Ermittler in Halle

Ermittler in Halle : Man muss als Privatdetektiv lügen können

HALLE (Saale)/MZ - So richtig gut läuft es in Halle nicht für Privatdetektive. In Leipzig und in vergleichbaren Großstädten gibt es etwa dreißigmal mehr Aufträge. Sagt Patrick Kurtz, Privatdetektiv. Betrogene Ehefrauen oder –männer gibt es an der Saale jedoch auch, und mitunter wollen es einige genau ...

Von ANJA HEROLD

So richtig gut läuft es in Halle nicht für Privatdetektive. In Leipzig und in vergleichbaren Großstädten gibt es etwa dreißigmal mehr Aufträge. Sagt Patrick Kurtz, Privatdetektiv. Betrogene Ehefrauen oder –männer gibt es an der Saale jedoch auch, und mitunter wollen es einige genau wissen.

„Kürzlich habe ich im Auftrag einer Frau ihren Ehemann observiert, von dem sie annahm, dass er ein Verhältnis mit seiner Praktikantin hat. Ich habe den Mann beobachtet, bin ihm den ganzen Tag hinterhergefahren, bis er am Abend in ein Hotel eincheckte. Nach einer ganzen Weile kam dann tatsächlich die Praktikantin und ging zu ihm aufs Zimmer. Ich habe die Frau informiert, die kam und hat einen solchen Aufstand gemacht, dass uns das Hotelpersonal rausgeworfen hat.“ Ein typischer Fall in seinem Alltag, sagt Kurtz.

Auch Firmenmitarbeiter im Visier

Betrug im privaten Bereich mache einen großen Teil seiner Aufträge aus. Und Betrug in der Wirtschaft, wenn zum Beispiel Firmenmitarbeiter trotz Wettbewerbsklausel für andere Arbeitgeber tätig seien. „Der dritte große Bereich sind Suchaufträge, aber die sind häufig schwierig. Da liegt die Erfolgsquote nur bei 80 Prozent.“

So spannend die Arbeit von Privatdetektiven im Film erscheint, ist sie im Alltag häufig nicht. „Ich telefoniere sehr viel und suche im Internet nach Hinweisen, besonders in sozialen Netzwerken.“ Und natürlich, sagt Kurtz, wird observiert. „So lange, bis ich einen Beweis habe.“ Observieren heißt, Leute beobachten. Auf dem Bahnsteig, im Restaurant, im Auto, wo auch immer. Stundenlang mitunter. „Oft sitze ich schon im Auto vor dem Haus der Zielperson, bevor die überhaupt aufgestanden ist.“ Das kann manchmal langweilig werden, Kurtz hat für solche Fälle einen Stapel Hörbücher dabei. Und es kann im Winter kalt werden.

Und im Sommer sehr heiß. Ein Fenster zu öffnen, ist oft nicht möglich, weil er da leichter entdeckt werden könne, sagt Kurtz. Geschlossene Scheiben spiegeln nämlich und lassen nicht leicht erkennen, dass da jemand sitzt. Es ist aber schon vorgekommen, dass er von Anwohnern entdeckt wurde. Eine Frau hat ihm einmal einen Kaffee angeboten. „Ich habe für solche Fälle eine Decke und ein paar Flaschen im Auto und erzähle dann, dass ich zu Hause rausgeflogen bin.“ Lügen, sagt der Detektiv, müsse man gut können in seinem Job.

Kriminaltechnikkoffer mit dabei

Am wichtigsten für seine Arbeit ist natürlich eine Kamera, mit der die Beweisfotos gemacht werden. Die übrigens immer bei ihm verbleiben wegen des Urheberrechts. Auch einen Kriminaltechnikkoffer hat Kurtz - mit Gummihandschuhen und allerlei Chemikalien darin. Einen Observierungsbus besitzt er aber nicht. „Die sind zwar praktisch, aber leider auch sehr auffällig.“ Auch ein GPS-Ortungsgerät besitzt er, das darf er aber nicht mehr benutzen. Vor einigen Jahren haben Gerichte das untersagt, was Kurtz schade findet. Die Geräte seien sehr praktisch gewesen. Die Grenzen, innerhalb deren sich Privatdetektive bewegen, sind zwar dehnbar, aber dennoch klar definiert. Keine Einbrüche etwa, keine Fotos in Autos und sonstige Privaträume hinein.

Moralische Grenzen hingegen gibt es für Patrick Kurtz kaum. Er hat kein schlechtes Gewissen, Leute zu beobachten. „Ich bin doch nicht der, der den Auftrag erteilt.“ Einen Auftrag lehnt er dann ab, wenn kein berechtigtes Interesse vorliegt. „Wenn zum Beispiel ein Mann seine Freundin beobachten lassen will, mit der er aber erst seit zwei Monaten zusammen ist. Das reicht nicht. Als Maßstab gilt in solchen Fällen in der Regel das Zusammenleben von zwei Menschen.“ Als erledigt gilt ein Auftrag, wenn Kurtz entweder genug Beweise gesammelt hat.

Oder er ist beendet, wenn dem Auftraggeber das Geld ausgeht. Immerhin 590 Euro pro Tag, ab einer Einsatzzeit von zwölfeinhalb Stunden, kostet sein Detektiveinsatz. „Ich habe aber auch schon mal abgebrochen, wenn die Observation rein gar nichts gebracht hat. Und einmal nach 17 Stunden, da war ich wirklich fertig.“

Körperliche Fitness ist gefragt

Körperliche Fitness ist eine der Voraussetzungen, die ein Detektiv habe sollte. Ein gutes Allgemeinwissen, logisches Denkvermögen, Ahnung vom Internet sind weitere. „Und Konzentrationsfähigkeit. Man muss mitunter stundenlang auf einen Punkt starren und darf nicht abschweifen. Das ist schwer.“ Ansonsten benötigen potenzielle Detektive nicht viel, um ihr Gewerbe anzumelden. Eine Ausbildung ist, rein formal, nicht nötig. Kurtz kritisiert das, er findet ein Mindestmaß an Wissen und praktischer Erfahrung unerlässlich. Er selbst hat eine sechsmonatige Ausbildung an der „Sicherheitsakademie Berlin“ gemacht, wo Grundlagen des Rechts, Observationstechniken, Ermittlungsansätze und Einblicke in Computer-Sicherheit vermittelt werden.

Aus Kurtz’ Schwärmerei für Sherlock Holmes seit seinem zwölften Lebensjahr ist inzwischen ein Geschäft geworden. Der 29-Jährige hat schon zur Zeit seines Literaturwissenschaftsstudiums in Marburg in einer Detektei mitgearbeitet. Inzwischen betreibt er mehrere Detekteien in ganz Deutschland.