7.000 neue Jobs

7.000 neue Jobs: Das sind die Leuchtturmprojekte in Halle und Saalekreis

Halle (Saale)/Merseburg - Halle und der Saalekreis wollen bis 2038 rund 670 Millionen Euro in den Strukturwandel investieren. Die MZ stellt exklusiv die Leuchtturmprojekte vor.

Von Dirk Skrzypczak

Der Ausstieg aus der industriellen Nutzung der Braunkohle wird zu einer Herausforderung für die Bergbaureviere - der damit verbundene Strukturwandel betrifft auch Halle und den Saalekreis. Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm will der Bund den Kohleausstieg begleiten. Rund 670 Millionen Euro davon könnten in die Region Halle/Saalekreis fließen.

Seit September 2019 befasst sich eine gemeinsame Kohlekommission mit Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Politik mit den Zukunftsthemen. Das übergeordnete Ziel ist die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze. Dazu wurden fünf Leuchtturmprojekte entwickelt, die an diesem Freitag an Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) übergeben werden sollen.

„Für Halle und den Saalekreis bietet der Kohleausstieg eine große Chance"

„Für Halle und den Saalekreis bietet der Kohleausstieg eine große Chance, neue arbeitsplatzschaffende Projekte für die gesamte Region auf den Weg zu bringen. Es wird ein spannender Prozess, diese Projekte nun gemeinsam voranzutreiben“, sagt Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos). Landrat Hartmut Handschak (parteilos) lobt die Arbeit in den vergangenen Monaten.

„Wir haben mit der Gründung einer gemeinsamen Kommission im September 2019 frühzeitig unsere Vorbereitungen für den Strukturwandelprozess getroffen. Dadurch sind wir jetzt in der guten Situation, schnell mit der Vorbereitung der Umsetzung der Leuchtturmprojekte beginnen zu können. Sie sind ein starkes Zeichen, dass wir die Region gemeinsam weiterentwickeln wollen.“ Die MZ stellt die Vorhaben vor, durch die bis 2038 etwa 7.000 Jobs entstehen sollen.

Das RAW-Gelände in Halle

Das einstige Reichsbahnausbesserungswerk in Nachbarschaft des Hauptbahnhofs ist eine 26 Hektar große Industriebrache. Hier soll ein neues Stadtquartier zum Wohnen, Arbeiten, Forschen und zur Unternehmensgründung entstehen. Die Nähe zum Riebeckplatz und die Anbindung Halles an die ICE-Strecke gelten als Pfund. Die Entwicklungskosten liegen bei 150 bis 200 Millionen Euro. 1.000 bis 1.500 Arbeitsplätze werden prognostiziert.

Bioeconomy-Hub Leuna

Das Zentrum zur Anwendungsforschung beispielsweise für Grünen Wasserstoff gibt es bereits. Die Kommission schlägt die Erweiterung vor. Weil dafür Flächen im Chemiepark Leuna fehlen, soll der Park westlich der Raffinerie um bis zu 150 Hektar erweitert werden. Ziel soll ein Technologietransfer aus der Forschung (beispielsweise von der Martin-Luther-Universität, dem Gründerzentrum TGZ am Weinbergcampus in Halle oder der Hochschule Merseburg) hin nach Leuna in die Produktion erneuerbarer Energieträger sein. 150 bis 200 Millionen Euro an Investitionskosten sind nötig, bis zu 1.300 neue Jobs soll es geben.

Weinbergcampus/Neustadt

Nordöstlich des neuen Kreisels am Weinbergcampus soll auf einer Brachfläche ein Zentrum für digitale Biowissenschaften und Medizin sowie zur Forschung an intelligenten Werkstoffen gebaut werden. Gleichzeitig ist am Schulstandort in der Kastanienallee ein MINT-Campus geplant, der die Verbindung aus der Neustadt zu den Forschungsstätten am Weinberg schafft. 75 bis 100 Millionen werden für beide Projekte benötigt. 500 bis 750 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Hochschule Merseburg

Auch der Campus der Hochschule Merseburg soll vom Strukturwandel profitieren. Vorgesehen ist der Neubau des Digitalisierungs- und Anwendungszentrums zwischen dem Chemiemuseum und dem Komplex der Hochschule. Die Forschung soll sich mit der Digitalisierung in Medizin und Pflege, neuen Kunst- und Werkstoffen, aber auch mit Energiethemen befassen. Für 50 bis 70 Millionen Euro sind zwei neue Gebäude geplant. 200 bis 300 Personen könnten hier künftig arbeiten.

Star Park II

Bei allen Leuchtturmprojekten gibt es gewollt Wechselwirkungen zwischen Halle und dem Saalekreis. Bei der Suche nach einem neuen Industrie- und Gewerbepark, den Star Park II, wird die Zusammenarbeit besonders deutlich. Noch ist nicht ganz klar, wo die 150 bis 200 Hektar große Ansiedlungsfläche entstehen soll. Zuletzt war oft von Landsberg die Rede.

Klar ist, dass der Star Park II in den nördlichen Saalekreis kommt. Ziel soll die Entwicklung von „smarten“ Produktionsbedingungen im Hinblick auf Elektromobilität und Klimaneutralität sein. Rund 100 Millionen Euro werden notwendig sein, den Industriepark zu entwickeln. Die Erfahrung mit dem Star Park I an der A14 zeigt, dass durch die Firmenansiedlungen 2.500 bis 3.000 Jobs geschaffen werden. (mz)