Die Gisa Lions bangen

Die Gisa Lions bangen: Dreht die Saalesparkasse dem Erstligisten den Geldhahn zu?

Halle (Saale) - Der Erstligist hat vor dem Trainingsstart Sorgen: Die Saalesparkasse überlegt, ihr Engagement zu kündigen. Was die Hintergründe dafür sind.

Von Christoph Karpe
Auf dem Trikot von Barbora Kasparkova (l.) prangt das Sparkassen-Logo. Auch in der nächsten Saison? Holger John / VIADATA Photo

Die Trainingspläne stehen, am Sonnabend fliegen die ersten Spielerinnen aus Übersee ein. Und wenn ihre Coronatests dann negativ sind, kann Trainer Peter Kortmann mit der Saisonvorbereitung loslegen. Ein halbes Jahr, eine gefühlte Ewigkeit, nach dem letzten Erstliga-Punktspiel sind die Gisa Lions vom SV Halle im Vorstartmodus.

„Wir steigen nicht ab“, hatte der Trainer-Rückkehrer in der Zwischenzeit versprochen. Ein Mut machender Satz. Zur Erinnerung: Mit nur vier Siegen aus den 21 Spielen - das letzte wurde wegen Corona abgesagt - waren die Lions eigentlich sang- und klanglos aus der Basketball-Bundesliga der Frauen abgestiegen.

Aber weil dann wegen des Saisonabbruchs die Regelung gefunden wurde, dass es keine Auf- und keine Absteiger gibt, die Liga mit dem gleichen Zwölferfeld weitermacht, sind die Lions ab dem 24. Oktober weiterhin dabei, wenn die erste Liga ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt.

Etat der Lions liegt bei 300.000 Euro

Hinter den Kulissen wurde in der langen Pause daran gearbeitet, dass der Kader diesmal erstligatauglich ist - und dafür auch das nötige Geld eingesammelt. Der Etat liegt bei 300.000 Euro.

Doch ob der Neustart wirklich positiv verheißungsvoll verläuft, das ist gerade wieder fraglich geworden. Die Saalesparkasse erwägt nämlich, den Sponsorenpool zu verlassen. Womit den Lions geschätzte 50.000 Euro fehlen würden. Auch die Sparkassen-Busse, mit denen das Team in der Vergangenheit zu Auswärtspartien gefahren ist, würden nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine massive Säule, die da wegbräche.

Fraglich, ob die anderen Hauptsponsoren diese mit Extrazuschüssen ersetzen könnten. Weitere Sponsoren zu akquirieren, ist in Coronazeiten fast ein Ding der Unmöglichkeit. „Die Situation ist nicht leicht für uns. Wir hoffen, dass es noch eine Lösung gibt“, sagt Lysann Kairies, die Geschäftsführerin der Gisa Lions.

Zum Stand der Dinge gab es von Sparkassenvorstand Jürgen Fox ein schriftliches Statement. Tatsache sei, dass „die Sponsoringvereinbarung mit den GISA Lions tatsächlich endete und aktuell noch keine neue Vereinbarung unterzeichnet ist. Über die Gründe, warum unsere Entscheidung wie ausfällt bzw. mit welchen Beträgen wir uns engagieren (oder eben nicht), äußern wir uns regelmäßig nicht.“

Zusammenarbeit mit SV Halle funktioniert nicht

Der Hauptgrund, weswegen sich Sparkassenverhandlungsführer Fox sträubt, die Lions weiterhin zu unterstützen, ist die aktuell kaum funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Basketballern, konkret der GmbH, die die Geschicke des Erstligateam leitet, und dem SV Halle. Fox möchte im Sinne der vermeintlich besseren Nachwuchsförderung - in den letzten Jahren gab es die praktisch nicht -, dass der SV Halle mehr Kontrolle bekommt.

„Wir wollen eine bessere Verzahnung zwischen der Profimannschaft und der Nachwuchsabteilung“, sagt SV-Halle-Geschäftsführer Ingo Michalak. „Zuletzt hat die Nachwuchsarbeit massiv gelitten. Wir möchten, dass in ein paar Jahren wieder Spieler aus Halle Chancen auf internationale Einsätze im Nachwuchs haben und auch die Erstligamannschaft unterstützen“, so Michalak weiter. Außerdem sei für einen Großverein ohne Sportler im Ligabetrieb ein Erstliga-Team ein öffentlich wirksames Marketingprojekt.

Gisa Lions wollen Eigenständigkeit

Bei den Gisa Lions sehen sie das ganz genauso. Man will unbedingt den Nachwuchs stärker fördern. Dieses Defizit der vergangenen Jahre , zu dem auch das Fehlen eines weiblichen Landestrainers beigetragen hat, soll ausgeglichen werden.

Coach Kortmann machte SV-Nachwuchstrainerin Sandra Rosanke zu seiner Assistentin, er gibt Übungsstunden für Kids und auch die Profi-Spielerinnen engagieren sich kostenlos beim Kindertraining. Die Gisa Lions wollen aber eines: Eigenständigkeit. Sie wollen sich nicht von einem Großverein, dessen Priorität beim Individualsport liegt, in ihre Belange reinregieren lassen.

Jürgen Fox möchte dagegen gemeinsam mit Michalak eine stärkere Verzahnung und mehr Einfluss, sieht eine Eigenständigkeit der Lions angeblich skeptisch. „Wenn er bei uns im Aufsichtsrat sitzen würde, könnte er sehr gut mitbestimmen“, sagt Lysann Kairies. Reicht dies als Argument, um die Entscheider bei der Sparkasse umzustimmen? (mz)