Germanwings-Absturz in Südfrankreich

Germanwings-Absturz in Südfrankreich: Ein Opfer stammt aus Halle

Halle (Saale) - Der tragische Flugzeugabsturz in den französischen Alpen am vergangenen Dienstag hat auch ein Opfer aus Sachsen-Anhalt gefordert. Unter den verunglückten Passagieren des Germanwings-Fluges befand sich nach MZ-Informationen eine gebürtige Hallenserin. Sicherheitskreise bestätigten das am ...

Von Felix Knothe und Ronny Banas 27.03.2015, 16:58

Der tragische Flugzeugabsturz in den französischen Alpen am vergangenen Dienstag hat auch ein Opfer aus Sachsen-Anhalt gefordert. Unter den verunglückten Passagieren des Germanwings-Fluges befand sich nach MZ-Informationen eine gebürtige Hallenserin. Sicherheitskreise bestätigten das am Freitag.

Die etwa 30-jährige Frau stammte aus Halle, verbrachte ihre Kindheit im nördlichen Saalekreis und war dann zum Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in die Saalestadt zurückgekehrt. Seit rund zwei Jahren lebte sie als Künstlerin in Leipzig.

Angehörige bereits informiert

Bei dem Absturz des Airbus der Fluggesellschaft Germanwings waren am Dienstag insgesamt 150 Menschen ums Leben gekommen. Ermittler gehen davon aus, dass der Co-Pilot den Absturz absichtlich verursacht hat.
Dass die frühere Hallenserin unter den Opfern ist, wollte das wegen des Wohnorts der Frau zuständige sächsische Innenministerium noch nicht bestätigen. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage lediglich: „Wir werden informieren, sobald wir valide, detaillierte Kenntnisse haben.“ Aus Ermittlerkreisen hieß es, die äußerst schwierigen Bedingungen im Unglücksgebiet in den Alpen könnten Grund für die Zurückhaltung sein.

So hat es wohl noch keine Identifizierung der Frau gegeben, weil die Leichen der Passagiere zum Großteil noch nicht geborgen werden konnten. Bislang seien lediglich mehrere hundert Leichenteile geortet worden, sagte ein Kriminaltechniker vor Ort. Eine offizielle Bestätigung der Todesfälle solle es erst geben, wenn alle Toten identifiziert sind. Dennoch hat das sächsische Landeskriminalamt nach MZ-Informationen die Angehörigen der jungen Frau, die in Sachsen-Anhalt leben, bereits informiert. In Halle hatten Freunde der Burg-Absolventin daraufhin bereits am Donnerstag einen provisorischen Gedenkort errichtet.

Direkt nach dem Unglück hatten das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und das Bundeskriminalamt die Auswertung der Fluggastdaten und die Koordination der anschließenden Nachforschungen übernommen. Erschwert wurden die Untersuchungen, weil es außer Namen und Geburtsdaten zunächst kaum weitere Informationen zu den Opfern gab. Flug 4U9525 war innerhalb des Schengen-Gebiets unterwegs, Passkontrollen fanden daher nicht statt. So begann nach dem Unglück ein mühevoller Abgleich mit den Landeskriminalämtern bundesweit.

Unterdessen wurde am Freitag ebenfalls bekannt, dass der Co-Pilot des Unglücksflugs im Cockpit saß, obwohl er für den Flugtag krank geschrieben war. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler mehrere zerrissene Krankschreibungen. Der Mann habe der Fluggesellschaft jedoch verheimlicht, dass er nicht arbeitsfähig war, so die Ermittler. In den Minuten, bevor der Airbus zerschellte, war der Co-Pilot allein im Cockpit. Den Kapitän, der die Kabine zwischenzeitlich verlassen hatte, hatte er ausgesperrt.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) empfahl daher am Freitag die ständige Anwesenheit von zwei Besatzungsmitgliedern im Cockpit. Mehrere Fluggesellschaften hatten bereits zuvor angekündigt, diese Regelung einzuführen. Sie war bei den meisten europäischen Airlines bisher nicht üblich.

Bundespräsident Joachim Gauck nahm am Morgen an einem Gedenkgottesdienst im westfälischen Haltern teil. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des dortigen Gymnasiums waren an Bord des Airbus. (mz)