Friedrich Gustav von Bramann Friedrich Gustav von Bramann: Gedenktafel für halleschen Mediziner
Halle (Saale)/MZ. - Es war im Jahr 1888: Die Leibärzte des deutschen Kaisers kämpften um das Leben des Kronprinzen Friedrich, der an Kehlkopfkrebs erkrankt war und zu ersticken drohte. Doch die Mediziner wussten keine Lösung - nur ein Luftröhrenschnitt wäre ein Ausweg gewesen, aber für die medizinischen Möglichkeiten der damaligen Zeit viel zu riskant. Zur gleichen Zeit arbeitete ein junger Chirurg an der Berliner Charité: Friedrich Gustav Bramann, damals noch ohne Adelstitel. Der 34-jährige Privatassistent wurde auf Vorschlag seines Chefs an das Krankenbett des Thronfolgers gerufen und führte erfolgreich und ohne großen Blutverlust den Luftröhrenschnitt durch.
So ermöglichte er Friedrich die Thronbesteigung - allerdings starb er an seinem Krebsleiden wenig später. Aus Dank für die medizinische Heldentat an seinem Vater ernannte Kaiser Wilhelm II. Bramann zum Nachfolger des legendären Arztes Richard von Volkmann als Direktor der halleschen chirurgischen Universitätsklinik; 1890 erhob er ihn in Adelsstand.
Um an den Mediziner zu erinnern, hat der ehemalige Direktor der neurochirurgischen Uniklinik, Winfried Burkert, jetzt zusammen mit einem Enkel von Bramanns eine Gedenktafel an dem früheren Wohnhaus des Chirurgen anbringen lassen - in der August-Bebel-Straße 13. "Dort hat von Bramann bis zu seinem Tod 1913 gelebt", weiß Burkert ganz genau. Denn der Arzt ist auch Verfasser eines Buches über von Bramann, das 2009 im halleschen Projekte-Verlag erschienen ist.
Eigentlich hatte Burkert die Idee, die Umbenennung einer Straße im Medizinerviertel nach Bramann zu beantragen. "Er war der Mitbegründer der Neurochirurgie in Deutschland, er operierte erstmals am offenen Schädel. Englische Ärzte bezeichneten ihn als genial", erläutert Burkert den Hintergrund. Auch in die Leopoldina wurde Bramann aufgenommen. "Eine Straßen-Umbenennung wurde im Rathaus aus Kostengründen abgelehnt", sagt der Initiator.
So wuchs zusammen mit dem 79-jährigen Bramann-Enkel Helmut von Bramann die Idee, den Chirurgen mit einer Tafel zu ehren. "Helmut von Bramann hat mir für meine Buch-Recherchen nicht nur kistenweise Bilder und Dokumente zur Verfügung gestellt, sondern auch die Kosten für die Tafel übernommen", berichtet Winfried Burkert. Aber er glaubt auch, dass dem extrem kaisertreuen Arzt längst in Halle ein Denkmal gesetzt worden ist: Fotos zeigen, dass bei der Beerdigung 1913 auf dem Stadtgottesacker das Grab mit einem großen Engel längst fertiggestellt war. "Das ist sehr ungewöhnlich. Ich vermute, dass der Kaiser dies für ihn anfertigen ließ", sagt der Bramann-Experte.
Winfried Burkert; Der Chirurg Friedrich Gustav von Bramann. Der Retter des Kronprinzen. Halle: Projekte-Verlag, 2009. 18,50 Euro.