Maler Moritz Götze

Maler Moritz Götze: Welt der Wunderdinge aus Halle

Halle (Saale) - Da strahlt er selbst ironisch milde aus dem Zentrum einer Wand voller Emaille-Arbeiten - und hat wahrhaftig einen Heiligenschein! „Ich Selbst“, heißt das Werk, in diesem Jahr ist es entstanden - quasi ein Geschenk des halleschen Malers und Grafikers Moritz Götze an sich selbst, zu seinem 50.?Geburtstag. Den hat er am 26.?Juli gefeiert, nun gibt es in Halle ab Samstag gleich einen Ausstellungs-Doppelpack als Ehrung für den Künstler. Und einen Katalog von mehr als 700 Seiten, der den hübschen, mit einem Buchtitel von Erich Honecker spielenden Namen „Aus meinem Leben. Vol. 2“ ...

Von Andreas Montag 19.09.2014, 09:34

Da strahlt er selbst ironisch milde aus dem Zentrum einer Wand voller Emaille-Arbeiten - und hat wahrhaftig einen Heiligenschein! „Ich Selbst“, heißt das Werk, in diesem Jahr ist es entstanden - quasi ein Geschenk des halleschen Malers und Grafikers Moritz Götze an sich selbst, zu seinem 50.?Geburtstag. Den hat er am 26.?Juli gefeiert, nun gibt es in Halle ab Samstag gleich einen Ausstellungs-Doppelpack als Ehrung für den Künstler. Und einen Katalog von mehr als 700 Seiten, der den hübschen, mit einem Buchtitel von Erich Honecker spielenden Namen „Aus meinem Leben. Vol. 2“ trägt.

Zu viel des Guten? Eher nicht. Schließlich gehört Götze wie Händel und Genscher zu den Export-Schlagern der Stadt, schon am Dienstag folgt in München der nächste Ausstellungs-Streich. Götze aber hält seinem Halle nicht nur schlicht die Treue, er kann und will gar nicht sein ohne die Stadt, in der geboren worden ist und die er nur einmal, Mitte der 80er Jahre ernsthaft verlassen wollte.

Damals hatte er einen Ausreiseantrag gestellt, der freilich der DDR und nicht der Heimatstadt galt, im Besonderen nicht dem geliebten Giebichenstein-Viertel. Zum Glück für Halle und Götze lernte er damals seine Frau Grita kennen, den Antrag zog er zurück. Und mit der DDR, die nicht nur dem jungen Künstler zu eng, zu bedrückend erschienen war, ist es dann ja auch bald zu Ende gegangen.

„Urgebürtigster Hallenser“

Götze, den die Kuratorin Cornelia Wieg den vielleicht „urgebürtigsten Hallenser“ nennt, „den man kennt“, ist der freundliche, liebenswürdige, humorvolle, verlässliche und umtriebige Mann geblieben, der er immer war. Da kann man den Heiligenschein, den er sich selber zugemessen hat, eigentlich gar nicht missverstehen.

„Bescheidenen Größenwahn“ attestiert sich Götze und grinst. Größenwahn - so hieß schließlich schon die Band, die der rebellische Bursche seinerzeit angeführt hatte. Und ein bisschen Punk steckt immer noch in ihm. Man bemerkt es mit Vergnügen, weil gar nichts Peinliches, keine Attitüde dabei ist.

Für die Werkschau unter dem übergreifenden Titel „Götzes Pop“ haben sich das Kunstforum der Sparkasse und die Moritzburg, das Landeskunstmuseum, zusammengetan. Eine schöne Idee, die womöglich noch Schule machen wird.

Im Kunstforum an der Bernburger Straße wird eine Retrospektive von Götzes Werk gezeigt - in „Hallescher Hängung“, so der Titel. Das heißt, zumindest im Erdgeschoss des Hauses hängen Grafiken, Plakate, Gemälde und Emaille-Arbeiten größtenteils dicht bei dicht, doch nimmt in dieser barocken Fülle der farbsatten, lebhaften Arbeiten keine der anderen das Licht.

Vielmehr entstehen dabei noch einmal eigene, besondere Kunst-Projektionen, die das 25-jährige Schaffen Götzes illustrieren. Von dort wird es am frühen Samstagabend mit Musik zur Moritzburg gehen, wo in einem der weißen Ausstellungskuben „Götzes Hallesches Heilthum“ präsentiert wird - eine Welt der Wunderdinge, überstrahlt von der eingangs beschriebenen Ikone des Künstlers.

Sammler schöner und skurriler Dinge

„Heilthum“ spielt natürlich mit der berühmten halleschen Reliqiensammlung von Kardinal Albrecht, Luthers Gegenspieler, die in alle Winde zerstreut worden ist. Moritz Götze, ein leidenschaftlicher Sammler schöner und skurriler Dinge, zeigt hier einen Teil seiner Schätze, kuratiert von Cornelia Wieg. Ein kompletter Holzschuppen, einst an der elterlichen Wohnung in der Burgstraße wie ein Schwalbennest klebend, ist dabei.

Eine Fluchtburg, ein Fantasieort für Götze, der das hölzerne Relikt später abgebaut und eingelagert hat. Die Tür des Kindheitsortes hatte Wasja Götze, der Vater, bemalt, an einer der Seitenwände hat sich Jung-Moritz einst gemeinsam mit einem Freund versucht. Auch ein rostiges Moped der Firma „Jawa“ steht da, das einem Nachbarn gehört hat und später vergessen wurde. Nicht aber von Götze.

Spielerisch, oft rührend muten die versammelten Objekte an, aber stets mit dem erkennbaren, ernsthaften Anspruch, sich selbst im Kontext der Zeit zu verorten - als Individuum und Künstler, der nicht nur im Gespräch bleiben, sondern stets ins Gespräch mit anderen kommen will. (mz)

„Hallesche Hängung“, Kunstforum Halle, Bernburger Straße, bis zum 16. Nov., Eröffnung am 20.?Sept. um 16?Uhr; „Moritz Götzes Hallesches Heilthum“, Moritzburg Halle, bis zum 18. Jan., Eröffnung am 20. Sept. um 18 Uhr, anschließend Fest im Kunstforum; dort gibt es am 16. Okt. um 19.30?Uhr ein Gespräch von Andreas Montag mit Moritz Götze.