Mammut-Bau in Kröllwitz

Mammut-Bau in Kröllwitz: Wie aus der alten Papiermühle ein Luxushaus werden soll

Halle (Saale) - Knapp ein Jahr nach Baubeginn am Industriedenkmal in Kröllwitz geht es zügig voran. Nur Einbrecher und versteckte Keller machen den Bauarbeitern zu schaffen.

Von Julia Rau 05.11.2017, 14:02

„Und hier kommt später noch eine Etage zum Wohnen oben drauf“ sagt Projektleiter Jörg Loth und zeigt auf ein Gebäude, aus dessen Dach ein kleines Birkenwäldchen sprießt. Überall liegt Schutt, das Gelände ist verwildert, Steine lösen sich aus uralten Mauern und Stahlstangen wuchern wie Unkraut aus Wänden. In weiten Teilen ist die Alte Papierfabrik noch eine Ruine. Für Loth nicht, er sieht die Schlosserei, Kesselhaus, Turbinenhaus und Maschinenhaus mit anderen Augen.

Durch Loths „Brille“ ist sie ein Luxuswohnobjekt mit Tiefgarage, Dachterrassen und eigenem Wasserwerk. Insgesamt 4.000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen bei der Sanierung der Papiermühle, alle Wohnungen sind längst verkauft. Zukunftsmusik, die Investor Temba Schuh immer lauter dreht.

Bauarbeiter in und am Baudenkmal an der Saale

Seit knapp einem Jahr rödeln und schuften Bauarbeiter in und am Baudenkmal an der Saale, damit aus den Backsteinriesen Filetstück-Häuser werden. 12.000 Tonnen Schutt haben die Bauarbeiter vom Gelände geholt, bevor der Ausbau überhaupt angefangen hat. Kein Wunder, denn die Gebäude bröselten 80 Jahre lang vor sich hin. Nur Sprayer schauten ab und an vorbei. Das tun sie noch, wie ein „RIP Mühle“ Schriftzug auf einer neuen Wand zeigt.

„Die Sprayer sind mir egal, von den Sachen sieht man am Ende ja nichts“, sagt Loth. Schlimmer seien die Einbrecher. Sechsmal wurde die Baustelle schon ausgeräubert, mehrere Tausend Euro Schaden sind entstanden. Das alles wirbelt Zeitpläne durcheinander. „Das sind wir am Ende aber knallhart und halten unseren Plan auf jeden Fall ein“, sagt der Baustellenchef, der Erfahrung mit kniffligen Aufträgen hat. Neben einer Kirche und einem Schloss hat er zuletzt das Wittekindbad wieder flott gemacht.

Rohbau in zwei Gebäuden der Papiermühle so gut wie fertig

Mit dem Rohbau sind die Bauarbeiter in zwei Gebäuden so gut wie fertig, zwei Dächer sind schon neu und „ab Dezember kommt der Ausbau“, sagt Loth. Schon im August nächsten Jahres sollen Kessel- und Maschinenhaus fertig werden. An diesem Mittwoch begann der Abbruch der alten Schlosserei. Ein Bagger zwickte dafür Stahlträger durch, so dass die Backsteine dazwischen einfach herauskullerten.

Bis Mai 2019 soll es fertig sein. Loth hofft, dass die alten Pläne dieses Mal stimmen: „Viermal haben wir versteckte Kellerräume gefunden, die in keinen Plänen eingezeichnet waren“. In solchen Fällen müsse man dann eben schnell entscheiden. „Hier kann man kein Lehrbuch hernehmen, das würde nicht funktionieren. Man muss auf das reagieren, was kommt“, sagt der 53-Jährige.

Besonders spannend wird wohl der Bau eines hauseigenen Wasserkraftwerkes. „Wir nutzen den Zustrom der Saale, die früher die Turbinen angetrieben haben, um Strom zu gewinnen“, sagt der Projektleiter. Die alten, heute völlig eingefallenen und verstopften Kanäle werden dafür wieder freigebaggert. Unter dem Gebäude, das direkt auf die Saale schaut, wird das Kraftwerk liegen, darüber kommt ebenfalls eine Wohnung. An die Alte Papiermühle kommt zudem eine Fischtreppe, „bisher können die Tiere das Wehr nicht überwinden.“ (mz)