Halle

Halle: Musikalisches Feuerwerk zum Abschluss der Filmmusiktage

Halle (Saale)/MZ. - Es ist nicht alltäglich, dass ein Publikum sich wie ein Mann (oder eine Frau) erhebt und seine Beine zucken und Hüften schwingen lässt bei einem live dargebotenen Kulthit. Ungewöhnlich zudem, wenn es in der Oper Halle bei einem Konzert der hiesigen Staatskapelle passiert. Doch zumindest einmal im Jahr ist es denkbar. Dann, wenn nach zweitägiger Fachkonferenz das abschließende Gala-Konzert der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt die Ränge des Opernhauses quasi restlos füllt und Bernd Ruf den Dirigentenstab hebt, um ein zweistündiges musikalisches Feuerwerk der intelligenten Unterhaltung samt Innovationen, Uraufführungen und Niegehörtem zu ...

Von Manuela Schreiber 28.10.2012, 17:59

Es ist nicht alltäglich, dass ein Publikum sich wie ein Mann (oder eine Frau) erhebt und seine Beine zucken und Hüften schwingen lässt bei einem live dargebotenen Kulthit. Ungewöhnlich zudem, wenn es in der Oper Halle bei einem Konzert der hiesigen Staatskapelle passiert. Doch zumindest einmal im Jahr ist es denkbar. Dann, wenn nach zweitägiger Fachkonferenz das abschließende Gala-Konzert der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt die Ränge des Opernhauses quasi restlos füllt und Bernd Ruf den Dirigentenstab hebt, um ein zweistündiges musikalisches Feuerwerk der intelligenten Unterhaltung samt Innovationen, Uraufführungen und Niegehörtem zu entzünden.

Vergangenen Samstag fanden also die fünften Filmmusiktage Sachsen-Anhalt ihren Abschluss mit dem umjubelten, live von MDR-Figaro übertragenen Konzert. Die diesjährige Auflage stand unter dem Motto "The Illusion of Life". Denn gerade bei Film und Computerspiel stellt sich die Frage: Was ist Illusion, was ist Wirklichkeit? Und welche Rolle hat die Musik bei diesem Wechselspiel zwischen Realität und Fiktion inne? Darauf versuchte die Konferenz Antworten zu finden. Ein Teil der Referenten und Diskussionsteilnehmer fand sich auch im Galakonzert ein, machten Gedankenspiele musikalisch fassbar und hatten sogar Weltpremieren im Gepäck. So präsentierte der Schweizer Marcel Barsotti in einer extra zusammengestellten Suite die Hauptmelodien aus der Romanverfilmung "Jesus liebt mich", die erst im Dezember in die Kinos kommt. Er hatte einigen deutschen Filmhits wie "Das Wunder von Bern" mit zum Erfolg verholfen, denn seine musikalische Sprache jongliert virtuos mit den Versatzstücken prachtvoll angerührter Hollywoodsounds.

Die Musik zum Spiel "Die Siedler 7" von Tilman Sillescu war von so faszinierender Schönheit, dass sie Lust machte, das Spiel auszuprobieren und sei es nur wegen der Musik. Mit einer musikalischen Innovation ganz anderer Art versetzte Frank Danksagmüller, Komponist und virtuoser Handhaber einer "Wii", das Publikum in Erstaunen bei seinem futuristischen Gedankenspiel "At the Big Dump" ("Auf der Müllhalde"). Über einen Computer und die Spielekonsole gesteuert, schuf er elektronische Klänge, die menschliche Stimmen und Töne echter Instrumente verzerrte und somit den Background für eine von Maschinen animierte, apokalyptische Welt bot.

Als dann noch die Puppentrickfigur Bernd das Brot, der mit seinen Freunden in eine Stummfilmwelt geraten war, über die riesige Leinwand im Opernhaus flimmerte und bei seinen Abenteuern live vom Orchester begleitet wurde, gab es kaum noch ein Halten im Zuschauerraum. Danach reihten sich Höhepunkt an Höhepunkt, die im herrlich sexy Gesang der bildschönen N'gone Thiam mit Songs wie dem Titellied von Mousse T. zum brandneuen Film "Mann tut was Mann kann" oder seinem "Horny" samt wildem Verschnitt von Beethovens 5. Sinfonie und einem heiß-kalten Medley aus James-Bond-Filmen gipfelten.

Mit der Zugabe "Sexbomb" stand dann endgültig der ganze Saal. Entertainer, Komponist und DJ Mousse T. fand keine Worte mehr. Er sagte nur: "Ich habe euch unterschätzt. Jetzt bin ich sprachlos."

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