Neuer Vorstand beim HFC

HFC-Vorstand erweitert: So soll der Fußball-Verein wieder auf Linie gebracht werden

Halle (Saale) - Hallescher FC bekommt neuen Vorstand: Diese Männer sollen den Verein retten

Von Dirk Skrzypczak 28.02.2018, 06:30

Im Februar 2017 platzt Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) der Kragen. In der Liga hat der HFC sein Heimspiel gegen Großaspach 0:1 verloren. Der HFC habe „ohne Mut und Vertrauen gespielt“, polterte der OB auf seiner Internetseite.

Und dann knöpfte sich Wiegand HFC-Präsident Michael Schädlich vor, der in einem MZ-Interview vor dem Spiel vor zu hohen Erwartungen an die Mannschaft gewarnt hatte. Die Erwartung, dass das Team wie eine Spitzenmannschaft auftreten und den Aufstieg in die 2. Liga bewerkstelligen solle.

Halles OB Wiegand kritisiert HFC-Präsidium

„Das HFC-Präsidium agiert ohne Mut und Selbstvertrauen“, schimpft der OB. Es scheine, als hätten sich alle gut in der 3. Liga eingerichtet. Und Wiegand fragt: „Will der HFC überhaupt aufsteigen?“

Und Wiegand kritisiert, was dem HFC fehlt und was die Hauptsponsoren fordern: professionelle Strukturen, ein Marketingkonzept und vor allem Transparenz. Es ist dieser Moment, an dem der Machtkampf zwischen OB und dem HFC-Präsidenten erstmals offen ausbricht.

Entscheidung: HFC-Vorstand wird erweitert

Ein Jahr später, im Februar 2018, ist dieser Machtkampf entschieden. Die Verhältnisse im Verein sind seit Montagabend neu geordnet. Der Verwaltungsrat votierte einstimmig für die Erweiterung des HFC-Vorstands. Stadt und Sponsoren stellen ab sofort drei der fünf Mitglieder und haben damit die Mehrheit in dem Gremium.

Für den Club geht es inzwischen um die nackte Existenz. 1,4 Millionen Euro fehlen allein im Etat der laufenden Saison. Die Insolvenz drohte, die Lizenz für die neue Spielzeit war in akuter Gefahr. Am Montagabend wurde der Supergau abgewendet.

Das sind die neuen Gesichter im HFC-Vorstand

Es ist eine geballte Fachkompetenz, die den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser bringen soll: Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Lucas Flöther (44), der Chef der Saalesparkasse Jürgen Fox (50) und Wirtschaftsprüfer Jens Rauschenbach (48). Vom „FC Stadt“ ist die Rede, weil sich der OB durchgesetzt hat. Schädlich und Manager Ralph Kühne bleiben im Vorstand.

Für den HFC drängt die Zeit. Am 28. Februar müssen die Lizenzunterlagen für die neue Saison beim Deutschen Fußballbund (DFB) eingereicht werden. Dafür benötigt der Club frisches Geld. Und er bekommt es für den Preis, dass der Verein nicht mehr so weiterwirtschaften kann, wie bisher. 2012 war der HFC in die 3. Liga aufgestiegen - doch die Strukturen seien noch immer wie zu Amateurzeiten, heißt es.

Sponsoren werden dem Fußball-Verein helfen

Die Zusammensetzung des Vorstands macht nun jenen Neuanfang möglich, den die Geldgeber verlangen. Im Gegenzug werden die Sponsoren - darunter die Stadtwerke, die Wohnungsgesellschaft HWG und die Saalesparkasse - einmalig rund eine Million Euro in den Verein pumpen, um die Pleite abzuwenden.

Sie erhalten für die Finanzspritze übrigens eine höhere Gegenleistung vom Club, mehr Werbung im Stadion etwa. Rund 400.000 Euro will der Club selbst aufbringen.

„Wir müssen in dieser Situation die Kräfte bündeln. Mit den drei neuen Mitgliedern ist das Präsidium insbesondere im kaufmännischen Bereich nun breiter aufgestellt“, erklärt der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Michael Schunke.

HFC plant die neue Saison

Die Lizenzunterlagen würden nun vollständig und fristgerecht beim DFB eingereicht. Der HFC plant die neue Saison mit einem Etat von 5,9 Millionen Euro. Der OB zeigt sich zufrieden.

