Erfindung aus Halle

Erfindung aus Halle: Dieser „Rochen“ soll Leben retten

Halle (Saale) - Die DRK-Wasserwacht entwickelt ein Gerät, das selbstständig Ertrinkende ans Ufer bringen soll. Noch in diesem Jahr steht in Halle ein Test an.

Von Oliver Müller-Lorey 20.02.2020, 12:00

In ganz Deutschland haben Schwimmbad- und Badeseenbetreiber Schwierigkeiten, genug Rettungsschwimmer zu finden. Abhilfe könnte ein neuartiger Wasserrettungsroboter schaffen, der Ertrinkende ganz von alleine ans Ufer bringen soll und derzeit von der halleschen DRK-Wasserwacht in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut im thüringischen Ilmenau entwickelt wird. Ein erster Prototyp soll noch in diesem Jahr in Halle getestet werden.

Über die Pläne informierte am Mittwoch der Vorsitzende der halleschen Wasserwacht, Sven Thomas. Er bezeichnete den Roboter, der an die Form eines Rochens erinnert, als „Tesla unter Wasser“. „Er kann alleine eine ertrinkende Person erkennen, alleine hinfahren und sie alleine retten“, so Thomas. Dafür taucht der Roboter, der in einer Art Garage am Boden des Schwimmbeckens stationiert ist, mit Hilfe von zwei bis vier batteriebetriebenen Propellern unter die Person in Not, fixiert sie mit zwei „Fühlern“ und bringt sie zum Beckenrand. Ein Gewicht von maximal 110 Kilogramm soll der Rochen schultern können.

Gerät greift auf bereits vorhandene Videoüberwachung in Schwimmbädern zu

Um eine ertrinkende Person zu erkennen, greift das Gerät auf die bereits vorhandene Videoüberwachung in Schwimmbädern zu und analysiert die Bewegungen der Schwimmer. Der Einsatz in Schwimmbädern soll daher auch die erste Stufe sein, später soll der Roboter auch in Badeseen, wo es noch keine Kameras gibt, zum Einsatz kommen.

Dort könnte der Roboter Bademeister nicht nur ergänzen, sondern die Arbeit auch besser machen, als Menschen es können. Denn Thomas zufolge gibt es für Ertrinkende in trüben Seen und Flüssen kaum Überlebenschancen, sobald sie einmal unter Wasser geraten. „Sie werden dann schlichtweg nicht mehr gefunden, sinken auf den Boden und erleiden in kurzer Zeit schlimme Hirnschäden“, sagt er. Ein mit Sonar ausgestatteter Roboter sei den menschlichen Wasserrettern mit seiner Technik da einen Schritt voraus. Einen Quadratkilometer scannt er in nur vier Minuten ab. In Deutschland ertrinken jedes Jahr etwa 500 Personen, in Europa sogar 37.000.

Preis für den Super-Rochen steht derweil noch nicht fest

Ein Preis für den Super-Rochen steht derweil noch nicht fest. „Über Kosten zu sprechen, macht in diesem Stadium noch keinen Sinn“, so Thomas. Gleichwohl gebe es sehr viel Interesse an dem Gerät, das weltweit einmalig sei. Zwar werden Unterwasser-Roboter schon in China, Kanada und auch Deutschland genutzt, allerdings nur für Forschungs- und Erkundungsfahrten. „Die Menschenrettung ist damit völlig neu.“ Kein Wunder also, dass die Wasserwacht schon in Kontakt mit anderen Schwimmbädern in Deutschland steht.

Getestet werden soll der Roboter jedoch in Halle - und zwar noch im November dieses Jahres. Auch die Bäder Halle GmbH ist ein Kooperationspartner der Entwickler. Sie ist schon jetzt für ihr Engagement in Sicherheitsfragen bekannt und wurde dafür ausgezeichnet. (mz)