Sexuelle Belästigung

Laternenfest 2017 in Halle (Saale): Ermittlungsgruppe sucht nach Straftätern vom Laternenfest

Halle (Saale) - Mit einer extra gegründeten Ermittlungsgruppe sucht die Polizei nun nach den Personen, die während des Laternenfests in Halle Straftaten auf dem Festgelände begangen haben sollen.

Von Oliver Müller-Lorey

Die Polizei in Halle setzt eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe namens „Laterne“ ein, um Straftaten auf dem jüngsten Laternenfest aufzuklären. Darunter sind auch mindestens zehn angezeigte Fälle von sexueller Belästigung, die sich am Samstag zwischen 21.45 Uhr und Mitternacht an der Freilichtbühne ereignet haben sollen. Zehn geschädigte Frauen haben sich bisher bei der Polizei gemeldet und beschreiben die bislang unbekannten Täter als südländisch. Das teilte die Polizei in einer Mitteilung an die Medien am Dienstagmittag mit.

Eine Frau soll nach Angaben der Polizei gegen ihren Willen geküsst worden sein. Was in den anderen Fällen geschah, sagte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Polizei sprach von „ruhigen Verlauf“ des Laternenfests in Halle (Saale)

Noch am Sonntag hatte der Leiter des Polizeireviers Halle, Karsten Thärigen, bei einer Pressekonferenz von einem „ruhigen Verlauf“ des Festes gesprochen. Insgesamt 46 Anzeigen an drei Tagen seien „bei diesen Massen keine Größe“, so der Polizei-Chef am Sonntag. Zwar war schon am Sonntag die Rede von Fällen sexueller Belästigung. Genaue Zahlen zu einzelnen Deliktarten nannte Thärigen jedoch nicht.

Auch am Dienstag blieb er bei seinem weitestgehend positiven Fazit des Laternenfestes. Wie Polizei-Sprecherin Lisa Wirth auf MZ-Nachfrage am Dienstag sagte, seien die zehn Fälle sexueller Belästigung auch schon am Sonntag bekannt gewesen. Doch wieso entschloss sich die Polizei dann erst am Montag dazu, die Ermittlungsgruppe zu bilden? Was ist zwischendurch geschehen?

Nach sexuellen Belsätigungen beim Laternenfest in Halle (Saale): Polizei will in die Offensive gehen

„Passiert ist eigentlich nichts Neues. Am Montag haben wir uns noch einmal mit dem ganzen Fest beschäftigt“, so Wirth. Offenbar ist die Bildung der Ermittlungsgruppe auch ein Zeichen an die Hallenser. „Wir wollen verhindern, dass solche Sachen überkochen“, sagt Wirth. Im Hinblick auf die Silvesternacht in Köln wolle die Polizei jetzt in die Offensive gehen. Auch Thärigen sprach davon, dass man einen Shitstorm in sozialen Medien verhindern wolle.

In der Mitteilung heißt es zu den Gründen für die Ermittlungsgruppe außerdem allgemeiner: Durch die Einrichtung der Ermittlungsgruppe würde die Bearbeitung „zentral angebunden“. Alle Informationen würden so an einer Stelle auflaufen, und die Straftaten zügig bearbeitet, damit möglichst viele Taten aufgeklärt werden können.

Weitere Straftaten beim Laternenfest in Halle (Saale): Widerstand und Gewalt gegen die Polizei hat neue Stufe erreicht

Unter ihnen sind laut Polizei nicht nur die Sexualdelikte. „Die eingesetzten Ermittler werden die Körperverletzungsdelikte, Widerstandsdelikte und Verfahren der sexuellen Belästigung bearbeiten“, heißt es in der Mitteilung. Besonders der Widerstand gegen Polizisten habe eine neue Qualität erreicht, so Thärigen. „Ein Tatverdächtiger hat auf die Polizei regelrecht eingeprügelt, da hört der Spaß auf.“

Das gelte nach den Ereignissen in Köln natürlich auch für sexuelle Belästigung. Aus diesem Grund wendet sich die Polizei auch mit einem Zeugenaufruf an die Bevölkerung. Wer Hinweise zu Straftaten hat oder Opfer einer Straftat war, die noch nicht angezeigt wurde, soll sich bei der Polizei melden. Bezogen auf die zehn belästigten Frauen heißt es: „Es wird nicht ausgeschlossen, dass es weitere Geschädigte gibt.“

››Hinweise nimmt die Polizei unter 0345/2 24 20 00 entgegen. (mz)