Mühle in Löbejün

Mühle in Löbejün: Meister gönnt sich mit 78 den Ruhestand

Löbejün/MZ. - Keine Frage, dass sich der 78-jährige Handwerksmeister die Entscheidung nicht einfach machte. Zwei Dinge hätten den Ausschlag gegeben, verrät der Senior an seinem Stammplatz im Büro mit den Meisterbriefen an den Wänden und den Lämpchen, die leuchten, wenn ein Kunde zur Tür hinein kommt. Nicht nur er, sondern auch das übrige Team - seine Frau Luzia und seine Schwester Margarete - haben längst das Rentenalter erreicht. Vor allem aber sprechen die Zahlen in den Geschäftsbüchern eine deutliche Sprache. Der eingeschränkte Mühlenbetrieb, Mehl wird seit 1997 nicht mehr produziert, und der Verkauf von Futtermitteln für Schweine, Hunde, Kaninchen oder Fische lohnen sich nicht mehr. Das war auch der Grund für den jungen Müllermeister Wilhelm Wolfgang Freigang, den Betrieb nicht zu ...

Von Diana Dünschel

Keine Frage, dass sich der 78-jährige Handwerksmeister die Entscheidung nicht einfach machte. Zwei Dinge hätten den Ausschlag gegeben, verrät der Senior an seinem Stammplatz im Büro mit den Meisterbriefen an den Wänden und den Lämpchen, die leuchten, wenn ein Kunde zur Tür hinein kommt. Nicht nur er, sondern auch das übrige Team - seine Frau Luzia und seine Schwester Margarete - haben längst das Rentenalter erreicht. Vor allem aber sprechen die Zahlen in den Geschäftsbüchern eine deutliche Sprache. Der eingeschränkte Mühlenbetrieb, Mehl wird seit 1997 nicht mehr produziert, und der Verkauf von Futtermitteln für Schweine, Hunde, Kaninchen oder Fische lohnen sich nicht mehr. Das war auch der Grund für den jungen Müllermeister Wilhelm Wolfgang Freigang, den Betrieb nicht zu übernehmen.

"Früher haben wir den ganzen Tag geschrotet, heute vielleicht zweimal im Monat. Vieles sind Gefälligkeiten für die Kunden. Und bei den Futtermitteln machen uns die Großmärkte Konkurrenz", berichtet Margarete Just. Es habe Tage gegeben, wo man die Kunden an einer Hand zählen konnte. Nur die Ankündigung der bevorstehenden Schließung habe für einen kleinen Aufschwung gesorgt.

Anders als ihr großer Bruder kann sie sich nicht mehr an die Bockwindmühle mit den großen Flügeln erinnern, die 1935 durch das jetzige Gebäude mit angrenzendem Wohnhaus ersetzt wurde. Doch mitgeholfen hat auch sie, wie alle Geschwister, von Kindesbeinen an. "Es war keine Frage, dass ich Müller werde", sagt Wilhelm Freigang und könnte bestimmt stundenlang von den Dutzenden produzierenden Betrieben von einst, den vielen zu beliefernden Bäckereien allein in seiner Heimatstadt, den ausgebildeten Lehrlingen und anderen Erinnerungen erzählen. Heute ist seine Mühle die einzige, die in Halle und dem Saalkreis übrig blieb.

Deshalb soll sie im jetzigen Zustand erhalten bleiben mit den großen Silos, dem Mühlstein, dem Walzenstuhl, der Mischmaschine und der Werkstatt. Angst vor Langeweile hat der 78-Jährige nicht. Immerhin ist er ein Sammler mit großem Interesse für Zeitgeschichte und den Löbejüner Komponisten Carl Loewe. Sein umfangreiches Archiv birgt sicher manchen Schatz. Mit der Schwester will der Müller seine Entdeckungen veröffentlichen. Im Amtsblatt erschienen bereits einige Beiträge der beiden.