GrippeGrippe in Halle (Saale): An der Uniklinik geht nichts mehr

Halle (Saale) - Durch die Grippewelle geht an der Uniklinik in Halle (Saale) nichts mehr, da die Belegung ohnehin hoch ist. Operationen müssen sogar verschoben werden.

10.02.2017, 11:38

Die Uniklinik Halle hat rund 1.000 Betten - und die sind derzeit fast alle belegt. Zusätzlich zum ohnehin hohen Krankenaufkommen werden aktuell 35 Grippepatienten behandelt, sechs davon mit schwersten Symptomen auf der Intensivstation.

Der ärztliche Direktor Thomas Klöss schätzt die Lage als sehr angespannt ein: „In den zehn Jahren, die ich in Halle tätig bin, habe ich solch eine schwierige Belegungssituation noch nicht erlebt; wir mussten bereits einzelne geplante Operationen auf Grund der hohen Auslastung verschieben.“

Grippewelle 2017: Auch Intensivstation der Uniklinik Halle ist voll ausgelastet

Das Problem: Durch die Grippe hat die Uniklinik momentan keine freien Kapazitäten mehr auf der Intensivstation - wohl aber Anfragen aus andern Krankenhäusern des Landes, die schwerst Grippekranke nach Halle überweisen wollen.

Aus diesem Grund hat die Klinikleitung nun das Wirtschaftsministerium eingeschaltet, da Minister Armin Willingmann (SPD) Vorsitzender des Aufsichtsrates der Uniklinik Halle ist. „Wir haben auch eine klinikinterne Arbeitsgruppe gegründet, wie es in schwierigen Situationen üblich ist“, berichtet Klinik-Sprecher Jens Müller.

Grippe in Halle (Saale): Lage ist ernst

Auch Halles Amtsärztin und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit in der Stadtverwaltung, Christine Gröger, sieht eine ernste Lage: „Die Meldezahlen für die Influenza sind für die Stadt Halle seit einer Woche sehr hoch. Neben Kindern und deren Eltern erkranken momentan vorwiegend ältere Bürger und Bürgerinnen mit chronischen Erkrankungen.“

Aktuell sind 195 Fälle der meldepflichtigen Grippe beim Gesundheitsamt angezeigt (siehe Grafik). Im Rathaus wird derzeit ermittelt, ob es einen Optimierungsbedarf gibt bei der Frage der Verteilung der schwererkrankten Grippepatienten auf die Krankenhäuser.

Denn am Elisabethkrankenhaus wird die verstärkte Infektion mit Grippeviren ebenfalls beobachtet. „Allerdings ist die Situation im Elisabethkrankenhaus derzeit noch entspannt“, sagt der ärztliche Leiter Steffen Edner. Pro Woche werden hier drei bis vier Grippefälle behandelt.

Wer Schnupfen und Husten hat, der kann erkältet sein oder es können auch erste Symptome einer Grippe sein. Allerdings ist diese Viruserkrankung in der Folge eindeutig von einer einfachen Erkältung zu unterscheiden. So kommen sehr schnell weitere schwere Symptome hinzu, etwa hohes Fieber mit Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, oft auch langanhaltender Husten. Betroffene fühlen sich innerhalb weniger Stunden plötzlich schwer krank.

Influenza-Viren können auch weitere Beschwerden verursachen, die jedoch nicht bei jedem Menschen auftreten. So werden auch Bindehautentzündung, Magen-Darm-Beschwerden oder Mittelohrentzündungen genannt. Oft klagen Grippe-Patienten auch nach überstandener Erkrankung darüber, dass sie schwach und müde sind und unter Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen leiden. Für ältere Menschen kann die Krankheit lebensbedrohlich werden.

Die Zahlen sprechen jedoch auch hier eine deutliche Sprache: Gab es im Januar 2015 nur einen einzigen Grippepatienten im Elisabethkrankenhaus, im Januar 2016 gerade einmal vier, so waren es im vergangenen Monat zehn.

Grippe-Impfung: Warum das auch jetzt noch Sinn macht

„Die Praxen sind voll“, bestätigt auch Thomas Dörrer, Allgemeinmediziner aus Teutschenthal und Vorstandsmitglied des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt. Grund der zahlreichen Influenza-Erkrankungen sei, dass der aktuell grassierende Virus nicht von den Impfstoffen erfasst wurde. Trotzdem rät Dörrer auch jetzt noch zur Impfung, da für März eine weitere Grippewelle erwartet werde. „Wichtig ist aber vor allem, dass Patienten mit Erkältungssymptomen zu Hause bleiben. Nur so kann man eine Epidemie verhindern“, mahnt der Mediziner an.

Impfungen nützten nichts, wenn Erkrankte trotzdem zur Arbeit gehen oder beispielsweise in der Straßenbahn unterwegs sind und so andere anstecken.

Viele Grippekranke sind in etlichen Bereichen zu verzeichnen. So ist aus der Pressestelle der Deutschen Bahn zu erfahren: „Wir haben derzeit sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion, beispielsweise in der Instandhaltung oder bei den fahrenden Personalen, erhöhte Krankenstände“, so Pressesprecher Jörg Bönisch. Allerdings sei die Lage nicht so dramatisch, dass es deswegen zu Zugausfällen komme.

Beim evangelischen Kirchenkreisamt gehen ebenfalls viele Krankmeldungen ein. So fehlten bei einer Klausurtagung des Kirchenkreises in den letzten Tagen rund 15 Prozent der eigentlich vorgesehenen Teilnehmer. „So viele Betroffene, die sich krankheitsbedingt kurzfristig abgemeldet haben, das hatten wir noch nie“, erklärt Pressesprecher Torsten Bau. Zwar seien zahlreiche Pfarrer und Gemeindepädagogen erkrankt, aber durch Vertretungen habe derzeit noch kein Gottesdienst ausfallen müssen.

Krankenstand in Halles Stadtverwaltung dennoch so niedrig wie seit langem nicht mehr

Ganz anders dagegen die Lage bei der Stadtverwaltung: Hier sind aktuell so wenig Mitarbeiter krankgeschrieben wie seit langem nicht mehr. Wie die Pressestelle mitteilt, liege der Krankenstand gegenwärtig bei sieben Prozent, das sind 186 Männer und Frauen. Im Vergleich: 2015 gab es einen Krankenstand von neun Prozent, 2014 waren es acht Prozent.

Auch im Landesverwaltungsamt liegt noch alles im grünen Bereich. Während in Magdeburg in dieser Woche wegen der Grippewelle sogar eine Straßenbahnlinie eingestellt wurde, bleiben die Halleschen Verkehrsbetriebe von solchen drastischen Maßnahmen noch verschont.  (mz)