„Die drei neuen Mitglieder bilden eine kompetente Verstärkung für den Vorstand. Wenn alle Gremien im Konzern der Stadt zustimmen, hat der HFC alle Chancen, sich finanziell und sportlich zu erneuern und professionell aufzustellen.“

Rücktritt von Vize-Präsident Jörg Sitte

Der Neuanfang wurde nur möglich, weil Vize-Präsident Jörg Sitte am Sonntag überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte. Und er lieferte auch eine Begründung, warum der HFC in die Krise schlitterte: „Die Planungen waren zu ambitioniert, sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Ausgaben. Dafür tragen wir alle die Verantwortung.“

3,4 Millionen Euro etwa sollte Sitte mit seiner Abteilung an Einnahmen eintreiben, 2,8 Millionen sind es geworden. Vor zehn Wochen wurde Sitte, seinerzeit noch Marketing-Chef, von seinem Amt entbunden. Seitdem knirschte es im Verhältnis zu Schädlich.

Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren gesunken

Dass es auch im Umfeld des Vereins Unmut gibt, zeigt der Blick auf die Zuschauerzahlen. In der Saison 2012/13 kamen im Durchschnitt rund 7.700 Fans zu den Heimspielen, aktuell sind es pro Spiel fast 1.000 Anhänger weniger.

Und Schädlich? Der Präsident will durchhalten. „Es geht und ging nie um einzelne Personen, sondern immer um den HFC und seine Interessen“, sagt er.

Rechtsanwalt Lucas Flöther hat Insolvenz von Air Berlin begleitet

Im Vorstand haben die Sanierer nun das Sagen. „Wir bringen Kompetenzen mit, die dem Verein nur nützen können“, sagt Rechtsanwalt Lucas Flöther. Zuletzt hatte er die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin begleitet. Doch auch in der Region hat er Erfahrung. Flöther war Insolvenzverwalter beim Fahrradbauer Mifa in Sangerhausen.

Jürgen Fox und Jens Rauschenbach sind jetzt im Vorstand

Jürgen Fox ist dem Verein schon länger verbunden, seit 2016 sitzt er im Verwaltungsrat. Er gilt als knallharter Finanzer. Und Jens Rauschenbach hatte als Projektsteuerer den Neubau des Erdgas-Sportparks begleitet. Zudem erarbeitete er das Sanierungskonzept für den Club, das am Montag ebenfalls vom Verwaltungsrat abgesegnet wurde.

HFC braucht einen Sportdirektor

Die Arbeit fängt erst richtig an. So benötigt der HFC dringend einen Sportdirektor. Am Saisonende laufen die Verträge von 19 Spielern aus.

Schmerzlich vermisst werden zudem ein Chef für Nachwuchs und Scouting sowie ein Marketingexperte, der nicht nur neue Geldgeber sucht, sondern Kontakte auch pflegt - auch daran soll es gehapert haben.

Für den HFC gilt es jetzt vor allem, die Klasse in der 3. Liga zu halten. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsränge. Die Luft ist dünn. (mz)

Gerade durchlebt Michael Schädlich die schwerste Phase seiner mehr als 15 Jahre währenden Amtszeit als Präsident des Halleschen FC. Seit 2002 steht der Wirtschaftswissenschaftler dem Verein vor. Als der 63-Jährige den HFC übernahm, steckten die Rot-Weißen in einer tiefen Krise, spielten nur in der Oberliga.

Mit seinen langjährigen Mitstreitern, Vize-Präsident Jörg Sitte und Manager Ralph Kühne, führte Schädlich den Verein wieder nach oben. 2012 gelang dann der große Coup: Der HFC sicherte sich die Meisterschaft der Regionalliga Nord und stieg in die 3. Liga auf. Seitdem landete die Mannschaft jedes Jahr im Mittelfeld der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Momentan steht das Team allerdings auf dem 16. Platz.

Neben dem Amt als HFC-Präsident steht Schädlich gemeinsam mit zwei Mitstreitern dem von ihm gegründeten Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (ISW) als geschäftsführender Gesellschafter vor. Im November 2017 erklärte Schädlich aber, das ISW verkaufen zu wollen. (mz)