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Lehrergewerkschaft GEWMit Video: In Halle droht Unterrichtsausfall - Lehrer streiken für mehr Lohn

Die Gewerkschaft GEW ruft an diesem Dienstag zum Arbeitskampf auf. Was sie fordern und wie die Schulen sich darauf einstellen.

Von Denny Kleindienst Aktualisiert: 28.11.2023, 06:04
Bereits vergangene Woche beteiligte sich die GEW am Warnstreik in Halle.
Bereits vergangene Woche beteiligte sich die GEW am Warnstreik in Halle. (Foto: Marvin Matzulla)

Halle (Saale)/MZ - Neue Woche, neue Streiks. Für diesen Dienstag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen-Anhalt ihre Mitglieder in den kreisfreien Städten Halle und Dessau-Roßlau sowie im Saalekreis und weiteren Landkreisen im Süden von Sachsen-Anhalt zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. „Wir rechnen mit etwa tausend Teilnehmenden“, sagt GEW-Landessprecherin Christiane Rex.

 
Den Unterrichtsbetrieb könne man am Dienstag nicht gewährleisten, es werden aber Betreuungsangebote geschaffen, so der Sprecher des Landesschulamtes. (Bericht: Anna Lena Giesert)

Um 8.30 Uhr werden vier Busse vom Parkplatz Volksmannstraße am Hauptbahnhof starten, um die Streikenden aus Halle zur gemeinsamen Demonstration der drei GEW-Landesverbände Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen nach Leipzig zu bringen.

Der Streiktag wird sich insbesondere auf den Schulbetrieb auswirken. Die Grundschule Diemitz/Freiimfelde informiert daher auf ihrer Homepage darüber, dass „aufgrund der krankheitsbedingt angespannten Personalsituation und des angekündigten GEW-Streiks am Dienstag nur eine Notbetreuung abgesichert werden kann“. Wer kann, sollte sein Kind an diesem Tag zu Hause behalten, heißt es vonseiten der Grundschule auf MZ-Nachfrage.

Schulleiter hat Verständnis

Auch die Sekundarschule Halle-Süd teilt auf ihrer Homepage mit, dass es „aufgrund zu erwartender Arbeitskampfmaßnahmen am Dienstag voraussichtlich zu Unterrichtsausfall kommen wird“. Und dass „eine Betreuung der Schülerinnen und Schüler gewährleistet wird“. Dieser Hinweis sei keine Empfehlung, nicht zur Schule zu kommen, sagt Schulleiter Felix Lori, fügt aber hinzu, dass es letztlich im Ermessen der Eltern liege, ihr Kinder unter diesen Bedingungen in die Schule zu schicken.

In seinen dreieinhalb Jahren als Schulleiter habe er noch keinen Streik erlebt, sagt Felix Lori. Noch als angestellter Lehrer sei er aber selbst unter den Streikenden gewesen. Insofern habe er dafür Verständnis. Er geht zum einen davon aus, dass einige Lehrkräfte seiner Sekundarschule am Streik teilnehmen. Zum anderen, dass die anwesenden Lehrkräfte – einige dürfen wegen ihrer Verbeamtung nicht streiken – für die anwesenden Schüler den bestmöglichen Unterricht machen.

Manche hallesche Schule erklärt auf MZ-Nachfrage lediglich, dass es am Dienstag keinen Notbetrieb geben wird. Laut Christiane Rex, müssen die Schulen sich darum selbst kümmern. Bleibt abzuwarten, wie stark die jeweilige Einrichtung betroffen sein wird.

Protest vor der dritten Runde der Tarifverhandlungen

Die GEW hat sich in den vergangenen beiden Wochen in Halle bereits an den Warnstreiks der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder beteiligt. Zu denen hatte unter anderem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) aufgerufen. Auch die Lehrkräfte sind Landesbeschäftigte.

Nun will die GEW mit eigenem Warnstreik den gemeinsamen Forderungen Nachdruck verleihen.

Die dritte Runde der laufenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder findet am 7./8. Dezember in Potsdam statt. Die Gewerkschaften verhandeln dabei für rund 2,5 Millionen Beschäftigte. Im Organisationsbereich der GEW wird beispielsweise für Lehrkräfte an Schulen, für Erzieherinnen und Schulsozialarbeiter im Landesdienst und für Hochschullehrende und studentische Beschäftigte verhandelt.

Forderung nach 10,5 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaften wollen 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat, außerdem einen Tarifvertrag für alle studentischen Beschäftigten durchsetzen. Die GEW sieht in besseren Beschäftigungsbedingungen eine Antwort auf den Lehrermangel.

Die Einstellung von Seiteneinsteigern begrüßt die Gewerkschaft zwar, „sie müssen aber viel besser betreut werden“, sagt Sprecherin Rex. Die GEW habe daher einen Forderungskatalog zum Seiteneinstieg erarbeitet, der noch eingereicht werden soll.