Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“

Die junge Lejla aus Halle hilft Senioren im Heim

Die 18-jährige Schülerin hat bei einem Praktikum ihren Traumberuf entdeckt und ist in der Freizeit als ehrenamtliche Helferin eingesprungen. Was ihr daran besonders gefällt

Von Silvia Zöller 27.04.2022, 15:35
 Lejla Hajo im Gespräch mit Erika Wansch. Die Schülerin hilft im Seniorenheim Schöne Aussicht der AWO aus und ist für den Bürgerpreis nominiert.
Lejla Hajo im Gespräch mit Erika Wansch. Die Schülerin hilft im Seniorenheim Schöne Aussicht der AWO aus und ist für den Bürgerpreis nominiert. Foto: LEjla Silvio Kison

Halle (Saale) - Lejla Hajro ist eine junge, modebewusste Frau, die weiß, was sie will: Altenpflegerin werden. „Wir kommen alle mal in das Alter, wo wir Hilfe brauchen“, sagt die 18-Jährige. Den Ausbildungsvertrag, so freut sie sich, hat sie schon in der Tasche und wird ab August eine Ausbildung als Pflegefachkraft bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) beginnen. Doch schon seit sieben Monaten hilft die Noch-Schülerin in der Awo-Senioreneinrichtung „Schöne Aussicht“ ehrenamtlich aus - weil sie während eines Praktikums gesehen hat, wie eng die Personalsituation in Coronazeiten ist.

Hilfe beim Anziehen, Essen und Waschen

Deswegen hat die Awo Halle-Merseburg Lejla Hajro jetzt für den Ehrenamtspreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert. „Lejla Hajro kommt nun nach einem Praktikum im August 2021 mehrfach im Monat nach ihrer Schule zusätzlich zu uns in die Einrichtung, sowie an den Wochenenden und Feiertagen und unterstützt das Personal und die Bewohner im Seniorenheim“, heißt es in der Begründung. Während jedoch viele ehrenamtliche Mitarbeiter ein- oder zweimal in der Woche oder im Monat kommen und mit einigen Senioren spazieren, oder Brettspiele spielen, mache Lejla viel mehr: Sie hilft beim Anziehen, Aufstehen, Waschen oder beim Essen und zähle mittlerweile zum Stammpersonal. „Wir finden, dass ihre riesengroße Einsatzbereitschaft ohne Entlohnung und das in ihrem jungen Alter, sehr bewundernswert ist und sollte besonders gewürdigt werden“, so die Awo.

Dabei sieht Lejla ihr Engagement aus einem ganz anderen Blickwinkel: „Es macht Spaß, den älteren Menschen zu helfen und auch, sie zum Lachen zu bringen.“ Oft heitert die 18-Jährige die Senioren mit Witzen auf. Für die junge Frau kommt ein Job mit Kindern oder im Krankenhaus nicht in Frage: Die Arbeit mit Senioren bereitet ihr viel mehr Freude.

Ehrenamtlicher Einsatz gleich für eine ganze Schicht

Wenn sie das Seniorenheim in der Südstadt betritt, das ihre Schwester Jasmina Hajro leitet, bleibt sie nicht nur für eine oder zwei Stunden, sondern gleich für eine ganze Acht-Stunden-Schicht. Oft auch am Wochenende, wenn die Personaldecke nicht ausreicht. „Wir haben öfter Schülerpraktikanten und lassen sie langsam anfangen, indem sie mit den Senioren spazieren gehen oder Spiele spielen. Lejla hat nach drei Tagen gleich gefragt, ob sie nicht noch mehr machen kann. Die Kollegen taten ihr leid wegen der coronabedingten Ausfälle“, erzählt Jasmina Hajro. Trotz aller Schwierigkeiten in der geplagten Branche kann sie eines für ihren Beruf sagen: „In der Altenpflege bekommt man viel zurück. Diese Dankbarkeit, so etwas gibt es nirgends und sie ist ehrlich.“

Nach wie vor suche die Einrichtung ehrenamtliche Helfer. Beim Regionalverband Halle-Merseburg der Awo sind übrigens derzeit aktuell 102 Ehrenamtliche tätig; im Seniorenbereich ist Lejla jedoch eine von nur acht Freiwilligen.

Aktuell sammelt die Awo auch Spenden für Ukraine-Flüchtlinge. Das Geschehen in Osteuropa macht Erinnerungen in der Familie Hajro wach, die 1992 aus dem Bosnien-Krieg nach Halle geflüchtet ist. „Wir waren damals drei Kinder, unser Vater hatte bei einer deutschen Firma gearbeitet, so dass wir nach Deutschland fliehen konnten“, sagt Jasmina Hajro, die damals vier Jahre alt war und in Bosnien-Herzegowina geboren wurde. Ihre Schwester Lejla erblickte jedoch erst viele Jahre später das Licht der Welt in Halle.