Comic-Laden

Comic-Laden in Halle: Bei Salvatore Wagner gibt's mehr als nur Micky Maus

Halle (Saale) - Seine Einstiegsdrogen waren - na klar - die Digedags. Aus dem Westen bekam er manchmal Fix-und-Foxi-Hefte, zu den frühen Hauptschätzen aber gehörten zwei Asterix-Bände: „Asterix und der Kupferkessel“ und „Die Trabantenstadt“. Keine Frage, Comics hat Salvatore Wagner immer schon gern gelesen. Nach einigen beruflichen Umwegen, die unter anderem über einen Job an der Tankstelle und die Zeit bei der Bundeswehr führten, hat er sein Hobby dann quasi zum Beruf gemacht. „Einen Comic-Laden gibt’s noch nicht in Halle, hab ich mir gedacht.“ Und also selbst einen eröffnet. 18 Jahre ist das her. „Es hat offenbar funktioniert“, sagt der heute 43-Jährige und ...

Von Peter Godazgar

Seine Einstiegsdrogen waren - na klar - die Digedags. Aus dem Westen bekam er manchmal Fix-und-Foxi-Hefte, zu den frühen Hauptschätzen aber gehörten zwei Asterix-Bände: „Asterix und der Kupferkessel“ und „Die Trabantenstadt“. Keine Frage, Comics hat Salvatore Wagner immer schon gern gelesen. Nach einigen beruflichen Umwegen, die unter anderem über einen Job an der Tankstelle und die Zeit bei der Bundeswehr führten, hat er sein Hobby dann quasi zum Beruf gemacht. „Einen Comic-Laden gibt’s noch nicht in Halle, hab ich mir gedacht.“ Und also selbst einen eröffnet. 18 Jahre ist das her. „Es hat offenbar funktioniert“, sagt der heute 43-Jährige und lächelt.

Ausgestattet mit trockenem Humor und mächtigem Vollbart sitzt er Tag für Tag hinter der Theke seines kleinen Ladens - „Salvis Comic-Shop“ - am Franckeplatz, eingangs der Rannischen Straße, und wartet auf Kundschaft, die neues Lese- und Bilderfutter sucht. Meist seien es Stammkunden, sagt Wagner. Sein allererster Kunde habe ihm bis heute die Treue gehalten. Da lässt man sich gern auf die eine oder andere Fachsimpelei ein.

Es lief eigentlich von Anfang an ganz ordentlich, sagt Wagner. Als er den Laden 1998 eröffnete, rollte gerade die große Pokémon-Welle durchs Land. Wagner lächelt: „Das hat mir sehr geholfen.“ Sein Wissen hat sich der Hallenser über die Jahre selbst angeeignet.

Salvis Comic-Shop

Was es noch gibt in Salvis Comic-Shop: Zeitungen und Zeitschriften, Poster, Actionfiguren, Spielkarten, eine kleine Auswahl an T-Shirts mit Comic-Helden und auch einen DHL-Paketshop. Vor allem aber natürlich: Regale voller Comics. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wagner greift nicht nur zu Bildergeschichten, sondern auch noch zum ganz normalen Buch. „Aber ich würde gern öfter zum Lesen kommen“, sagt der Mann, der sich selbst einen „überzeugten Single“ nennt. Das Comic-Angebot ist ja längst unüberschaubar. Neben den Klassikern und Dauerbrennern - Micky Maus, Asterix, Bat- und Superman, Lucky Luke und so weiter - gibt es zahllose Autoren und Zeichner, die sich explizit an ein erwachsenes Publikum richten.

Längst etabliert hat sich die Graphic Novel, das sind Comicromane im Buchformat. Gebundene Bände, die mitunter auch mal mehrere hundert Seiten dick sind und ebenso viel kosten, wie ein aktueller Belletristik-Bestseller im Hardcover-Format.

Hochkomplexe Storys werden da erzählt, die dazugehörigen Bilder sind äußerst anspruchsvoll. Wer in Wagners Regalen stöbert, gerät ins Staunen und findet beispielsweise auch Klassiker der Weltliteratur als Comic-Adaptionen: Moby Dick, Cervantes’ Don Quijote oder Anna Seghers berühmten KZ-Roman „Das siebte Kreuz“.

Ein weiterer Trend

Ein weiterer Trend: Biografien im Comic-Format. Bei Salvatore Wagner findet man etwa die gezeichneten Lebensgeschichten von Albert Einstein oder Sigmund Freud.

Fragt man den Comic-Experte nach seinen ganz persönlichen Helden, dann nennt er unter anderem die Comic-Serie „Sandman“, ein mehr als 2.000 Seiten umfassendes Epos des US-amerikanischen Science-Fiction- und Fantasy-Autors Neil Gaiman. Die Geschichten erschienen zwischen 1988 und 1996 in 75 Monatsfolgen und sind heute in zehn dicken Einzelbänden erhältlich.

Ein Nischenprodukt ist der Comic-Roman in Deutschland freilich immer noch. Da hilft auch nicht, dass in der äußerst erfolgreichen Comedy-Serie „The Big Bang Theory“ die Hauptfiguren regelmäßig in einem Comic-Laden herumstöbern. In den USA sei man da schon weiter, sagt Salvatore Wagner. Da habe er einen Comic-Laden besucht, der habe das Ausmaß einer Werkhalle gehabt. (mz)