Nominierung

Brigitte Schuster koordiniert die Ehrenamtlichen des Seniorenbesuchsdienst „Klingelzeichen“ in Halle-Neustadt

Rund 40 Freiwillige machen in Neustadt bei dem Projekt mit, das älteren Menschen aus der Einsamkeit hilft. Bei Besuchen oder Spaziergängen tauschen sich sich die Ehrenamtlichen aus. Wer wen trifft, organisert Brigitte Schuster.

28.02.2022, 12:51
 Brigitte Schuster engagiert sich beim Seniorenbesuchsdienst in Neustadt und ist für den Bürgerpreis  nominiert.
Brigitte Schuster engagiert sich beim Seniorenbesuchsdienst in Neustadt und ist für den Bürgerpreis nominiert. Foto: Silvio Kison

Halle (Saale)/MZ - Nachbarschaftshilfe - das ist für Brigitte Schuster selbstverständlich. 1975 ist die heute 68-Jährige nach Neustadt gezogen und hat es damals so kennengelernt. „Ich gehe heute noch für meine Nachbarin einkaufen“, berichtet sie. Doch auch in einem viel größeren Rahmen engagiert sich die Rentnerin für die Menschen im Stadtteil: Sie koordiniert die 40 Ehrenamtlichen des Seniorenbesuchsdiensts „Klingelzeichen“, die in Neustadt aktiv sind.

Als die frühere Kita-Erzieherin 2015 in den Ruhestand gegangen ist, hat sie sich gesagt: „Irgendetwas muss ich noch tun.“ Da sie über einen Kontakt im Bekanntenkreis ohnehin schon eine ältere Dame betreut hat, lag für sie ein Engagement beim Seniorenbesuchsdienst nahe. Seit letztem Jahr hat sie neben dem langjährigen Besuch einer Seniorin nun auch die Aufgabe übernommen, Kontakte zwischen älteren Neustädtern und interessierten Ehrenamtlichen zu knüpfen und bei bestehenden Patenschaften nachzuhören, ob alles gut läuft. Weiterbildungen inklusive „Ich bin auch bei Austauschtreffen dabei, ebenso bei Weiterbildungen“, berichtet Brigitte Schuster. Und sie ist begeistert von diesen Aufgaben. „Ich habe mich im Klingelzeichen richtig wiedergefunden“, sagt sie. „Man gehört dazu, ich fühle mich wohl. Das Zwischenmenschliche würde mir sonst fehlen.“

Vorträge als Weiterbildung

Zudem lerne sie bei Vorträgen, die die Freiwilligenagentur als Träger des Projekts anbietet, immer dazu. Etwa über Themen wie Homosexualität im Alter oder Transgender. Rund zehn bis zwölf Stunden wendet die Rentnerin pro Woche für „ihr“ Ehrenamt auf und das sehr gerne: „Ich mache das, weil es mir Freude bereitet.“ Die 40 Ehrenamtlichen, die in Neustadt Senioren besuchen, sie zum Arzt begleiten oder für sie Fragen klären, haben im vergangenen Jahr insgesamt 2.600 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, so die Projektleiterin Melanie Holtemöller von der Freiwilligenagentur.

Auch in den anderen Stadtteilen gibt es das 2020 gegründete „Klingelzeichen“, insgesamt mit rund 100 Freiwilligen. Und: „Grundsätzlich können wir immer Verstärkung gebrauchen, den die Nachfrage ändert sich jeden Tag“, so Holtemöller. Schon aufgrund der demografischen Entwicklung werde der Bedarf steigen. Führungszeugnis erforderlich Wer beim Klingelzeichen mitmachen möchte, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, betont Brigitte Schuster. In einem Vertrag mit der Freiwilligenagentur müssen die Ehrenamtlichen unter anderem Verschwiegenheit garantieren. Dann liegt es an der Neustädterin, zu schauen, wer zu wem passt. „Es gab auch Fälle, wo es nicht geklappt hat“, räumt sie ein. In den meisten Fällen habe sich aber eine langfristige Freundschaft entwickelt.

Freiwillige weisen sich mit Dokument aus

Besonders freut sich Brigitte Schuster darüber, dass sich sowohl jüngere als auch ältere Hallenser und auch einige Menschen mit Handicaps beim Seniorenbesuchsdienst engagieren. „Und darunter sind auch ehemalige Kollegen von mir“, sagt sie. Nachbarschaftshilfe wird in Neustadt eben groß geschrieben. Übrigens: Damit sich die Senioren davon überzeugen können, dass die „Klingelzeichen“-Ehrenamtlichen auch wirklich zu diesem Besuchsdienst gehören, erhalten alle Freiwilligen Ausweise mit Lichtbild.