Halle Halle: Chefs mit großem Fußballherz
HALLE/SAALEKREIS/MZ. - So auch in der Autowerkstatt von Andreas Reinwardt in Zwintschöna. "Ich kann meine WM-euphorisierten Männer morgen nicht bremsen, freigeben kann ich ihnen aber auch nicht", sagt der Kfz-Meister. Was also machen? Mittwoch hat er einen Fernseher mit in die Werkstatt gebracht: "Wir werden morgen das Spiel verfolgen." Trotzdem: Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. "Die Kunden müssen ja ihr Auto pünktlich bekommen."
"Gott sei Dank gibt es morgen keine Vorlesung." Das sagt kein Student, sondern der Professor persönlich. Markus Pietzsch, Lehrstuhl-Inhaber am Pharmazie-Institut der Uni Halle, hat sich morgen mit seinen Studenten zum großen Fußball-Gucken im Institut verabredet. Kein Wunder. "Fußball ist schließlich eine Wissenschaft für sich", feixt der Akademiker.
Wenn morgen Nachmittag aus dem Polizeipräsidium an der Merseburger Straße ein Nebelhorn ertönt, dann ist nicht Gefahr in Verzug. Nein, dann hat Polizeipräsident Walter Schumann das Signalgerät aus fußballerischer Leidenschaft betätigt. Er wird nämlich mit rund 25 Mitarbeitern, die ab 13 Uhr Feierabend haben - meist Frauen (!) - das Spiel in einem Beratungsraum verfolgen.
Diese Chance haben die Verkäuferinnen im Galeria-Kaufhof am Markt nicht. Trotzdem werden auch sie "am Ball" sein können. "Wir sagen alle Tore - die hoffentlich nur von unserer Mannschaft geschossen werden - sofort über die Hausrufanlage durch", erklärt Kaufhof-Chef Wolfgang Schmidt.
Weltmeisterlich-großzügig geht es in der Halloren-Schokoladenfabrik zu. Da Klaus Lellé als Chef selbst ein großer WM-Fan ist, dürfen auch die Mitarbeiter auf einer Leinwand Fußball gucken, wenn sie es mögen. Die Zeit müsse nachgearbeitet werden, so Lellé, die Hallorenkugeln würden also nicht knapp. Auch die Mitarbeiter des Pumpenherstellers KSB haben das o.k. "Der Schichtplan ist morgen WM-flexibel. Wer Fußball schauen will, kann früher Schluss machen - muss später aber nacharbeiten", sagt Hagen Brandt als stellvertretender KSB-Sprecher von Halle.
Wenn es sich mit der Arbeit vereinbaren lasse, könne jeder Stadtwerke-Mitarbeiter das Spiel verfolgen, erklärt indes Pressesprecher Stefan Böttinger. Natürlich werde garantiert, dass die Versorgung zum Beispiel mit Strom gesichert ist - nicht auszudenken, wenn dies ausgerechnet morgen Nachmittag nicht klappen würde.