Kaum Verbindung zum Strukturwandel

Kaum Verbindung zum Strukturwandel : IHK sieht Arbeitsplätze nach Kohle-Aus in Gefahr

Halle (Saale) - „Zurückhaltend bis skeptisch“, so beschreibt die Industrie- und Handelskammer Halle ihre Haltung zu den Leuchtturmprojekten, mit denen die Stadt Halle und der Saalekreis den Strukturwandel gestalten wollen. „Die vorgestellten Projektideen haben leider nur zu einem geringen Teil mit den Kernfragen des Kohleausstiegs und dem damit verbundenen Strukturwandel zu tun“, kritisierte IHK-Präsident Steffen Keitel in einer ...

Von Robert Briest 30.07.2020, 10:30

„Zurückhaltend bis skeptisch“, so beschreibt die Industrie- und Handelskammer Halle ihre Haltung zu den Leuchtturmprojekten, mit denen die Stadt Halle und der Saalekreis den Strukturwandel gestalten wollen. „Die vorgestellten Projektideen haben leider nur zu einem geringen Teil mit den Kernfragen des Kohleausstiegs und dem damit verbundenen Strukturwandel zu tun“, kritisierte IHK-Präsident Steffen Keitel in einer Pressemitteilung.

„Wenn die Industrieregion abhängig von Energieimporten wird, verlieren wir einen der wichtigsten Standortvorteile und 20.000 hochwertige Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie sind mittelfristig gefährdet.“ Und auch neue innovative Arbeitsplätze bräuchten eine stabile und bezahlbare Stromversorgung, warnt Keitel, der dies als eine Pflichtaufgabe bezeichnet, die vor der Kür komme.

„Projekte zur Sicherung der Energieversorgung sollten höchste Priorität haben“

Der IHK-Präsident fand zumindest an einem der fünf Leuchtturmprojekte Gefallen. In Leuna soll an der wirtschaftlichen Herstellung von grünem, also klimaneutral erzeugtem Wasserstoff geforscht werden. Dabei, so lobt Keitel, könne man auf geleistete Vorarbeiten in der Region zurückgreifen.

Das Aber folgt jedoch sofort: Es sei fraglich, ob damit allein die Zukunft des Industriestandorts Mitteldeutschland gewonnen werden könne. Der IHK-Chef fordert, bei der Förderung des Strukturwandels im Zuge des kürzlich beschlossenen Kohleausstiegs den Fokus auf „werthaltige Industriearbeitsplätze“ zu legen: „Projekte zur Sicherung der Energieversorgung sollten höchste Priorität haben.“

Nach Kohle-Aus: Projekte für Infrastruktur und Digitalisierung

Im Zuge des Kohleausstiegs gibt der Bund 40 Milliarden Euro in die betroffenen Regionen, um diese fit für die Zeit nach der Kohle zu machen. Gut 4,8 Millionen Euro davon fließen nach Sachsen-Anhalt. Bei einem Teil davon legt der Bund selbst fest, welche Projekte bezahlt werden. Hierbei geht es vor allem um Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau der S-Bahnverbindung Merseburg-Leipzig. 1,6 Milliarden Euro werden über den sogenannten Landesarm ausgegeben.

Hier stützt man sich in Magdeburg sehr auf die Vorschläge der Regionen. Halle und der Saalekreis hatten hierzu vor drei Wochen gemeinsam fünf Leuchtturmprojekte benannt. Dazu zählen ein Digitalisierungs- und Anwenderzentrum an der Hochschule Merseburg, die Sanierung des RAW-Geländes in Halle zu Wohnungen und Gewerberäumen sowie die Schaffung eines neuen Großgewerbegebiets Star Park II. (mz)