt hinter den Mitgliedern: Gleise wurden getauscht, Schwellen erneuert, der Schotter gereinigt und das Grün verschnitten. Am Freitag war es so weit: Nach 15 Jahren fuhr wieder ein Zug auf der 1,3 Kilometer langen, als Flächendenkmal anerkannten Strecke.

Zug zwischen Heidebahnhof und Dölau: Seit 2002 liegt die Strecke brach

Am 30. Mai 1896 hat der Personenverkehr auf der legendären, rund 45 Kilometer langen Strecke vom Bahnhof am Klaustor in Halle bis nach Hettstedt begonnen. Nach der Stilllegung im Jahr 2002 lag die Strecke brach. „Im Jahr 2003 wurden sogar Schienen auf dem Abschnitt von Dölau nach Lieskau gestohlen“, sagt Olaf Raabe. Ähnliches geschah auch auf anderen Teilabschnitten bis Hettstedt. So ist heute mehr als die Hälfte der 44 Kilometer langen Bahnstrecke nicht mehr vorhanden.

Aber nicht nur der desolate Zustand der Strecke hat die Arbeit der knapp 50 Vereinsmitglieder in den vergangenen Jahren erschwert. Denn seit Jahren schon streitet der Verein in mehreren Gerichtsverfahren unter anderem mit dem Eigentümer der Bahndamm-Grundstücke.

Zwischen Heidebahnhof und Dölau: Klage der Eigentümer

Der Schrotthändler aus Sachsen hat alle Trassen-Grundstücke 2010 von der Deutschen Bahn gekauft, um den Stahl der Schienen zu vermarkten. Doch genau das haben der Verein und die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) - ein Verkehrsinfrastruktur-Unternehmen, das ungenutzte Bahnstrecken erhalten und nutzen möchte - auch vor Gericht wiederholt gemeinsam verhindert.

Die DRE hatte 2008 eine gültige Betriebsgenehmigung für den Abschnitt Halle-West bis Hettstedt erhalten. Diese Konzession gilt bis zum Jahr 2058. Mitte 2016 ist der jetzige Eigentümer der Bahn-Grundstücke am Landgericht Halle erneut gescheitert.

Bemühungen, Bahnstrecke zwischen Nietleben und Dölau wieder ans Netz anzubinden

Mit der Klage gegen den Landkreis Mansfeld-Südharz und die Stadt Halle wollte das Unternehmen erreichen, dass die Denkmalbehörden die Einstufung der Bahnstrecke als Kulturdenkmal aufheben und die Halle-Hettstedter Eisenbahn aus dem Denkmalverzeichnis des Landes gelöscht wird. Bereits 2011 hatte das Verwaltungsgericht Halle in einem Urteil die Denkmal-Eigenschaft der Bahn-Anlage festgestellt.

Auch aus der Stadtpolitik kamen von Anfang an Widerstände. Seit Jahren wird immer wieder gefordert, auf dem ungenutzten Bahndamm einen Radweg zwischen Nietleben und Dölau zu bauen. Zudem würde es laut Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt 4,4 Millionen Euro kosten, die Strecke zwischen Nietleben und Dölau wieder ans Netz anzubinden.

Nahnstrecke in Halle: Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn bezweifeln die Höhe der Kosten

Die Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn bezweifeln diese Höhe der Kosten und verweisen auf die von ihnen geleistete eigene Arbeit und deren Kosten. Erst vergangenes Jahr wurden zwei Verfahren zugunsten der Wiederinbetriebnahme entschieden. Nur deshalb konnte der erste Abschnitt in Dölau ertüchtigt werden.

Der Verein plant bereits das nächste Vorhaben: Die Strecke bis Nietleben - weitere 2,2 Kilometer - soll hergerichtet werden. „Im zweiten Quartal 2018 wollen wir den Anschluss zum Bahnhof schaffen“, sagt Olaf Raabe. Dort endet die offizielle S-Bahn-Verbindung. Danach wollen die Vereinsmitglieder die Strecke nach Lieskau angehen.

Strecke bis Lieskau bis 2020

Bis zum Jahr 2020 wollen sie das geschafft haben. Damit würden sie ihrem Traum von einer Strecke für Museums- und Traditionsbahnen sowie für eine Bürgerbahn bis Lieskau näher kommen.

Am Freitag konnten sich die Besucher einen Eindruck von der Arbeit der Vereinsmitglieder machen. Interessierte können von 10 bis 17 Uhr auf einem Schienenlastkleinwagen SKL 25, ein Baufahrzeug der Deutschen Reichsbahn, die Strecke abfahren. Die Fahrt startet am Heidebahnhof. Zur Eröffnung wurde auch Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel erwartet. (mz)