Millionendefizite

Hafen in Halle (Saale): Legen am Trothaer Hafen bald Schiffe an?

Halle (Saale) - Als Container-Terminal hat sich das Areal in Trotha scheinbar gemausert. Doch nach wie vor plädieren Grüne für Abwicklung der Gesellschaft.

Von Silvia Zöller

Als spektakuläre Kulisse für den Zorn-Krimi „Kalter Rauch“ diente der Hafen Trotha.

Und auch Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) schwärmt in den höchsten Tönen von der Anlage, die sich - so wörtlich - „zum größten öffentlich zugänglichen Container-Terminal in Sachsen-Anhalt“ entwickelt habe.

Weshalb die Stadtwerke nun laut des Stadtoberhauptes den Ausbau mit Erweiterungsflächen und einer Wiederbelebung des Getreideumschlags planen sollen.

Seit Jahren Millionendefizite: Stadtwerke Halle hüllen sich in Schweigen zum Hafenausbau

Bloß: Die Stadtwerke - die seit Jahren Millionendefizite mit dem Hafen machen - hüllen sich weitgehend in Schweigen zur angeblichen erfolgsbedingten Erweiterung des Hafens.

„Ja, wir prüfen derzeit tatsächlich, ob wir die Hafen-Infrastruktur ausbauen, zum Beispiel werden wir 2017 die Saalebahn ertüchtigen, doch sind weitere Überlegungen planungstechnisch in einem zu frühen Stadium“, sagt Torsten Winkler, Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke.

2016 seien „mehr“ Container als im Vorjahr umgeladen worden - wieviel „mehr“ lässt Winkler offen.

Das Geschäft mit den Ganzzugverbindungen, die die Container zu den Häfen in Hamburg und Bremerhaven bringen, habe sich von 2004 mit damals nur drei An- und Abfahrten pro Woche auf jetzt acht verbessert. „Dies hat sich stabil entwickelt und ist ein wesentlicher Baustein der regionalen Logistik“, betont Winkler.

Grüne sehen Hafenausbau an der Saale in Halle skeptisch

Weil sich dieses Geschäft so gut entwickelt habe, hat Wiegand nun erneut den Ausbau der Saale ins Spiel gebracht, damit aus dem reinen Containergeschäft auch ein Hafengeschäft wird.

Das wird vor allem bei den Grünen skeptisch gesehen, die bereits 2012 die Auflösung der Hafen GmbH - vergeblich - im Stadtrat beantragt haben. Stadträtin Inès Brock, gleichzeitig auch Mitglied des Aufsichtsrates der Stadtwerke, hält den Hafen für ein „krankes Kind, das man nicht aufpäppeln kann.“

Zum einen wegen des umstrittenen Ausbaus der Elbe und der Saale, zum anderen wegen der Defizite von rund einer Million Euro jährlich: „Selbst wenn es einen Anstieg beim Containerumschlag gibt, heißt das noch lange nicht, dass man damit in die Wirtschaftlichkeit hereinkommt.“

Keine Zukunft für einen Schiffshafen in Halle (Saale)?

Knackpunkt seien nach wie vor die Bindung an rund 30 Millionen Euro Fördermittel, die bei einer vorzeitigen Schließung zurückgezahlt werden müssten.

„Nach 2018 kann man die Frage noch mal stellen“, sagt Elisabeth Nagel, Stadträtin der Linken und ebenfalls Aufsichtsratsmitglied der Stadtwerke. Dann laufe die Bindungsfrist aus und man müsse dann prüfen, „ob eine Containerfirma in den Stadtwerkekonzern gehört.“

Eine Zukunft für einen Hafen, an dem tatsächlich Schiffe anlegen, sieht die Politikerin nicht: „Das sind unausgegorene Dinge.“ Der Aufwand, die Saale von der Quelle bis zur Mündung schiffbar zu machen, sei nicht leistbar.

CDU-Stadtrat Andreas Scholtyssek: „Ich weiß nicht, worauf sich die positive Einschätzung des Oberbürgermeisters bezieht.“

Obwohl CDU-Stadtrat Andreas Scholtyssek hinter dem Hafen steht und eine „Fernhoffnung“ für die GmbH nicht aufgeben will, ist er kritisch. „Ich weiß nicht, worauf sich die positive Einschätzung des Oberbürgermeisters bezieht.“

Im Stadtwerke-Aufsichtsrat, dessen Mitglied er ebenfalls ist, sei dies kein Thema gewesen. Für großen Optimismus fehle seiner Meinung nach die Substanz.

Wird die Saale in Halle ausgebaut oder nicht?

Das sieht man bei der SPD ähnlich, wenngleich Fraktionsvorsitzender und ebenfalls Aufsichtsrat der Stadtwerke, Johannes Krause, zumindest einen positiven Trend sieht. „Wir haben den Hafen nicht abgeschrieben“, sagt er, denn mit der Etablierung des Containerterminals habe man bei den Stadtwerken nicht ungeschickt reagiert.

Knackpunkt sei aber nach wie vor die noch nicht abschließend behandelte Frage, ob die Saale ausgebaut wird oder nicht. „Keiner mag hier eine abschließende Wertung geben.“ (mz)