Kunstaktion von Peru John Kunstaktion von Peru John: Küssen für Halle

Halle (Saale) - Ganz so ein großes Rad wie Friedrich Schiller will er zwar nicht drehen. Aber doch ein ziemlich großes. Denn während der kleinere der beiden Weimarer Dichterfürsten im Überschwang seiner „Ode an die Freude“ einstmals einen Kuss als „diesen Kuss der ganzen Welt“ deklariert hatte, hat sich der bekannte hiesige Fotograf und Event-Initiator nun ein örtlich weitaus präziser definiertes Projekt ähnlicher Art vorgeknöpft - für seinen nächsten großen Aufschlag.
„Diesen Kuss der ganzen Stadt“, könnte man in Anlehnung an die Schiller-Ode sagen, deren von Beethoven modellierte Melodie immerhin der Europa-Hymne Klang und Schwung verleiht.
Aktion „Ein Kuss für Halle“
„Ein Kuss für Halle“ heißt sie also offiziell, die neue Aktion von Peru John, die mit einer Ausstellung in der Kultkneipe „Kaffeeschuppen“ in der Kleinen Ulrichstraße Anfang Januar beginnt. Und die sich fortsetzen wird mit weiteren Ausstellungen neuer Bilder zum Thema „Küssen in Halle - Küssen für Halle“: zunächst im Februar im „Brauhaus“ und schließlich als große Ausstellung in der „Bastian Bahnhofslounge“.
Bis dahin - so hofft Peru John, dessen Namen man seit vielen Jahren in Halle vor allem mit seinen kultigen Aktfoto-Kalendern verbindet - wird die Kuss-Aktion wohl noch erheblich an Fahrt gewonnen haben. Es gebe bereits zahlreiche Interessenbekundungen, sich zu beteiligen, doch würden auch noch Halle-Kuss-Willige gesucht. (Den Best-Küssern winkt übrigens als Preis eine Reise nach Venedig!)
Zumeist Künstler oder auch Fotomodelle
Die, die bislang mitgemacht haben, sind zumeist Künstler oder auch Fotomodelle, mit denen John bisher schon arbeitet. Die sind ansonsten freilich etwas anderes - zum Beispiel Studenten. Franziska aus Bayern etwa, die in Halle Ernährungswissenschaften studiert, und nun für Halle ihren Freund Benny aus Bayern küsst, der ebenfalls des Studiums wegen in die Stadt gekommen war. Und der es - wie auch sie - hier „einfach toll“ findet. Wie so viele, die zunächst nur gekommen waren, um möglichst nicht allzu lange zu bleiben, nun aber auf dem Wege dazu sind, begeisterte Hallenser zu werden.
Und das genau sei das Problem, meint Kunstaktions-Initiator Peru John: „Diese unfassbare Diskrepanz zwischen der Außen- und der Innenperspektive beim Blick auf Halle“. Während von außen gesehen die Stadt - etwa bei Beliebtheitsrankings in überregionalen Medien - seit Jahrzehnten auf hinteren Plätzen lande, sei die Zufriedenheit insbesondere bei zugereisten Hallensern hoch. Davon freilich hat Halles Außenwirkung nichts, was vor allem auch jene stört, die mit den Folgen dieser mangelnden Wahrnehmung der Stadt im Rest der Welt geschäftlich zu kämpfen haben - und damit letztlich doch sehr viele Hallenser.
„Viele finden es sehr interessant und drücken uns die Daumen“
Doch einer spricht mal wieder für sie alle: Bertram Thieme, Gastronomie-Urgestein und Direktor des Dorint-Hotels, formuliert seinen Wunsch für Halle folgendermaßen: „Mögen wir es in Zukunft besser verstehen, der Stadt zu dem Wert zu verhelfen, den sie immer schon verdient. Darauf meinen ganz dollen Kuss.“
Andere sind, was ihre Sympathie für Peru Johns charmante Aktion angeht, freilich noch zurückhaltender. Doch immerhin: „Viele finden es sehr interessant und drücken uns die Daumen“, sagt der Tausendsassa in Sachen Kulturvermittlung mit Blick auf Gespräche mit Stadträten und maßgeblichen Leuten aus dem Rathaus oder im Stadtmarketing. Doch auf die wirkliche Unterstützung von all diesen Seiten warte er noch.
Doch wer ihn kennt, weiß, dass ihn derlei nicht bremst, sondern eher anspornt wird. Auch ein gewichtiger Kuss aus Magdeburg sei ihm bereits zugesagt worden, freut sich John: Was dann ja wie ein Segen für die künftige Kuss-Hauptstadt Sachsen-Anhalts wirken würde. Und seit wir hier nicht mehr „Land der Frühaufsteher“ sind, kann der Kuss für Halle in Halle sogar bis zur Morgensonne ausgedehnt werden.
››Kontakt zur Kuss-Aktion über: [email protected] (mz)


