Halle bangt um Leistungszentren

Halle bangt um Leistungszentren: Bundesstützpunkte für Rudern und Schwimmen vor dem Aus

Halle (Saale) - Offiziell ist noch nichts, doch die Spatzen pfeifen es mittlerweile aus vielen Richtungen von den Dächern: Wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit den Landessportverbänden und dem Bundesinnenministerium Mitte Oktober die Vorentscheidung über Neuordnung der Sportförderung fällt, könnte Halle mehr als die Hälfte seiner aktuell fünf Bundesstützpunkte ...

Von Robert Briest

Offiziell ist noch nichts, doch die Spatzen pfeifen es mittlerweile aus vielen Richtungen von den Dächern: Wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit den Landessportverbänden und dem Bundesinnenministerium Mitte Oktober die Vorentscheidung über Neuordnung der Sportförderung fällt, könnte Halle mehr als die Hälfte seiner aktuell fünf Bundesstützpunkte verlieren.

Vor allem die Schwimmer und Ruderer müssen eine Degradierung ab 2018 fürchten. Das Aus für den Bundesstützpunkt der Turner ist indes schon beschlossene Sache. Halle blieben künftig dann nur noch die Erstligazentren der Leichtathleten und der Wasserspringerjugend.

SV Halle verfasst einen Brief

Um den Verlust der Spitzenförderung in den beiden Wassersportarten doch noch zu verhindern, kommt nun Bewegung in die hallesche Stadt- und Sportpolitik. Der SV Halle, zu dem beide Sparten gehören, hat einen Brief verfasst, in dem er den Erhalt der Standorte fordert. Diesen möchte er gern gemeinsam mit Stadtsportbund und Stadtspitze veröffentlichen.

Deshalb ist Vereinsgeschäftsführer Ingo Michalak am Dienstag zu Gast in der Beigeordnetenkonferenz im Stadthaus, um den Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) für sein Anliegen zu gewinnen und für Aufmerksamkeit zu sorgen. „Wir wollten jetzt die Initiative ergreifen, ehe es zu spät ist und so noch versuchen zu retten, was zu retten ist“, begründet Michalak.

DOSB plant Reform der Spitzensportförderung

Parallel zu diesem bringt die CDU-Fraktion eine Dringlichkeitsvorlage in die Ratssitzung am Mittwoch ein. Darin heißt es: „Die Stadt Halle bekennt sich zum Erhalt der Bundesstützpunkte Schwimmen und Rudern.“

Der DOSB plant bereits seit längerem eine Reform der Spitzensportförderung. Soweit bisher bekannt, soll dabei die Zahl der Bundesstützpunkte von derzeit knapp 215 auf 150 reduziert werden. Der Sportbund erhofft sich davon eine effektivere Förderung. Von den Plänen betroffen sind etwa die Schwimmer. Deren Chefbundestrainer hatte eine Konzentration der Athleten auf wenige Standorte bereits vor den Olympischen Spielen befürwortet. Das medaillenlose Ergebnis von Rio dürfte seine Meinung nicht geändert haben.

Verlust des Bundesstützpunkttitels droht

Für Halles Schwimmer könnte der Verlust des Bundesstützpunkttitels nicht nur einen Image- und in der Folge auch Sponsorenschwund bedeuten, sondern auch Nachteile bei den Beckenzeiten, den Verlust des Bundesstützpunkttrainers und von Zuschüssen. Für Michalak wäre das „der Anfang vom Ende : Wir hätten dann schlechtere Bedingungen.“

Dabei sind die in Halle derzeit eigentlich top: Die Athleten können in der erst fünf Jahre alten Robert-Koch-Schwimmhalle trainieren, die sogar über einen Schwimmkanal verfügt. Michalak sieht deshalb keinen Grund, warum Halle seinen Bundesstützpunkt – wie im Gespräch ist – nach Magdeburg verlieren soll. Gleiche Überlegungen gibt es auch für die Ruderer. „Dabei haben wir mit Julia Lier die Olympiasiegerin hier“, argumentiert der SV-Geschäftsführer. Und wenn das Ruderhaus am Kanal wie geplant 2018 fertiggestellt würde, gäbe es auch für die Ruderer exzellente Bedingungen.

Gemeinsame Stützpunkte Magdeburg-Halle?

Sein Vereinspräsident, der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner, plädiert deshalb für jeweils gemeinsame Stützpunkte Magdeburg-Halle, um so auch den Kritikpunkt zu umgehen, dass man zwei separate Standorte auf kleinem Raum innerhalb eines Bundeslandes hat.

Die nun eingestartete Öffentlichkeitsarbeit sieht er als Prävention. Denn wenn Ministerium und DOSB am 18. Oktober erst ihre Vorentscheidung gefällt haben – die im kommenden Frühjahr endgültig besiegelt werden soll –, sei nur noch wenig zu ändern, sagt Bergner. Er sollte es wissen, schließlich war er acht Jahre lang parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. (mz)