Insolvenz "Der Stadtbäcker"

Insolvenz "Der Stadtbäcker": 73 Mitarbeiter müssen gehen

TEUTSCHENTHAL/HALLE (Saale) - Die insolvente Backwaren-Kette „Der Stadtbäcker“ ist verkauft: Bäcker Lampe aus Thüringen übernimmt ab dem 1. Februar 31 der insgesamt 36 Filialen und knapp die Hälfte der Belegschaft. Die restlichen 73 Mitarbeiter, die in der Zscherbener Produktion, der Verwaltung und als Fahrer beschäftigt sind, werden ...

Von Nicolas Ottersbach und MICHAEL FALGOWSKI 20.01.2016, 18:54

Die insolvente Backwaren-Kette „Der Stadtbäcker“ ist verkauft: Bäcker Lampe aus Thüringen übernimmt ab dem 1. Februar 31 der insgesamt 36 Filialen und knapp die Hälfte der Belegschaft. Die restlichen 73 Mitarbeiter, die in der Zscherbener Produktion, der Verwaltung und als Fahrer beschäftigt sind, werden entlassen.

Bis zuletzt hatten sie darauf gehofft, dass es in der großen Produktionshalle unter neuem Namen weitergeht. „Vor zwei Wochen bekamen wir die Nachricht über die Schließung, das hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen“, erzählte eine Mitarbeiterin, die seit 20 Jahren im Betrieb tätig ist. Viele ihrer Kollegen in der Produktion, die als gut organisiert und modern gelte, seien zwischen 40 und 60 Jahre alt. „Wer gibt einem denn in dem Alter noch einen Job“, sagte sie resigniert. Die Belegschaft sei nun als arbeitslos gemeldet worden, der Betriebsrat habe einen Sozialplan entwickelt, in dem auch Abfindungen enthalten seien. Mit dem verfrühten Ruhestand wolle sich aber kaum jemand anfreunden. Manch einer wolle sich auf die freien Stellen bewerben, die Lampe wegen seiner Expansion ausschreibt. Allerdings ist deren Produktion mehr als 70 Kilometer entfernt. „Wir werden wohl nicht drumherum kommen, uns in anderen Branchen umzusehen“, so eine Mitarbeiterin.

Die Verkäuferinnen in den 17 halleschen Stadtbäcker-Filialen standen am Mittwoch mit gemischten Gefühlen hinter dem Tresen. Während sie größtenteils übernommen werden und lediglich eine Filiale in Halle-Neustadt bereits am Montag geschlossen wurde, stehen andere auf der Straße. „Aber persönlich bin ich natürlich sehr froh, dass es für uns weitergeht. So lange hing alles in der Schwebe“, sagte eine Stadtbäcker-Verkäuferin in der Innenstadt. Alle Informationen habe sie nur aus den Medien erhalten. „Es gibt noch nichts Offizielles“, erzählte sie.

Eine Million Euro für Expansion

In den nächsten Tagen werden sie und ihre 75 Kolleginnen in den Filialen von Bäckermeister Lampe aus Roßleben neu eingekleidet. „Es gibt viel zu tun. Erst am vergangenen Freitag wurde der Kaufvertrag unterschrieben“, sagte Chefin Beate Lampe. Auch das Stadtbäcker-Logo wurde erworben, denn so schnell werde man es nicht schaffen, alle übernommenen 31 Stadtbäcker-Filialen auf Lampe umzufirmieren. Unter anderem müsse man die Verkäuferinnen mit dem neuen Angebot von Lampe bekanntmachen. Im Gegensatz zum Stadtbäcker verfüge Lampe auch über ein Konditor- und Kuchenangebot.

Lampe investiert nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Euro in die Übernahme der Stadtbäcker-Filialen. „Mit der Expansion reagieren wir auf den schwierigen Markt. Denn auch uns als Handwerksbetrieb macht die extrem billige Konkurrenz in den Einkaufsmärkten zu schaffen“, so Lampe. Die Zahl der Mitarbeiter steige von 140 auf 220. „Die Produktionsstätte in Teutschenthal konnten wir nicht übernehmen. Wir suchen aber neue Mitarbeiter in unserem Betrieb in Roßleben, etwa im Kuchenbereich“, sagt Beate Lampe. In Halle, wo Lampe bereist neun eigene Filialen betreibt, wird es ab Februar dann 25 geben. (mz)