Halle

Halle: Entwurf von 1946 zeigt Altes Rathaus

Halle (Saale)/MZ. - Einen ungewöhnlichen Fund hat Ulrich Schröder kürzlich in die Hände bekommen. Als Gertraude Sänger den promovierten Philologen in seiner Eigenschaft als Mitglied der Bürgerinitiative "Rathausseite" per Telefon von ihrer Entdeckung unterrichtete, war das Interesse Schröders geweckt - und entsprechend groß. Bei einer Haushaltsauflösung hatte die 72-jährige Hallenserin eine noch recht gut erhaltene Papprolle gefunden. Deren Inhalt: mehrere Entwürfe für den Neu- oder Umbau des Alten Rathauses, datiert auf das Jahr ...

Von KATJA PAUSCH

Einen ungewöhnlichen Fund hat Ulrich Schröder kürzlich in die Hände bekommen. Als Gertraude Sänger den promovierten Philologen in seiner Eigenschaft als Mitglied der Bürgerinitiative "Rathausseite" per Telefon von ihrer Entdeckung unterrichtete, war das Interesse Schröders geweckt - und entsprechend groß. Bei einer Haushaltsauflösung hatte die 72-jährige Hallenserin eine noch recht gut erhaltene Papprolle gefunden. Deren Inhalt: mehrere Entwürfe für den Neu- oder Umbau des Alten Rathauses, datiert auf das Jahr 1946.

Die bemerkenswerten Zeichnungen, mit Bleistift auf Pergament gebracht, stammen von Emil Schmidt (1867 bis 1947), dem Großvater der Finderin. Der Architekt hatte diese Entwürfe für ein anderes Rathaus am Standort des teilzerstörten Alten Rathauses angefertigt. Bestimmt waren sie für einen Architektur-Wettbewerb zur Rekonstruktion der Rathausseite, der 1947 ausgerufen worden war.

"Das Bemerkenswerte an den Funden ist eigentlich das Datum", erklärt Ulrich Schröder. Denn 1946 sei noch gar nicht klar gewesen, was mit dem durch Bomben zerstörten Rathausflügel geschehen sollte. "Da standen Abriss oder Aufbau überhaupt nicht zur Debatte", so Schröder. Erst Ende der 40er Jahre bis 1950 wurde das Architekturensemble Alte Waage und Altes Rathaus schrittweise abgerissen, das Hauptportal der Ratswaage 1949 in die Moritzburg eingelagert. "Vermutlich hatte sich Schmidt aus reinem Interesse lange vor anderen Architekten Gedanken über das Alte Rathaus gemacht", glaubt Schröder. Auch Gertraude Sänger kann über die Beweggründe ihres Großvaters nur spekulieren - er starb 1947.

Entworfen hatte Emil Schmidt ein völlig neues Gebäude im Stile des Historismus - mit zahlreichen Kolonnaden, die entfernt an das Krakauer Rathaus erinnern. Schmidt arbeitete im damals renommierten Architekturbüro Föhre. Bruno Föhre, einer der genialsten Architekten seiner Zeit, zeichnete unter anderem für die Kaufhaus-Entwürfe für Ritter (H & M), Lewin (Wöhrl) und Broskowski (Ecke Leipziger Straße / Waisenhausring) verantwortlich. Die gefundenen Entwürfe werden künftig ihren Platz im Stadtmuseum haben, damit sie für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Was den originalgetreuen Aufbau der Außenfassade des Alten Rathauses indes angeht, ist die Bürgerinitiative "Rathausseite" nicht die erste Gruppe, die sich dafür engagiert: Bereits in den 60er Jahren gab es Vorarbeiten zur Rekonstruktion des Alten Rathauses, die aber aus ökonomischen Gründen nicht zur Ausführung kamen.

Mehr Informationen zum Wiederaufbau gibt es im Internet.